Microsoft vs. Google: Kampf um Echtzeitkommunikation im Web
Das W3C arbeitet an einem Standard für Echtzeitkommunikation im Web, der Videokonferenzen, Chats und andere Peer-to-Peer-Kommunikation direkt im Browser ermöglichen soll. Bislang prägt Google die Entwicklung, hat das Unternehmen mit WebRTC doch ein HTML5-Framework für Echtzeitkommunikation unter einer BSD-ähnlichen Lizenz veröffentlicht. Damit lassen sich Webapplikationen für VoIP, Chat und Videotelefonie umsetzen. Mozilla hat Googles Vorschlag aufgegriffen, beide wollen WebRTC in ihre Browser integrieren.
Um mit Google WebRTC einen freien Standard für Echtzeitkommunikation zu schaffen, strebt Google eine Standardisierung durch das W3C und die IETF an. Doch genau hier schlägt nun Microsoft mit einem konkurrierenden Entwurf auf, denn der bisher vorliegende Entwurf geht Microsoft nicht weit genug. Hinter Microsofts Entwurf stehen unter anderem die Skype-Architekten Matthew Kaufman und Martin Thomson, SIP-Erfinder Jonathan Rosenberg und Lync-Architekt Bernard Aboba.
Nach Ansicht von Microsoft ist der von Google eingebrachte Entwurf nicht mit bestehenden VoIP-Telefonen und Mobiltelefonen sowie über Firewall und Router hinweg interoperabel. Er sei stattdessen nur auf Videokommunikation zwischen Browsern unter idealen Bedingungen ausgelegt und erlaube es einer Applikation nicht zu kontrollieren, wie Inhalte übertragen werden. Dinge wie Sicherheitskonsolen, Audio-Streaming-Dienste oder die Baby-Überwachung seien damit nur schwer umsetzbar.
Zudem sei Googles WebRTC-Entwurf nicht statuslos (stateless) und stark abhängig von SIP, einer Technik, die nach Ansicht von Microsoft veraltetet ist. Der Ansatz mache die Umsetzung von Anwendungen zudem unnötig schwer.
Daher schlägt Microsoft seinerseits " Customizable, Ubiquitous Real Time Communication over the Web(öffnet im neuen Fenster) " (CU-RTC-Web) vor. Google könnte mit WebRTC für zunehmende Konkurrenz für Microsofts Tochter Skype sorgen. Denn Skype ist nach wie vor ein geschlossenes System, das Skype allein kontrolliert. Ein offener Webstandard könnte zu interessanten Alternativen zu Skype führen, wäre es damit doch möglich, direkt im Browser zu kommunizieren, ohne dass alle Beteiligten die gleiche Software nutzen müssen.
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