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Microsoft: Neue Druckarchitektur für Windows 8

Windows 8 verfügt über eine neue Architektur für Druckertreiber, die Microsoft kurz "v4" nennt. Die neuen Treiber sind kleiner, schneller und unterstützen zahlreiche neue Funktionen. Und vor allem: Sie funktionieren auch unter Metro und auf ARM-Tablets.
/ Jens Ihlenfeld
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Druckerhersteller können eigene Drucker-Apps in Windows 8 integrieren. (Bild: Microsoft)
Druckerhersteller können eigene Drucker-Apps in Windows 8 integrieren. Bild: Microsoft

Grundlage der neuen Druckarchitektur von Windows ist ein Klassentreiber für Drucker, also ein generischer Treiber, der eine Vielzahl von Druckern unterstützt, so dass Nutzer in vielen Fällen gar keinen zusätzlichen Druckertreiber mehr installieren müssen.

Die mittlerweile vierte Druckarchitektur für Windows, kurz v4 genannt, löst den Vorgänger v3 ab, der von Windows 2000 bis Windows 7 eingesetzt wurde und unter Windows 8 aus Gründen der Kompatibilität auch weiterhin zur Verfügung steht. Daher sollten auch alte Treiber mit Windows 8 weiterhin funktionieren.

Notwendig wurde die Entwicklung einer neuen Druckarchitektur vor allem wegen der neuen Metro-Oberfläche und des neuen APIs Windows Runtime: Müssen Entwickler sich zum Drucken aus Win32-Applikationen heraus entweder mit GDI (Graphics Device Interface) oder XPS (XML Paper Specification) auseinandersetzen, wird dies mit v4 deutlich einfacher, so dass aus Apps, die mit HTML5 und Javascript oder XAML und C# implementiert sind, einfach gedruckt werden kann.

Zudem ist das neue Drucksystem in die Metro-Oberfläche integriert: Es gibt keine aufpoppenden Fenster, die über fehlendes Papier oder den Füllstand der Tintenpatronen informieren, alles ist im Metro-Stil umgesetzt. Das System funktioniert so auch auf Tablets, die unter Windows RT laufen, der ARM-Version von Windows 8. Die alte Druckarchitektur sei dafür nicht geeignet, da schlecht geschriebene Treiber und unnötig laufende Dienste die Akkulaufzeit deutlich verkürzen können.

Weniger Treiber für mehr Drucker

Für Windows 8 hat Microsoft nun ein Klassentreiber-Framework entwickelt, das sich erweitern lässt, um neue Drucker zu unterstützen, auch solche, die derzeit noch nicht auf dem Markt sind. Für den Nutzer soll das Gefühl entstehen, er brauche gar keinen Druckertreiber, ähnlich wie man es von USB-Speichersticks kennt. Um das aber zu erreichen, müssen auch die Drucker angepasst werden. Drucker sollen eine sogenannten Compatible ID übermitteln, die Auskunft darüber gibt, wie ein Drucker allgemein, also ohne speziellen Treiber angesprochen werden kann, welche Druckersprachen er beherrscht. Laut Microsoft haben alle Druckerhersteller zugesagt, diese Compatible ID zu unterstützen, und viele tun das bereits.

Die neue Klassentreiberarchitektur für das Drucken unter Windows 8 soll erhebliche Vorteile haben. Zuvor musste für jeden Drucker ein spezieller Treiber installiert oder sogenannte Universaltreiber verwendet werden, die nach Ansicht von Microsoft zu viele Ressourcen verschlingen. Viele dieser Treiber liefert Microsoft bereits mit, weitere konnten über Windows Update bezogen werden und auch viele Druckhersteller legten ihren Geräten nochmals Treiber bei. Das soll sich mit der neuen Druckarchitektur ändern, was vor allem für Windows RT gilt, denn hier werden nur von Microsoft mitgelieferte Treiber unterstützt.

Microsoft will mit der Klassentreiberarchitektur auch dem Problem begegnen, dass Windows für neue Geräte von Haus aus keine passenden Treiber mitbringt. So enthält Windows 7 beispielsweise eine gute Treiberunterstützung für Drucker, die in den Jahren 2008 und 2009 auf den Markt kamen, für neuere Geräte hingegen müssen zusätzliche Treiber installiert werden.

Auch das Teilen von Druckern im Unternehmen oder Haushalt soll durch die neue Druckarchitektur einfacher werden, denn es ist nicht mehr notwendig, auf einem Rechner, der als Druckserver fungiert, 32-Bit- und 64-Bit-Client-Treiber oder gar neue Treiber für Windows RT zu hinterlegen.

