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Michelangelo Dome: Italien entwickelt KI-Schutzschild gegen Hyperschallraketen

Leonardo präsentiert mit dem Michelangelo Dome ein KI-gesteuertes Verteidigungssystem gegen Hyperschallwaffen und Drohnen -Schwärme.
/ Andreas Donath
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Elektronischer Gefechtsstand (Bild: Leonardo)
Elektronischer Gefechtsstand Bild: Leonardo

Der italienische Rüstungskonzern Leonardo hat sein Michelangelo-Dome-System(öffnet im neuen Fenster) vorgestellt. Es handelt sich nach Angaben des Unternehmens um ein System gegen Hyperschallraketen und Massendrohnenangriffe. Bei der technischen Präsentation vor Italiens Verteidigungsminister und den Generalstabschefs kündigte CEO Roberto Cingolani an, bereits 2026 mit der Implementierung zu beginnen und bis 2028 volle Einsatzfähigkeit zu erreichen.

Der Name ist Programm und die Ähnlichkeit zu Israels berühmtem Iron Dome offenbar beabsichtigt. Das seit 2011 in Betrieb befindliche israelische System diente als Vorbild. Doch der Michelangelo Dome geht weit darüber hinaus – er ist nicht als einzelnes Waffensystem konzipiert, sondern als umfassende, KI-gestützte Architektur.

"Diese Bedrohungen können in nur wenigen Sekunden eintreten" , sagte Cingolani. "Wir haben nicht genug Zeit, E-Mails zu versenden oder Nachrichten auszutauschen. Wir müssen in Echtzeit reagieren."

Vom Kill Chain zum Kill Web – KI als Überlebensfrage

Im Kern des Projekts steht die Überzeugung, dass KI-beschleunigte Kommando- und Kontrollsysteme nicht länger optional, sondern überlebenswichtig sind. Cingolani erläuterte den doktrinären Wandel von der starren, linearen Kill Chain zum verteilten, KI-gestützten Kill Web, bei dem zahlreiche Sensordaten ausgewertet und von KI fusioniert und bewertet werden, um den besten Abfangmechanismus automatisch auszuwählen. Der finale Feuerbefehl bleibe aber in menschlicher Hand, so Cingolani.

Die Absicht ist es, italienische und später NATO-Streitkräfte in ein einziges, synchronisiertes Verteidigungssystem zu verwandeln. Schiffe, Bodensysteme, Kampfjets, Drohnen und Satellitenkonstellationen würden Daten in eine einheitliche, KI-gesteuerte Ebene einspeisen, die Bedrohungen in Echtzeit verfolgen, vorhersagen und neutralisieren kann.

Die Alternative, so Cingolani, sei strategische Blindheit. "Wenn ein Objekt mit zwei oder drei Kilometern pro Sekunde fliegt und ich nicht im Voraus weiß, wo es in einigen Minuten einschlagen wird, wurde ich möglicherweise bereits getroffen. Ich kann es nicht neutralisieren", so Aerospace Global News.(öffnet im neuen Fenster)

Europas Verwundbarkeit – fünf Minuten bis zum Einschlag

Cingolani betonte wiederholt die geografische Lage: Europa sei nicht durch Ozeane geschützt. Zukünftige Hyperschallwaffen könnten große Hauptstädte in fünf bis sieben Minuten erreichen.

Es gehe aber nicht nur um Hyperschallwaffen. Cingolani wies auch darauf hin, dass der Krieg in der Ukraine demonstriert habe, wie kostengünstige Drohnen Panzer zerstören können, die Dutzende Millionen kosten. "Junge Soldaten montierten ein halbes Kilo Sprengstoff auf Drohnen, die mit kommerziellen Satellitennetzwerken verbunden waren, und neutralisierten Panzer im Wert von 20 Millionen Euro" , sagte er. Auch hier könnten vernetzte Systeme helfen, Bedrohungen zu erkennen und auszuschalten, heißt es in dem Bericht von Aerospace Global News weiter.

KI, Satelliten und Supercomputer als technisches Rückgrat

Leonardo positioniert sich als einziges europäisches Unternehmen mit dem vollständigen Tech-Stack zur Lieferung des Systems: Sensoren, Abfangsysteme, Weltraumtechnik, Cyber-Fähigkeiten, KI-Entwicklung und Hochleistungsrechner.

Satelliten sind dabei zentral für den Plan. Die neue Anlage für das Project Bromo von Leonardo, Thales und Airbus(öffnet im neuen Fenster) in Rom soll 100 Satelliten pro Jahr fertigen, die für Raketenwarnung, Infrarot-Rauchfahnenerkennung und Flugbahnvorhersage konzipiert sind.

"Diese Satelliten müssen ein Objekt sehen können, das mit fünf Kilometern pro Sekunde fliegt" , sagte Cingolani. "Diejenigen, die diese Satelliten haben, haben eine Erkennungs- und Vorhersagekraft, die niemand sonst hat."

2026 startet Italien – dann folgt die NATO-Integration

Leonardo wird erste Systeme für Italien bis 2026 liefern und bestehende nationale Systeme in die neue KI-gestützte Architektur integrieren. Dabei handelt es sich aber nur um eine einzelne Verteidigungsschicht. Welche dies sein wird, ließ das Unternehmen offen.

Weltweiter Trend zu Dome-Systemen

Italien ist nicht das einzige Land, das von Israels Iron Dome inspiriert wurde. Die Türkei investiert im Rahmen des integrierten, mehrschichtigen Luftabwehrsystems Steel Dome ebenfalls viel Geld. Und auch Taiwan kündigte mit dem T-Dome Pläne für ein eigenes mehrschichtiges Luftabwehrsystem an, um sich gegen feindliche Bedrohungen zu verteidigen.


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