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Microsoft: Schlankes Windows 11 auch auf alter Hardware

Für viele Nutzer älterer Computer geht ein Umstieg auf Windows 11 wegen künstlicher Hardwarebeschränkungen richtig ins Geld. Tiny11 schafft Abhilfe.
/ Erik Bärwaldt
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Windows 11 läuft auch auf älterer Hardware. (Bild: geralt/Pixabay)
Windows 11 läuft auch auf älterer Hardware. Bild: geralt/Pixabay

Windows 11 erfordert – so will es Microsoft seinen Kunden weismachen – recht aktuelle Hardware, um es überhaupt installieren zu können. Zudem versucht der Konzern aus Redmond, eine noch engere Kundenbindung zu erzwingen, indem ein Konto bei dem US-Unternehmen obligatorisch wird. Mit Tiny11 können Anwender aber ein abgespecktes Windows 11 auch ohne TPM 2.0 und Microsoft-Konto selbst auf äußerst betagter Hardware problemlos installieren und nutzen.

Was ist Tiny11?

Tiny11 besteht wie sein Vorgänger Tiny10 aus Skripten, die unter Windows ausgeführt werden(öffnet im neuen Fenster). Sie nutzen ein von Microsoft kostenlos bereitgestelltes Werkzeug namens oscdimg.exe, das dazu dient, individuell konfektionierte ISO-Dateien zu generieren.

Dieses Werkzeug wird auch von Wiederverkäufern, PC-Herstellern und Systemadministratoren verwendet, um für ihre jeweilige Hardware angepasste Windows-Installationsmedien anzulegen. Die Skripte werden in der Powershell ausgeführt und benötigen daher keinerlei zusätzliche Infrastruktur wie beispielsweise Entwicklungsumgebungen.

Tiny11 generiert aus einem vorhandenen Windows-Abbild ein angepasstes ISO-Abbild, womit nicht nur der TPM 2.0-Zwang entfernt wird, sondern auch das Microsoft-Konto nicht mehr obligatorisch ist. Anwender können das System somit weiterhin mit einem lokalen Benutzerkonto nutzen.

Daneben entfernen die Tiny11-Skripte auch zahlreiche für die meisten Anwender unnütze und überflüssige Gimmicks aus Windows 11: So werden Spiele, Edge, Onedrive, Teams, Clipchamp und die Office-Testversion aus dem System gelöscht und auch der Newsfeed im Startmenü verschwindet. Dadurch wird das gesamte Betriebssystem nicht nur spürbar leichtgewichtiger, sondern es schont auch Hardwareressourcen im laufenden Betrieb. Einzelne Applikationen lassen sich bei Bedarf problemlos nachinstallieren.

Zu beachten ist, dass die bereits installierte Basisversion von Windows 11, die als Grundlage für Tiny11 dient, nicht mit dem neu konfektionierten System verschlankt werden kann. Tiny11 wird nach der Abarbeitung der Skripte auf einen USB-Flashspeicher transferiert. Dieser dient fortan als Installationsmedium für die abgespeckte Version von Windows 11 auf weiteren Computersystemen, kann jedoch auf bestehenden Installationen keine unnötige Software entfernen.

Vorgehensweise

Auf dem vorhandenen Windows-11-PC ist zunächst das das Zip-Archiv des Quellcodes(öffnet im neuen Fenster) herunterzuladen. Dieses hat einen Umfang von lediglich gut 20 KByte. Die Tiny11-Skripte der neuesten Ausgabe vom 17. November 2024 sind dabei für alle bislang existierenden Windows-11-Versionen geeignet.

Das Archiv wird anschließend in den neu anzulegenden Ordner C:\t11\ extrahiert. Danach muss das aktuelle, rund 5,4 GByte umfassende Windows-11-Abbild von der Webseite von Microsoft bezogen werden. Es wird nach dem Herunterladen durch einen Rechtsklick auf die entsprechende Datei im Explorer und Auswahl der Option Bereitstellen im geöffneten Kontextmenü in das laufende Betriebssystem eingebunden. Das Abbild erscheint danach im Explorer als DVD-Laufwerk.

