Microsoft gegen die FTC: Microsoft kooperiert widerwillig, Sony widerspricht sich
Am 22. Juni 2023 begannen die Verhandlungen im Streit zwischen Microsoft und der FTC. Die US-Behörde will die Übernahme von Activision Blizzard durch den Xbox-Konzern verhindern, Microsoft möchte den Kauf zur Rekordsumme gegen die Wettbewerbshüter durchsetzen.
Für Microsoft steht viel auf dem Spiel. Wird die Übernahme nicht bis zum 18. Juli 2023 abgeschlossen, wird eine vertraglich vereinbarte Gebühr(öffnet im neuen Fenster) von 3 Milliarden US-Dollar fällig. Neben der FTC blockiert auch die britische Wettbewerbsbehörde CMA die Übernahme , während die EU grünes Licht gab .
Schon am ersten Verhandlungstag wurden viele brisante Informationen bekannt. Golem.de fasst die wichtigsten Erkenntnisse hier zusammen:
- Bethesdas Indiana-Jones-Spiel wurde erst nach der Übernahme von Zenimax zu einem Xbox-Exklusivtitel .
- Playstation-Chef Jim Ryan sagte in einer internen E-Mail, er sei "ziemlich sicher, dass wir Call of Duty auch in den kommenden Jahren auf der Playstation sehen werden" .
- Noch 2019 schloss Microsoft kategorisch aus, seine Titel auf konkurrierenden Cloudgaming-Diensten wie Geforce Now anzubieten – was es mittlerweile aber tut.
- Cloudgaming ist für Microsoft bislang ein Verlustgeschäft und eines der weniger genutzten Features des Game Pass Ultimate.
- Microsoft sei im Konsolenkrieg gegen Sony und Nintendo unterlegen, gibt das Unternehmen in Gerichtsunterlagen an .
Indiana Jones war nicht immer exklusiv
Als 2021 ein neues Spiel im Indiana-Jones-Franchise angekündigt wurde, gingen Beobachter zunächst von einer Veröffentlichung auf allen großen Plattformen aus. Sein Entwicklerstudio Bethesda gehört für einen Kaufpreis von 7,5 Milliarden US-Dollar aber mittlerweile Microsoft – was die Pläne für Indiana Jones verändert haben soll.
Zwar wurde eine Veröffentlichung auf der Playstation nie offiziell angekündigt – außer einem kurzen Teaser-Video ist insgesamt noch sehr wenig über das Projekt bekannt -, nach Angaben der FTC gab es mit Lizenzgeber Disney aber einen Vertrag über die Veröffentlichung auf mehreren Konsolen(öffnet im neuen Fenster) . Dieser wurde nach Abschluss der Übernahme von Zenimax geändert.
Sony widerspricht sich selbst
Dennoch machte sich Sony offenbar weniger Sorgen wegen einer möglichen Exklusivität von Spieleserien wie Call of Duty als angenommen. Playstation-Chef Jim Ryan nannte in einer internen E-Mail nach Bekanntwerden der Übernahmepläne einen anderen Grund – und widersprach damit einer der größten Befürchtungen angesichts der Übernahme.
Es gehe Microsoft bei der Übernahme von Activision Blizzard mitnichten darum, sich Exklusivtitel für die Xbox zu sichern, sagte Ryan. Microsoft denke größer und habe "das Geld, um solche Schritte zu unternehmen" . Er habe viel Zeit mit Xbox-Chef Phil Spencer und Activision-CEO Bobby Kotick verbracht und sei sich "ziemlich sicher, dass wir Call of Duty auch in den kommenden Jahren auf der Playstation sehen werden" .
"Der heutige Tag hat gezeigt, dass Sony die ganze Zeit gewusst hat, dass wir zu unserem Versprechen stehen, Spiele auf seiner Plattform zu halten, und hat deutlich gemacht, dass seine Lobbyarbeit gegen den Deal nur dazu dient, seine marktbeherrschende Stellung zu schützen" , sagte Microsoft-PR-Manager David Cuddy gegenüber The Verge(öffnet im neuen Fenster) . Xbox-Chef Phil Spencer versicherte bereits, dass Call of Duty auch auf lange Sicht weiterhin auf Sony-Konsolen erscheinen solle .
Microsoft kooperiert nur widerwillig
Microsoft werde seine "First-Party-IP auf gar keinen Fall für konkurrierende Streaming- oder Abonnementdienste bereitstellen" , schrieb Matt Booty noch 2019 in einer E-Mail. "No effing way" , so der Leiter der Xbox Game Studios(öffnet im neuen Fenster) .
Nach der Übernahme von Zenimax im Jahr 2021 empfahl Booty außerdem, Bethesdas Spiele aus dem Angebot von Nvidias Streamingdienst Geforce Now zu entfernen. "Wir haben alle Xbox-Game-Studios-Titel von Geforce Now abgezogen, um nicht mit xCloud zu konkurrieren" , so Booty. "Ich würde empfehlen, dass wir in Ermangelung anderer Pläne dasselbe für Bethesda-Titel tun."
Diese Position änderte sich mittlerweile. Im Februar 2023 gab Nvidia eine Partnerschaft mit Microsoft bekannt , kurz darauf sogar mit dem kleineren Cloudgaming-Anbieter Boosteroid .
Am Ende fanden Xbox-Titel so doch noch ihren Weg auf Nvidias Geforce Now – wohl um Kartellbehörden zu beschwichtigen. Die britische CMA nennt die wachsende Dominanz von Microsoft auf dem Cloudgaming-Markt als zentralen Grund für ihre Blockade der Übernahme .
Cloudgaming ist ein Verlustgeschäft
Das Streaming ist laut Microsofts Sarah Bond das am wenigsten genutzte Feature in Microsofts Game-Pass-Abonnement. Es werde vor allem benutzt, um die Downloadzeiten für ein Spiel zu umgehen. Mehr noch: Cloudgaming sei für Microsoft momentan ein Verlustgeschäft, so Sarah Bond(öffnet im neuen Fenster) in einer Befragung.
Auch sonst ist das Cloudgaming ein wichtiger Punkt beim Streit um die Übernahme. Noch im September 2022 arbeitete Microsoft an einer eigenständigen Version seine Streamingdienstes. Momentan ist das Cloudgaming-Angebot von Microsoft nur über ein Abo im Game Pass zugänglich.
Im Mai 2022 bestätigte ein Sprecher von Microsoft die Arbeit an einem Cloudgaming-Endgerät unter dem Codenamen Keystone . Seitdem gab es keine weiteren Informationen. Die britische CMA schätzte Microsofts Marktanteil beim Cloudgaming auf 60 bis 70 Prozent – wohl auf Basis von Game-Pass-Abos. Regulatoren der EU halten die Zahl für überhöht(öffnet im neuen Fenster) , der CMA genügte es dennoch, um die Übernahme aus Sorge vor einer Monopolstellung auf dem Marktsegment zu untersagen.
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