Konzentration auf populäre Druckermodelle

Wie schon bei Windows Vista und auch bei Windows 7 konzentriert sich Microsoft auch bei Windows 8 darauf, eine möglichst große Zahl der derzeit am häufigsten genutzten Drucker zu unterstützen. Die Konsequenz: Windows 7 und auch Windows 8 unterstützen weniger Drucker als Windows Vista, decken aber einen größeren Teil der aktuell genutzten Drucker ab. Laut Microsoft machen 100 Druckermodelle rund 50 Prozent der derzeit installierten Basis an Druckern aus, wobei Nutzer ihre Geräte im Schnitt fünf bis sieben Jahre nutzen.

Um 75 Prozent der im Markt befindlichen Drucker zu unterstützen, müssen rund 300 Druckermodelle unterstützt werden, um 95 Prozent zu erreichen, rund 1.000. Das Problem: Die Zahlen sind zwar recht konstant, die konkreten Modelle, die zum Erreichen der 50, 75, 95 oder 100 Prozent Marktabdeckung unterstützt werden müssen, ändern sich aber ständig. Um auf 100 Prozent zu kommen, müssten laut Microsoft 5.962 Druckermodelle unterstützt werden.

So wurde Windows Vista noch mit 4.200 Treibern ausgeliefert, um rund 55 bis 60 Prozent der verwendeten Drucker zur unterstützen, bei Windows 7 waren es nur noch 2.100 Treiber für 60 bis 65 Prozent der weltweit verwendeten Drucker. Bei Windows 8 steigt die Zahl wieder auf 2.500, womit zum Start rund 70 Prozent aller derzeit genutzten Drucker unterstützt werden sollen. Microsoft geht davon aus, dass mit neuen Druckern, die Compatible ID unterstützen, dieser Wert auf 80 Prozent steigen wird.

Belegten die Treiber für Drucker und andere Imaging-Geräte bei Windows Vista noch 768 MByte Speicherplatz, sind es bei Windows 8 nur noch 184 MByte. Das ist vor allem für Windows-RT-Tablets wichtig, die mit weniger Speicherplatz ausgestattet sind.

User Interface und Treiber werden getrennt

War das User Interface zur Konfiguration des Druckers bisher oft Bestandteil des Treibers, so trennt das neue Druckmodell von Windows 8 Treiber und UI konsequent. Dabei wird das User Interface als App umgesetzt, die aufgerufen werden kann, wenn aus einer Metro- oder einer Desktop-App heraus gedruckt werden soll. Hier kann dann eingestellt werden ob doppelseitig und in Farbe gedruckt werden soll. Auch der Füllstand von Tintenpatronen und Tonerkartuschen kann hier angezeigt werden. Dabei wird automatisch ein Metro- oder Desktop-Dialog aufgerufen.

Bietet der jeweilige Hersteller keine Konfigurations-App an, stellt Windows einen Standard-Dialog zur Verfügung, der mit jedem Drucker genutzt werden kann. Diese Standard-App kann aber durch eine druckerspezifische App komplett ersetzt werden.

XPS als zentrales Format

Microsoft nutzt sein Format XPS (XML Paper Specification), das Microsoft mit der ECMA zu einem offenen Standard entwickelt hat (ECMA Standard TC46, OpenXPS), als zentrales Format für sein Drucksystem. Alle Daten, die an das Drucksystem übergeben werden, wandelt dieses in XPS um. Beherrscht ein Drucker XPS, kann Windows die Daten direkt ohne weitere Umwandlung an den Drucker weiterreichen, es genügt der Klassentreiber. Liegt ein druckspezifische App vor, wird natürlich diese verwendet.

Über mitgelieferte Render-Filter werden auch andere Standarddruckersprachen wie Postscript und PCL vom Klassentreiber von Haus aus unterstützt.

Für Drucker, die keine der Standarddruckersprachen unterstützen, müssen spezielle Render-Filter erstellt werden, die dann meist nur eine kleine Zahl an Druckern unterstützen. für Windows 8 hat Microsoft einige solcher Filter geschrieben, um die derzeit und demnächst voraussichtlich populärsten Drucker zu unterstützen.

Microsoft geht aber aufgrund seiner Zusammenarbeit mit Druckerherstellern davon aus, dass viele neue Drucker es einfacher machen werden, den Klassentreiber zu verwenden.

In einem Blogeintrag(öffnet im neuen Fenster) beschreibt Adrian Lannin, einer der Leiter des Drucker-Teams bei Microsoft, die Details der neuen Druck-Architektur v4 von Windows 8. Eine konkrete Liste, welche Drucker unterstützt werden, enthält der Blogeintrag aber nicht.


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