Nun müssen die Tiny11-Skripte in der Powershell ausgeführt werden. Dazu muss diese zunächst mit Administratorrechten geöffnet werden, was mit Rechtsklick auf den Windows-Button und Auswahl der Option Terminal (Administrator) im Kontextmenü geschieht. Am Prompt sind dann mit dem Befehl Set-ExecutionPolicy unrestricted Ausführungsrechte für Skripte zu gewähren.

Nach einer kurzen Zeit erscheint der Prompt erneut. Admins können nun in das Skriptverzeichnis C:\t11\tiny11builder-main\ wechseln, das beim Entpacken des Zip-Archivs angelegt wurde. Dort startet man das Tiny11-Skript durch Eingabe des Befehls .\tiny11maker.ps1.

Nach einer Sicherheitsabfrage erwartet das Skript die Eingabe des Laufwerkbuchstabens mit dem eingebundenen ISO-Abbild von Windows 11. Zu beachten ist dabei, dass nur der Laufwerksbuchstabe eingegeben werden darf, ohne Doppelpunkt und Backslash.

Anschließend fragt die Routine nach der Windows-Variante des originalen ISO-Abbildes. Üblicherweise handelt es sich dabei um Windows 11 Pro, für welche die Ziffer 5 einzugeben ist. Danach wird das virtuelle DVD-Laufwerk vom Skript initialisiert und das neue Tiny11-Abbild kreiert. Dieser Vorgang nimmt einige Minuten in Anspruch, wobei die einzelnen Schritte jeweils im Terminalfenster angezeigt werden.

Nach erfolgreicher Fertigstellung wird das virtuelle Windows-11-Laufwerk ausgehängt und danach das neue ISO-Abbild exportiert, was ebenfalls etwas Zeit beanspruchen kann. Währenddessen zeigt die Routine im Terminal in einem mit blauer Farbe hinterlegten Bereich einen Fortschrittsbalken an.

Während des Ablaufs der Skripte treten gelegentlich einige Fehlermeldungen auf, die jedoch ignoriert werden können. Abschließend wird das neue ISO-Abbild im Skriptverzeichnis mit dem Namen tiny11.iso abgelegt.

Dieses Abbild kann nun auf einen USB-Flashspeicher transferiert werden. Dazu eignet sich das grafische Werkzeug Rufus, das kostenlos erhältlich ist und mit wenigen Mausklicks den Datentransfer bewerkstelligt. Zu beachten ist, dass der USB-Flashstick eine Kapazität von mindestens 8 GByte aufweisen muss, da das ISO-Abbild einen Umfang von knapp 6 GByte hat.

Außerdem ist zu berücksichtigen, ob der Zielcomputer bereits eine UEFI- oder noch eine Bios-Firmware nutzt. Voreingestellt aktiviert Rufus die UEFI-Schnittstelle mit einem GPT-Partitionsschema der eingebauten Massenspeicher.

Ist der Zielcomputer etwa 15 Jahre alt oder älter, ist meist noch eine Bios-Firmware vorhanden. Sie muss in Rufus bei der Anlage des Flashspeichers gemeinsam mit einem MBR-Partitionsschema aktiviert werden, damit der USB-Speicherstick beim Hochfahren des Computers Tiny11 installieren kann.

Wird versehentlich eine UEFI-/GPT-Kombination auf dem Flashspeicher eingerichtet, obwohl der Zielcomputer nur die Bios-/MBR-Schnittstelle unterstützt, zeigt die Installationsroutine des Flashspeichers beim Hochfahren des Systems dies an und blockiert das System. In diesem Fall muss der Flashspeicher nochmals mit den neuen Parametern in Rufus angelegt werden.

Je nachdem, welcher USB-Standard vom Computersystem und dem Speichermedium unterstützt wird, kann der Transfer des Abbildes auf den Flashspeicher einige Minuten beanspruchen.

