Viertes Mobilfunknetz: 1&1 wartet weiter auf die großen Vorteile von Open RAN
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1&1 Mobilfunk kann gegenwärtig keine Vorteile durch seine Open-RAN-Technik benennen. "Den theoretischen Vorteil, dass wir Komponenten auswechseln können, haben wir noch nicht heben können", sagte Michael Martin, 1&1-Mobilfunk-CEO, am 1. September 2026 beim traditionellen O-RAN-Update am Rande der Ifa. "Ich glaube nicht, dass Open RAN uns die große Innovation liefern wird", sagte er.
Ein Vorteil sei "die Architektur der dezentralen Rechenzentren". Doch Open RAN bleibt laut einigen Experten eine billige Me-too-Technik. "Um eine Latenz von 1 ms und weniger zu erzielen, müsste man in jedes Rechenzentrum unseren Backend Core einbauen." Das habe man nur viermal realisiert. Martin räumte ein: "Das ist noch zu teuer." Dies werde sich mit dem Aufkommen künftiger Anwendungsszenarien ändern.
Er fragte: "Wann kommen wir dahin, selbst Netzinnovationen treiben zu können? Open RAN ist nur der Zweck, um Innovationen in der Zukunft zu ermöglichen. Die ganz großen Innovationen können wir Ihnen noch nicht zeigen oder bieten. Aber wir haben zumindest das Fundament." Netzinnovationen entstünden nicht allein aus dem Open RAN-Standard heraus. Open RAN erlaube aufgrund seiner Modularität eine flexible und herstellerunabhängige Einführung neuer Funktionen, betonte 1&1-Sprecher Thomas Kahmann.
Open RAN kämpft mit der Energieeffizienz
Man wolle "energieeffizienter werden", erklärte Martin zu einem, nach Einschätzung von Golem, möglichem Effizienznachteil von Open RAN. Professionelle Netzausrüster wie Ericsson, Nokia oder Huawei nutzen hochspezialisierte Asics, die auf Mobilfunkalgorithmen optimiert sind und extrem wenig Strom pro Bit verbrauchen. Open RAN setzt dagegen auf handelsübliche x86- oder ARM-Server, deren Prozessoren bei komplexen Signal Processing bauartbedingt deutlich mehr Rechenleistung und somit mehr Energie benötigen. In einem professionellen System sind Antenne, Verstärker, Baseband-Unit und Software perfekt aufeinander abgestimmt. Open RAN mit seinem Baukasten an Ausrüstern kann das nicht bieten. Bei einfachen Sendemasten auf dem Land ist der Unterschied gering. Das Problem entsteht in Städten bei Massive MIMO.
Kahmann sagte, 1&1 werde die Energieeffizienz seines Mobilfunknetzes erhöhen. "1&1 sieht keine systembedingten Schwachstellen bei Open RAN."
Gegenüber dem Marktführer Huawei sind Open RAN und die O-RAN Alliance überhaupt nicht offen. Obwohl Open RAN nahelegt, dass jeder Hersteller seine Komponenten wie bei Open Source beliebig beisteuern kann, wird das Ökosystem faktisch von den USA und westlichen Allianzpartnern kontrolliert.
Bei Huawei und anderen sind Antennen, Signalverarbeitung, Chipsätze und Steuerungssoftware tiefgehend aufeinander abgestimmt. Das ermöglicht Netzbetreibern eine hohe Energieeffizienz und Leistung, insbesondere bei Massive MIMO. Würde Huawei seine proprietären Schnittstellen öffnen, könnten Netzbetreiber die Huawei-Antennen kaufen, die Steuerungssoftware und die Cloudserver aber von Drittanbietern aus den USA oder Japan beziehen. Der chinesische Konzern würde damit nicht nur die Quelle seiner Maximalprofite untergraben, sondern auch den globalen technischen Fortschritt.
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