Microsoft Surface Pro 12 im Test: Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem iPad

Seit vielen Jahren ist Apples iPad und dessen verschiedene Varianten für uns die beste Empfehlung, wenn es um den Kauf eines neuen Tablets geht. Auch als Freunde des Windows-Ökosystems müssen wir gestehen, dass die Hardware in Form des Surface Pro seit Jahren stagniert und immer weiter hinter der Konkurrenz zurückfällt. Umso überraschender kam es, als Microsoft ein völlig neues Surface Pro ankündigte.
Das Surface Pro 12 ist merklich kompakter und leichter als das klassische 13-Zoll-Modell. Auch hat Microsoft endlich das Design des Surface Pro angefasst. Das Ergebnis ist ein wirklich gut nutzbares Windows-Tablet, das eine ernsthafte Alternative zum iPad Air und iPad Pro sein kann. In einigen Dingen ist das Gerät sogar wesentlich durchdachter und damit für einige User klar das bessere Gerät – auch, wenn wir hier nur den merklich langsameren Snapdragon-X-Plus-Prozessor konfigurieren können.
| Surface Pro 12 | |
|---|---|
| CPU | Qualcomm Snapdragon X Plus (8C, ARM64) |
| Grafik | integriert (Adreno X1 45), 45-TOPs-NPU |
| Display | 12 Zoll (30,48 cm), IPS-Panel (3:2, Touchscreen, spiegelnd, 2.196 x 1.464 Pixel) |
| Massenspeicher | 512-GByte-SSD (gesteckt) |
| Arbeisspeicher | 16 GByte LPDDR5x-RAM (integriert) |
| Anschlüsse | 2x USB-C (3.2 Gen2) |
| Abmessungen | 274 x 190 x 7,8 mm, 686 Gramm |
| Akku | 38 Wh |
| Preis (Testmuster) | ab 980 Euro (1.100 Euro Testmuster) + 300 Euro für Stift und Tastatur |
Für unseren Test hat uns Microsoft temporär ein Testmuster zur Verfügung gestellt. Dazu kommt die passende Anstecktastatur und der Microsoft Slim Pen 2. Ersteres hat der Hersteller speziell für das kleinere Modell neu designt. Statt den bisherigen Tastaturen, die wir magnetisch schräg an das Surface Pro anstecken, liegt das Cover flach auf dem Tisch auf. Dadurch biegt sie sich beim Tippen nicht durch, was die Arbeit generell angenehmer macht.
Auch haben uns der straffe Druckpunkt und das gut nutzbare Trackpad positiv überrascht. Schließlich bietet der 12-Zoll-Formfaktor merklich weniger Platz für Tasten und Sensorfläche. Wir würden sagen: Das Tastaturcover wurde im Vergleich zum Standardmodell merklich verbessert.
Slim-Pen an der Rückseite befestigen
Den Slim Pen 2 hat Microsoft hingegen nicht verändert. Stattdessen wird der bewährte Eingabestift mit Vibrationsmotor und der typisch flachen Bauform erneut verwendet. Die Form ist nicht nur ergonomisch angenehm. Sie ermöglicht es auch, den Stift magnetisch an der Rückseite des Tablets zu befestigen. Im Betrieb können wir ihn abnehmen, indem wir blind über die obere Bildschirmkante des Surface Pro greifen.
















