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Michael Meeks: Probleme des Linux-Desktops sind nicht nur technische

Das Lösen weniger einfacher Probleme verhilft dem Linux-Desktop nicht zum Durchbruch, meint Libreoffice-Entwickler Michael Meeks. Die Entwickler sollten sich stattdessen mehr um Firmenkunden bemühen.
/ Sebastian Grüner
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Um den Linux-Desktop zu verbessern, sollten die Entwickler mehr an Firmenkunden denken. (Bild: Christian Schmidt-David/Golem.de)
Um den Linux-Desktop zu verbessern, sollten die Entwickler mehr an Firmenkunden denken. Bild: Christian Schmidt-David/Golem.de

Der Suse-Mitarbeiter und Libreoffice-Entwickler Michael Meeks gibt in einem Blogeintrag(öffnet im neuen Fenster) Miguel de Icaza zunächst grundlegend recht. Letzterer hatte behauptet , das häufige Verändern von Schnittstellen habe Desktopentwickler nicht nur abgeschreckt, sondern auch dazu geführt, dass ihre Anwendungen nach einem halben Jahr nicht mehr funktionierten. Meeks zufolge ist das jedoch nur ein kleiner Teil der wahren Gründe dafür, dass sich Linux nicht als Desktopsystem durchgesetzt habe.

Android-Entwicklung so amüsant wie Zahn-OP

Wie de Icaza findet auch Meeks die Arbeit mit ständig wechselnden Schnittstellen "grauenerregend" . Bei eingefrorenen abwärtskompatiblen Schnittstellen einer Linux-Distribution sei die Arbeit aber "nicht tiefgreifend anders als bei anderen Betriebssystemen" . Zudem hätten Linux-Systeme den Vorteil, dass "ihnen unter die Haube" gesehen werden könne, was Firmen wie Valve derzeit erkennen.

Mit Blick auf die Systeme mit den wohl meisten externen Entwicklern, iOS und Android, schreibt Meeks: "Nativen Code für diese Plattformen zu entwickeln, macht so viel Spaß wie eine selbst durchgeführte Zahn-OP." Der Linux-Desktop sei dem klar vorzuziehen. Entwickler fokussierten sich wegen des viel größeren Markts dennoch auf die mobilen Systeme.

Vorinstalliertes Linux verursacht zu viel Kosten

Meeks weist auch darauf hin, dass das Vorinstallieren von Linux-Systemen auf Consumer-Hardware nur augenscheinlich kostenlos für die Hersteller ist. Denn die Treiberentwicklung mache den Einsatz in Anbetracht der möglichen Verkaufsmarge schlicht zu teuer.

Die im Windows-Ökosystem branchenüblichen Kooperationen, bei denen Hardwarehersteller Provisionen für Softwareupgrades oder Antivirenprogramme erhalten, um so die Hardwareentwicklung zu subventionieren, seien mit Linux-Systemen so nicht möglich.

Meeks hofft jedoch, dass durch Standardisierungen in der Linux-Welt das Auffinden und Beheben von Fehlern in der Hardware oder im System einfacher werden wird. Das kann eventuelle Supportkosten senken, die Hersteller zurzeit noch scheuen.

Da das "Neuinstallieren von Windows bei einigen Menschen derzeit eine Lebensgewohnheit ist" , seien die Kosten entsprechend gering. Keiner würde seinen Laptop für so etwas zurückschicken.

Endkunden sind anders als Businesskunden

In einer perfekten Welt würden Nutzer freie Software einfordern und die Hersteller entsprechend auf die Nachfrage reagieren. Doch auch das sicherste, günstigste und am einfachsten nutzbare System bringe nichts, solange Anwender es nicht kennen.

Aber selbst exzessive Werbung für das System führt nicht zwingend zu einem großen Verbreitungsgrad. Das zeigten Nokias Lumia-Geräte, "die im Schaufenster jedes Mobilfunkladens" zu sehen seien. Schließlich gebe es nur zwei Arten von Menschen: "Jene, die nicht gern neue Dinge lernen, und wer waren doch gleich die anderen?"

Aber offensichtlich existiere einfach nutzbare Technologie, für die Menschen bereit seien, neue Dinge zu lernen, so Meeks. Oder die Marke sei "durch Werbung so stark ausgebaut, dass Menschen die Produkte kaufen, ohne sie zu testen" . Für Meeks stellt sich die Frage, ob oder wie unter diesen Umständen eine Nachfrage nach Linux-Systemen auf dem Desktop generiert werden kann.

Firmenkunden sind die bessere Nische

Statt sich bei der Entwicklung von Desktopsoftware für Linux auf Endkunden zu konzentrieren, sollten die Wünsche von Firmenkunden stärker berücksichtigt werden, meint Meeks. Unternehmen kauften Hardware häufig dutzendweise, dem Anwender solle nur eine kleine Auswahl an Software zur Verfügung stehen und Support und das Testen übernähmen häufig die Admins der Firmen selbst.

Linux-Entwickler sollten sich also vor allem um Dinge kümmern wie Sicherheit, Datenschutz, Remote-Management und die Integration in existierende Netzwerklösungen. Zudem sollten die Betriebssysteme mindestens drei Jahre gepflegt werden und ein Upgrade so reibungslos wie möglich vonstatten gehen. Meeks verweist darauf, dass Windows XP bereits über zehn Jahre gepflegt wird.

Auch wenn die Konzentration auf Unternehmenskunden innovationshindernd scheine, "erzeugt es trotzdem tatsächlichen Wert" , wenn Menschen effiziente und verlässliche Software benutzten. Davon könnten dann sämtliche Linux-Distributionen profitieren.


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