Systemstart und Ressourcenbedarf

Anschließend kann der neu generierte USB-Flashspeicher als Startmedium verwendet werden. Es ist jedoch zu beachten, dass Tiny11 voreingestellt auch den Webbrowser Edge aus der Installation entfernt, so dass kein Browser mehr vorhanden ist.

Daher sollten Admins auf dem Installationsmedium oder einem gesonderten Flashspeicher eine Installationsdatei für einen Webbrowser bereithalten, von der nach der erfolgreichen Integration von Tiny11 auf dem Zielsystem ein Browser geladen und installiert werden kann.

Die Installation von Tiny11 geschieht analog zu der von Windows 11. Im Test gelang es so ohne Probleme, Windows 11 auf einem Notebook vom Typ Hewlett-Packard Elitebook 2570p zu installieren, das mit einem Core i5-Prozessor der dritten Generation ausgestattet ist.

Auf dem zwölf Jahre alten Testgerät wurden dabei auch alle nötigen Konfigurationsschritte wie beispielsweise zur Anpassung des WLAN-Zugangs, des Bluetooth-Adapters oder zur Einstellung der Bildschirmauflösung ohne jedwedes manuelles Nachladen von Treibern vorgenommen.

Ressourcenbedarf

Tatsächlich lässt sich unter Tiny11 ein signifikant geringerer Arbeitsspeicherbedarf im Vergleich zu Windows 11 feststellen. Während auf einem Windows-11-Vergleichssystem mit 4 GByte physisch vorhandenem Arbeitsspeicher rund 80 Prozent bereits direkt nach dem Start des Betriebssystems im Leerlauf belegt waren, kommt Tiny11 auf dem Testgerät mit ebenfalls 4 GByte RAM auf eine Auslastung von lediglich zwischen etwa 55 und 60 Prozent.

Dadurch kann unter Tiny11 mit mehreren simultan geöffneten großen Anwendungen auch bei kleinem Arbeitsspeicher noch flüssig gearbeitet werden.

Software und Fazit

Da unter Windows 11 ab Werk immer noch keine vernünftige Paketverwaltung vorhanden ist, sind Anwender auf den Microsoft-Store als primäre Quelle für neue Anwendungen angewiesen. Er wird auch in Tiny11 installiert, wobei allerdings die aggressiven Werbeeinblendungen fehlen.

Da dieser App-Store überwiegend proprietäre und vielfach auch kostenpflichtige Applikationen in häufig aufdringlicher Weise bewirbt, empfiehlt es sich, eine alternative Lösung zu installieren. Unter Windows 10 und Windows 11 sind zahlreiche alternative, konzeptionell meist von Linux übernommene Paketverwaltungssysteme mit grafischen Frontends verfügbar, die den Zugang auch zu freier Software ermöglichen und daher Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern verringern (g+).

Fazit

Tiny11 ermöglicht auf einfache Art und Weise und ohne Abstriche bei Bedienkomfort und Sicherheit für Endanwender die Weiternutzung älterer Hardware auch unter Windows 11. Das System wirft zudem konsequent viel überflüssige Software über Bord, die Microsoft mit Windows 11 zwangsweise mit auf die Massenspeicher packt.

Außerdem wird der Zwang zu einem Microsoft-Konto ausgehebelt, der aufgrund unklarer Datenschutzbestimmungen viele Nutzer mit Unbehagen erfüllt. Trotzdem ist das System nicht uneingeschränkt zu empfehlen, da die Abhängigkeit von Microsoft auch mit Tiny11 bestehen bleibt.

Lernwillige Anwender, die einen soliden Allrounder für den täglichen Bedarf suchen und die überwiegend veralteten Microsoft-Konzepte und unausgereiften Windows-Technologien leid sind, sollten daher einen Blick auf Linux-Alternativen werfen. Wie der Umstieg gelingen kann, haben wir in Leitfäden für Privatkunden und Unternehmensanwender aufgezeigt (beide g+).


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