Das funktioniert ohne Probleme und hat einen entscheidenden Vorteil. Wir verlieren den Stift nicht so schnell, wenn wir das Tablet im Rucksack verstauen oder einfach nur zum nächsten Meeting mitnehmen. Das ist bei einem Apple Pencil Pro, der an der Gehäuseseite des iPads recht wackelig befestigt ist, teilweise ein echtes Problem. Microsofts Lösung ist unserer Meinung nach wesentlich besser. Allerdings hat die Tastatur selbst keinen Platz mehr für den Slim Pen 2. Der wird stattdessen vollständig von Tasten und Trackpad belegt.
Das Surface Pro 12 selbst kommt in einem überarbeiteten Gehäuse, das mit 274 x 190 x 7,8 mm merklich kleiner ist als das Standardmodell. Es wiegt zudem mit 686 Gramm ohne Tastaturcover weniger. Es lässt sich ungefähr mit einem iPad Air vergleichen, das allerdings noch einmal etwas kompakter und leichter ist. Apples Tablet misst 280 x 215 x 6,1 mm und wiegt 617 Gramm.
Das Surface Pro 12 hat dafür weiterhin einen Standfuß verbaut und wird mit zwei USB-C-3.2-Gen2-Buchsen ausgestattet. Allerdings spart Microsoft bei aktuellen Surface Pros an diversen Ecken bei der Ausstattung. So gibt es keinen proprietären Surface-Dock-Port und kein mitgeliefertes Netzteil mehr. Viele User werden wohl am meisten den eingesparten Micro-SD-Karten-Slot vermissen. Der fehlt sowohl bei der 12- als auch bei der 13-Zoll-Variante.
Gutes Panel mit 90 Hz
Im Vergleich zum 13-Zoll-Modell verbaut Microsoft zudem ein nicht ganz so gutes Display. Beim ersten Anschalten fällt dabei direkt positiv auf: Alle Displayränder sind gleich groß und Displayecken leicht abgerundet. Das verpasst dem Surface Pro 12 ein moderneres und zeitgenössisches Design, das dem 13-Zoll-Modell noch immer fehlt.
















Die Helligkeit des IPS-Panels gibt Microsoft mit 400 cd/m² an. Wir messen im Schnitt 421 cd/m² und damit etwas mehr. Ebenfalls erfreulich: Das Tablet stellt 2.196 x 1.464 Pixel bei einer maximalen Frequenz von 90 Hz dar. Allerdings verzichten wir auf etwas Farbgenauigkeit im Vergleich zu anderen Geräten. Zwar kann das Panel 93,7 Prozent des SRGB-Farbraums abdecken. Bei Adobe RGB (64,9 Prozent) und DCI-P3 (66,8 Prozent) liegt das Gerät aber zurück.
Und trotzdem: Für die meisten gestalterischen Arbeiten eignet sich das Surface Pro 12 gut, was auch an der soliden Stifteingabe und dem ausreichend leistungsstarken Qualcomm-Chip liegt.
Ein Gerät fürs Büro und die Uni
Wie beim größeren Surface Pro verbaut Microsoft auch hier einen Qualcomm-Snapdragon-X-Chip. Das Surface Pro 12 zählt mit seiner NPU, 16 GByte RAM und mindestens 256 GByte SSD-Speicher also zu den Copilot+-PCs und wird von Microsoft mit den aktuellen KI-Features wie Recall und Click-to-do ausgestattet.
Allerdings kann das Tablet nur mit dem kleineren Snapdragon-X-Plus-Chip mit acht Cores bestellt werden. In unseren Tests schneidet das Gerät deshalb auch merklich schlechter ab als die Elite-Version, ein Macbook Pro mit Apple Silicon oder ein anderes Windows-Notebook mit x86-Chip.
Wir sind trotzdem positiv überrascht, wie gut der ARM-Chip zusammen mit Windows 11 funktioniert. Selbst Legacy-x86-Anwendungen und Tools wie Autodesk Sketchbook Pro oder Krita sind ohne Probleme ausführbar. Windows 11 on ARM scheint mittlerweile soweit ausgereift zu sein, dass wir die Emulationsebene in den allermeisten Fällen nicht mehr merken. So konnten wir auch einige Games und Adobe Photoshop auf dem Gerät starten.
















