Schulen sollen nicht allein über Microsoft-Einsatz entscheiden

All das besorgt auch einige derjenigen, über deren Arbeitsorganisation hier gestritten wird. "Man stelle sich vor, dass ich in 20 Jahren vor einem intransparenten Algorithmus stehe, der mich für einen Job ablehnt, weil ihm ein Text nicht passt, den ich damals im Politikunterricht geschrieben habe", schreibt Lukas Wagner, ein Schüler, in einem Gastbeitrag für das Portal Netzpolitik.org. "Während ich im privaten Bereich selbst entscheiden kann, was ich nutzen möchte, war es jedoch ein weiter Weg, das auch in der Schule zu erreichen."

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Wagner beschreibt eine absurde Situation: Er könnte mühelos auf die Einschätzung von Juristinnen verweisen, die belegen, dass mindestens eine Einverständniserklärung nötig wäre, um Microsoft Teams an der Schule zu nutzen. Seine Schule sieht sich aber dennoch im Recht, die Software verpflichtend und ohne separate Einverständniserklärung der Eltern einzusetzen - nicht verwunderlich, schließlich gibt es auch Dokumente, in denen steht, es sei in Ordnung.

"Es muss geklärt werden, ob der Einsatz von zum Beispiel Microsoft Office 365 - und damit auch der von Microsoft Teams - jetzt verboten oder zulässig ist in Deutschland", sagt Michael Kerres, Professor für Mediendidaktik und Leiter des Learning Labs an der Universität Duisburg-Essen. Dass die Landesdatenschutzbeauftragten sich so uneindeutig zur Frage der Zulässigkeit von Microsoft Teams oder ähnlichen Produkten äußern, bezeichnet er als "nicht zufriedenstellend" für den Schulbetrieb.

Die Entscheidung könne nicht einer einzelnen Schule oder Lehrkraft überlassen bleiben. "Auffallend ist auch, wie unterschiedlich die Handhabe in den Bundesländern ist, aber auch im Vergleich zu Nachbarländern, die doch alle der gleichen EU-Datenschutzgrundverordnung unterliegen sollen", kritisiert Kerres.

Schülerdaten fließen auch privat an Google oder Apple

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Viele Beobachter nervt die Datenschutzdiskussion, weil jetzt in Schulen besonders richtig gemacht werden soll, was privat überall genutzt wird. Auch Schulleiter Graf sagt: Das eigentliche Problem lasse sich sowieso nicht in der Schule lösen. "99 Prozent der Schülerinnen und Schüler nutzen täglich ein Smartphone, das Daten an Google oder Apple sendet."

Doch Datenschutz ist nicht das einzige Argument in der Diskussion um Schulsoftware. "Da werden langfristige Abhängigkeiten geschaffen", sagt Tim Engartner, Bildungsforscher und Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt. "Wenn Sie sich einmal auf ein Programm festgelegt haben, ob jetzt Office 365 oder ähnlich gelagerte Apple-Software - dann begibt man sich auf lange Sicht in Abhängigkeit dieser Soft- und Hardwareentwickler."

Ähnlich argumentiert das Bündnis, das sich in Baden-Württemberg gegen die geplante Nutzung von Teams wehrt: Ein Bundesland dürfe sich nicht von einem Cloud-Angebot abhängig machen, "über das es nicht mit voller Souveränität selbst, sicher und dauerhaft verfügt". Die Sorge: Der Anbieter oder die Regierung des Landes, in dem der Anbieter sitzt, könnten die Nutzung einschränken oder gar abschalten.

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Engartner beschäftigt sich schon lange mit dem Einfluss von großen Unternehmen auf den Unterricht. In der flächendeckenden Ausstattung von Schulen mit kommerzieller Software sieht er einen Interessenkonflikt. Eine der Sorgen dahinter: Lernt eine Schülerin schon in der Schule nur Microsoft-Produkte kennen, wird sie sich wohl auch später für diese Produkte entscheiden. Jetzt würden in der Hektik der Pandemie Tatsachen geschaffen, die sich kaum zurückdrehen lassen, so Engartner. "Darauf haben die Techkonzerne nur gewartet", sagt er.

Dem wird manchmal entgegengehalten, dass es für das berufliche Leben durchaus sinnvoll sein könnte, gängige Microsoft-Produkte nutzen zu können. "Schule ist ein Erfahrungs-, Schutz- und Sozialisationsraum und zielt auf Allgemeinbildung. Product-Placement darf da keinen Platz haben", entgegnet Engartner. "Darüber brauchen wir eine bildungspolitische Debatte."

Bleibt die Frage, was eigentlich die Alternative wäre. Schließlich hat sich zu Beginn des Jahres gezeigt, dass die selbst entwickelten Schul-Clouds anfällig dafür sind, unter der Last der vielen Anfragen zusammenzubrechen. Solche Lösungen zu bauen, ist nicht unmöglich. Und: Dass sie jetzt, in der Ausnahmesituation Homeschooling zusammenbrechen, spricht nicht für ihre allgemeine Dysfunktionalität oder die Unfähigkeit ihrer Macher. Sondern dafür, dass sie https://www.zeit.de/digital/internet/2021-02/digitalisierung-schulen-homeschooling-clouds-fernunterricht wurden. Mit Geld und Geduld kann man das ändern. Sollte aber auch überlegen: Was ist denn das System, das man auch in zwei, in fünf, in zehn Jahren an Schulen einsetzen kann und möchte?

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 Ist Teams in der Schule DSGVO-konform?
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JörgLudwig 04. Mär 2021

Als Gründer von IServ kann ich nicht verstehen, warum ein reibungsloser Betrieb und...

samot-dwarf 04. Mär 2021

Die ganzen selbst oder von irgendwelchen 100-Mann-Firmen zusammengestrickten...

rcp48 04. Mär 2021

Oh ja das ist wie bei der Pisa wo war das gleich wieder wo sich die Eltern beschwert...

rcp48 04. Mär 2021

Ja das kann man. Auser man will halt einfach nicht. oder man hat schon wieder einen...

PaulePanter 04. Mär 2021

Lieber Autor, leider wird hier der falsche Begriff *kommerziell* verwendet, obwohl...



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