Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

MHP: Porsche verkauft seine IT-Beratung nach Indien

Der Sportwagenbauer fokussiert sich aufs Kerngeschäft und lagert seine IT-Zukunft aus: Mit dem Verkauf von MHP an Tata sichert sich Porsche das Know-how auf Kosten der Entwickler und IT-Berater.
/ Achim Sawall
21 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Werbebild bei MHP (Bild: MHP)
Werbebild bei MHP Bild: MHP

Porsche verkauft den Unternehmensbereich MHP, eine IT- und Digitalisierungsberatung mit Hauptsitz in Ludwigsburg und rund 4.500 Beschäftigten, an den indischen IT-Konzern Tata Consultancy Services (TCS). Porsche gab(öffnet im neuen Fenster) am 24. August 2026 keinen Kaufpreis bekannt. Tata musste als börsennotierter Konzern jedoch in einer Pflichtmitteilung(öffnet im neuen Fenster) offenlegen, dass der Unternehmenswert von MHP bei 320 Millionen Euro liegt.

TCS Netherlands übernimmt MHP. Parallel schließt Porsche einen fünfjährigen Strategievertrag über 1,25 Milliarden Euro mit Tata und MHP ab, um unter anderem ein AI Mobility Centre of Excellence aufzubauen. Porsche ist eine Konzerntochter von Volkswagen, welche wiederum von der Porsche-Familien-Holding beherrscht wird.

MHP entstand ursprünglich als SAP-Beratungshaus und IT-Systemintegrator. Heute digitalisiert das Unternehmen Geschäftsprozesse und begleitet IT-Transformationen. Zu den Kernbereichen gehören Softwareentwicklung, KI, Cloudarchitekturen, Cyber Security, Supply-Chain-IT sowie Software-defined Manufacturing.

Porsche behält Zugriff auf das Know-how

Tata wird 100 Prozent der MHP-Anteile von Porsche übernehmen. Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt der üblichen regulatorischen und kartellrechtlichen Genehmigungen. Der Abschluss der Transaktion wird laut Porsche in den kommenden Monaten erwartet. "TCS beabsichtigt, MHP in ihrer Gesamtheit als Unternehmensgruppe zu übernehmen. Zudem soll das Unternehmen als Marke und eigenständiges Beratungshaus unter dem Namen MHP erhalten bleiben", wurde erklärt.

Eine IT-Beratung mit 4.500 Beschäftigten, die größtenteils auch Drittkunden betreut, bindet für Porsche offenbar zu viel Kapital, wie Golem aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr. Durch das Abkommen für ein AI Mobility Centre of Excellence behält Porsche den Zugriff auf das Know-how, spare sich aber das Risiko eines eigenen IT-Systemhauses.

Standardisierte Prozesse dürften ins Ausland verlagert werden

Tata kaufe solche Firmen wegen der Kundenverbindungen. Ein Teil der Berater bleibt vor Ort beim Kunden, während standardisierbare Entwicklungs-, Test- und Maintenance-Aufgaben nach Indien oder in günstigere Nearshore-Zentren wie in Rumänien und Polen verlagert werden. Ein harter Stellenabbau ist in Deutschland arbeitsrechtlich teuer: Wer von Tata gekündigt wird und Klage einreicht, erzwingt in der Praxis fast immer einen Abfindungsvergleich. Stattdessen setzt Tata meist auf eine "freiwillige" Fluktuation: Beschäftigte, die mit der neuen Firmenkultur nicht zurechtkämen, gingen von selbst, und frei werdende Stellen in Deutschland würden oft nicht nachbesetzt, sondern im Ausland aufgebaut.


Relevante Themen