Einige Ausnahmen gibt es allerdings. So macht das Kartenspiel Magic The Gathering Arena bei der Installation bereits Probleme, da es auf Visual-C++-Libraries angewiesen ist, die sich nicht so einfach auf dem Surface Pro 12 ausführen lassen. Außerdem hat das kostenlose Zeichenprogramm Krita die Druckempfindlichkeit unseres Stiftes nicht erkannt. Bei anderen Programmen wie Sketchbook Pro und Photoshop funktioniert der Stylus aber einwandfrei.
CPU-Teil gut, GPU-Teil schlecht
Die reine Prozessorleistung geht für ein mobiles Gerät zudem in Ordnung. In Cinebench 2024 messen wir immerhin 511 Punkte im Multicore-Test. Das Surface Pro liegt hier auf einem Level mit dem Thinkpad X9 Aura Edition, allerdings merklich hinter einem Surface Laptop mit Qualcomm X1 Elite. Das kommt im gleichen Test auf 662 Punkte, ein Macbook Air mit M4-Chip auf 753 Punkte.
Dass sich der Snapdragon X Plus mit Intels Core Ultra 258V im Thinkpad X9 vergleichen lässt, zeigen auch die Geekbench-6-Resultate. Das Surface Pro schafft hier 11.351 Punkte, das Thinkpad X9 10.730 Punkte. Die acht ARM-Kerne haben allerdings einen entscheidenden Vorteil. Sie arbeiten recht energieeffizient und erhitzen sich nicht ganz so stark unter Volllast.
Das Surface Pro hat zwar einen kleinen Lüfter verbaut. Allerdings ist der auch unter Extrembedingungen kaum zu hören, was wir sehr begrüßen. Das schaffen bisher fast ausschließlich die Macbooks von Apple.
Der Nachteil am Surface Pro: In Spielen und anderen GPU-lastigen Anwendungen arbeitet das System eher langsam. Spiele wie Counter-Strike 2 und Shadow of the Tomb Raider starten zwar problemlos. Allerdings hat die Adreno-GPU Schwierigkeiten, auch spielbare Frameraten darzustellen. In Counter-Strike 2 kommt das System bei sehr niedrigen Grafikeinstellungen in Full-HD-Auflösung auf 33 fps. Bei mittleren Details sinkt dieser Wert auf 25, bei hohen Details auf unspielbare 17 fps.
















Shadow of the Tomb Raider steht hier kaum besser dar. Schon auf niedrigen Grafikeinstellungen kommt das System bei 17 fps nicht mehr hinterher. Mittlere und hohe Details senken die Bildrate auf 14 fps. Dabei testen wir ebenfalls in 1.920 x 1.080 Pixeln Auflösung.
Wir können also sagen: Für Games eignet sich das Surface Pro 12 eher weniger. Das konnten wir bereits beim Snapdragon X1 Elite feststellen. Der ist allerdings mit mehr CPU-Cores ausgestattet und deshalb besser beim Rendern CPU-intensiver Aufgaben wie Compiling oder dem Skalieren von Bildern.
Mehr als zwölf Stunden Akkulaufzeit
Letztlich bleibt die Snapdragon-X-Plattform sinnvoll für Notebooks und Tablets, auf denen nicht allzu anspruchsvolle Aufgaben und Medienkonsum ausgeführt werden. Ein Vorteil ist dafür die gute Akkulaufzeit, die wir auch beim Surface Pro 12 messen können. Im Akkulaufzeittest, der zu 80 Prozent aus leichter und 20 Prozent schwerer Last besteht, erreicht unser Testmuster 12:34 Stunden. Das ist ein sehr guter Wert für ein Windows-Tablet. Ein iPad Pro kann allerdings bessere Ergebnisse liefern.
















