Microsoft: Xbox Scorpio mit 12 GByte RAM und hoher Speicherbandbreite
Im Gespräch mit der britischen Webseite Digital Foundry(öffnet im neuen Fenster) hat Microsoft die Spezifikationen der Xbox One Scorpio bekanntgegeben. Scorpio ist übrigens immer noch eine Projektbezeichnung – den tatsächlichen Namen, den Preis und das konkrete Erscheinungsdatum will Microsoft erst später verraten, etwa auf der Spielemesse E3 im Juni 2017. Auch das Aussehen des Geräts hat Microsoft noch nicht gezeigt. Bekannt ist nur, dass das Netzteil wie bei der Xbox One Slim in das Gehäuse integriert sein wird.
Herzstück der Scorpio ist ein 360 mm² großes SoC, das erneut zusammen mit AMD entstanden ist. Es basiert laut Digital Foundry auf einer verbesserten Version der Jaguar-Architektur und verfügt über acht x86-Kerne, die mit einer Taktrate von 2,3 GHz arbeiten. In der derzeit erhältlichen Xbox One arbeiten die acht Kerne mit 1,75 GHz, in der Playstation 4 Pro mit 2,1 GHz.
Die GPU besteht aus 40 Compute Units (CU) – das ist nach aktuellen Standards zwar nicht extrem viel, dafür verfügen die CUs über einen Takt von 1.172 MHz. Zum Vergleich: Die Xbox One Slim hat 12 Compute Units mit einem Takt von 914 MHz verbaut und in der PS4 Pro werkeln 36 CUs mit einem Takt von 911 MHz.
Viel schneller Speicher
Deutlich leistungsstärker dürfte Scorpio aber wegen einer anderen Verbesserung werden: Microsoft will in dem Gerät 12 GByte an GDDR5-Speicher verbauen, die über zwölf 32-Bit-Kanäle mit Daten befeuert werden – das ergibt eine Speicherbandbreite von 326 GB/s. Die Xbox One Slim schafft rund 68 GB/s (DDR3) plus 219 GB/s (ESRAM) und die PS4 Pro kommt auf 218 GB/s.

Von den zwölf GByte an RAM können Entwickler 8 GByte für ihre Spiele verwenden, also 3 GByte mehr als auf der Xbox One. 4 GByte sind für die Systeme der Konsole reserviert – 1 GByte mehr als auf der Xbox One. Laut Digital Foundry liegt das daran, dass das Dashboard bei 4K-Auflösungen mehr Platz im Speicher benötigt.
Die Festplatte von Scorpio soll grundsätzlich über 1 TByte an Speicherplatz verfügen und Daten rund doppelt so schnell lesen können wie die Vorgängerkonsolen. Außerdem verbaut Microsoft ein Laufwerk, das 4K-Blu-ray-Discs verarbeiten kann, ebenso wie schon die Xbox One Slim – für viele Nutzer ein großer Vorteil gegenüber der Playstation 4, die selbst in ihrer Pro-Version nur etwas mit normalen Blu-ray-Scheiben anfangen kann. Überhaupt soll Scorpio 4K-Videos mit einer Bildrate von 60 fps unterstützen, wenn sie nach dem HEVC-Standard kodiert sind.
Bessere Grafik auch für ältere Spiele
Mit dieser Hardware soll die Xbox One die bereits vor Monaten anvisierten 6 Tflops an GPU-Leistung erreichen – und damit in der Lage sein, nativ und flüssig 4K-Spiele mit HDR und mit Wide Color Gamut zu berechnen und darzustellen. Digital Foundry schreibt übrigens, dass sich Microsoft entschlossen hat, die verfügbaren Grafikmodi mitsamt Auflösungen und Bildraten in den Menüs unabhängig vom angeschlossenen Monitor anzuzeigen und – soweit verfügbar – auswählbar zu machen, anders als bei der PS4 Pro.
Digital Foundry hat sich von Microsoft auch im Detail zeigen lassen, welche praktischen Vorteile es bringt, wenn Spiele auf Scorpio statt auf einer aktuell erhältlichen Xbox One laufen. Ziemlich offensichtlich ist natürlich, dass es wegen der enormen Leistungsreserven keine Einbrüche mehr bei der Bildrate geben wird, wenn etwa unerwartet viele Gegner oder andere Objekte berechnet werden müssen.
Eine automatische Erhöhung der ursprünglich anvisierten Bildrate wird es aber nicht geben. Wenn ein Entwickler 30 fps auf der Xbox One vorgegeben hatte, muss er für 60 fps auf Scorpio ein Update programmieren. Bereits jetzt erhältliche Spiele mit dynamisch angepasster Auflösung wie Doom, Halo 5 oder Battlefield 1 werden aber kaum – vermutlich sogar gar nicht – auf niedrige Auflösungen wechseln müssen, um ihre Bildrate durchgehend zu halten.
Ein Vorteil für sehr viele ältere Spiele auf der Xbox One Scorpio: Das Gerät soll statt des oft verwendeten 4-fachen anisotropen Filters künftig mehr oder weniger immer 16:1 AF verwenden – sogar in Xbox-360-Spielen, die im Rahmen des Backwards-Kompatibilitäts-Programms emuliert werden. Im Video von Digital Foundry, das wir in diesen Artikel eingebettet haben, ist der enorme Unterschied anhand von Forza Horizon deutlich zu sehen.
Kampf den Ladebalken
Außerdem sollen auf Scorpio auch die Ladezeiten teils viel kürzer sein als auf den bislang erhältlichen Konsolen. Zum einen wegen der schnelleren Festplatte, zum anderen wegen der schnelleren CPU – etwa, wenn Texturen erst noch dekomprimiert werden müssen. Microsoft verspricht Entwicklern bei 4K-Texturen eine rund 50 Prozent schnellere Verarbeitung, so Digital Foundry. Außerdem sollen die 3 GByte RAM, die von Xbox-One-Spielen nicht verwendet werden können, als eine Art Cache für häufig benötigte Daten zur Verfügung stehen.
Offenbar kommen zwar die allermeisten – aber eben nicht alle – Spiele mit den Verbesserungen gegenüber der gegenwärtigen Xbox-One-Plattform klar. In Einzelfällen könne es etwa Probleme mit der höheren Anzahl von Compute Units geben, um die sich aber Microsoft selbst vor der Veröffentlichung des Geräts kümmern will.
Zu den Games, die zum Start der neuen Konsole erscheinen sollen, hat sich Microsoft noch nicht geäußert. Im Artikel von Digital Foundry spielt öfter mal Forza Horizon als eine Art Benchmark eine Rolle. Angeblich soll der nächste Teil der Rennspielserie das Vorzeigespiel überhaupt werden – aber auch dies wird wohl frühestens auf der E3 im Juni 2017 bekannt gegeben.
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