Als Windows-Gerät hat das Surface Pro hingegen Zugriff auf nahezu alle Produktiv- und Unterhaltungsapps auf dem Markt. Es ist durch die im Vergleich zum Standardmodell und zum iPad Pro merklich bessere Anstecktastatur auch produktiv besser nutzbar. Gerade Menschen, die viel im Windows-Ökosystem unterwegs sind, können sich endlich auch über ein sehr gutes Tablet mit fast allen notwendigen Funktionen freuen.
Wenn Microsoft das bei einem möglichen neuen Surface Pro in 13 Zoll noch einmal besser macht, dann ist das einstige Vorzeigegerät für Windows für uns wieder vorn mit dabei.
Surface Pro 12 – Verfügbarkeit und Fazit
Microsoft verkauft das Surface Pro 12 unter anderem im eigenen Onlineshop. Die Grundversion kostet 980 Euro und ist damit merklich günstiger als die Standardversion mit ARM- oder Intel-Chip. Allerdings legt Microsoft auch hier keine Tastatur und Stift mit dazu. Die müssen wir für happige 300 Euro dazukaufen.
Die Grundversion des Surface Pro 12 bietet bereits die maximal konfigurierbare CPU-Option. Der Snapdragon X Plus hat hier nur acht Kerne. Die 10-Core-Version ist dem Surface Pro 13 vorbehalten. Der Copilot+-PC hat zumindest ab Werk 16 GByte fest verlöteten LPDDR5x-RAM und eine 256-GByte große und austauschbare SSD. Die einzige weitere Option des Surface Pro 12 kostet 1.100 Euro und verdoppelt den Massenspeicher auf 512 GByte.
Fazit
Ist das Microsoft Surface Pro 12 das bessere iPad? In einigen Situationen ist das sicher der Fall. Als Windows-Tablet kann das Microsoft-Gerät in vielen Situationen als Schreibmaschine oder für kreative Projekte genutzt werden. Dabei hat der Hersteller ein neues, schickeres und kompakteres Gehäuse entworfen, das sich merklich besser mitnehmen lässt.
| Cinebench 2024 | 511 cb |
|---|---|
| Geekbench 6 (CPU/GPU) | 11.351/32.069 (Vulkan) pts. |
| Blender Benchmark Opendata Monster Preset (CPU/GPU) | 85/- pts. |
| Shadow of the Tomb Raider (FHD Low/medium/high) | 17/14/14 fps |
| Counter-Strike 2 (FHD Low/medium/high) | 33/25/17 fps |
| Crystaldiskmark (SSD-Geschwindigkeit sequenziell R/W | 3.837/3.472 MByte/s |
| Akkulaufzeit | 12:49 Stunden |
| Display Helligkeit/SRGB/Adobe RGB/DCI-P3 | 421 cd/m², 93,7 % SRGB, 64,9 % Adobe RGB, 66,8 % DCI-P3 |
Besonders gut gefällt uns die magnetische Stifthalterung an der Rückseite. Die ist der wackeligen Lösung beim iPad Pro merklich überlegen. Und auch die Auswahl an verfügbaren Zeichen- und Schreibprogrammen ist unter Windows 11 bekanntermaßen enorm.
















Die reine Hardware ist allerdings eher mit einem iPad Air vergleichbar. Das Surface Pro 12 ist etwas schwerer und größer als ein Air. Allerdings kann das Surface Pro mit 90-Hz-Display und dem tollen Tastaturcover überzeugen. Das noch einmal merklich teurere iPad Pro ist derweil mit seinem hellen OLED-Panel und dem dünneren Gehäuse aktuell noch konkurrenzlos.
Etwas Schade: Der Snapdragon X Plus ist in Spielen kaum zu gebrauchen. Deshalb eignet sich das Surface Pro 12 eher als Multimediamaschine und kreatives digitales Zeichentablet. Mit einer Akkulaufzeit von mehr als zwölf Stunden brauchen wir auch nicht so oft an die Steckdose gehen. Trotzdem wäre es für kommende Generationen wünschenswert, wenn die CPU beim GPU-Teil nicht so schwach aufgestellt wäre. Hier muss vor allem Qualcomm nachziehen.
Ansonsten können wir sagen: Das Surface Pro 12 ist das beste Surface Pro seit einer langen Zeit. Es ist günstiger und für seine Nische besser geeignet. Es ist definitiv auch das beste Windows-Tablet auf dem Markt – definitiv eine Freude für solche Menschen, die so ein Gerät brauchen.