Meta Quest Pro: Endlich ein aufgeräumtes Büro!
Eines vorweg: Wer mit Virtual Reality nichts anfangen kann, den wird das Meta Quest Pro nicht umstimmen. Selbst die VR-Fans in der Redaktion von Golem.de sind nach dem Praxistest mit Metas bislang teuerstem Headset nicht davon überzeugt, dass eine solche Brille den normalen Büroalltag revolutioniert.
Dennoch kommt das Meta Quest Pro Mark Zuckerbergs Versprechen vom virtuellen Büro bislang am nächsten. Im Selbstversuch haben wir Textarbeit und Videoschnitt in VR versucht, haben sogar ein 90-minütiges Meeting im Metaverse abgehalten – und waren trotz einiger Kritikpunkte positiv überrascht.
Mehr noch als Metas günstigeres Quest 2 ist das Quest Pro nicht aufs Spielen, sondern aufs Arbeiten ausgelegt. Statt auf reine VR setzt das Headset von Reality Labs mit Sensoren und Kameras auf einen Mixed-Reality-Ansatz, bei dem die Umgebung per Video-Passthrough angezeigt wird.
Nur bei den App-Entwicklern ist dieser Einsatzzweck anscheinend noch nicht angekommen. Im Angebot der derzeit rund 400 verfügbaren Apps ist die Auswahl an Produktivitätssoftware noch eher dünn. Umso größer waren also unsere Hoffnungen auf die von Meta bereitgestellten Programme.
Spezifikationen und Einrichtung
Wir hatten so ziemlich alle populären Headsets seit dem Oculus Rift Dev Kit 2 auf der Nase, aber so einen guten Gesamteindruck wie das Meta Quest Pro hat bei uns bisher keines hinterlassen. Ja, das Varjo hat eine fantastische Auflösung und ja, das Vive XR Elite sieht cooler aus – aber Meta liefert unserer Meinung nach derzeit die beste Kombination aus Software und Hardware.
Die Meta Quest Pro kommt mit einer Auflösung von 1.800 x 1.920 Pixeln pro Auge, einem Qualcomm XR2 Plus SoC, 12 GByte RAM und 256 GByte internem Speicher. Des Weiteren sind 16 Kameras im Headset und den Controllern verbaut, es gibt räumlichen Ton über die integrierten Lautsprecher und einen nicht wechselbaren Akku, der in unseren Anwendungsszenarien rund 90 Minuten durchhielt.
Zu diesen Szenarien gehörte bei uns ausdrücklich nicht das Spielen von VR-Games, wir wollten ja arbeiten. Im Meta Quest Store sind derzeit rund 400 Apps verfügbar. Wir ließen uns eine Auswahl an Produktivitätssoftware anzeigen und fanden das Angebot wie gesagt eher dünn. Einzig vSpatial(öffnet im neuen Fenster) probierten wir kurz aus, fanden es aber eher umständlich und sehr hakelig.
Umso größer waren unsere Erwartungen an die von Meta bereitgestellten Programme.

Die Einrichtung des Headsets ging leicht von der Hand – im wahrsten Wortsinne. Schon bald hatten wir die Fingergesten verinnerlicht und legten die Controller ab. Durch die vielen Kameras funktionierte die Handerkennung meist zuverlässig.
So zeichneten wir mit dem Finger eine virtuelle Markierung auf den Boden, um unseren Bewegungsraum zu definieren. Hierbei kam uns die nahezu latenzfreie Durchsichtfunktion der Brille zugute. Sie ist im Gegensatz zu vielen anderen Headsets farbig und dreidimensional. Das ermöglichte auch den sicheren Griff zur Kaffeetasse zwischendurch.
Trotzdem lässt die Auflösung des Durchsicht-Modus zu wünschen übrig. Das Bild ist auch bei guten Lichtverhältnissen so matschig, dass wir nicht einmal die Beschriftung der Tastatur direkt vor uns lesen konnten.
Apropos Tastatur: einige Modelle(öffnet im neuen Fenster) werden direkt von der Meta Quest Pro unterstützt und damit korrekt in der virtuellen Umgebung abgebildet. Wir hatten leider keins davon; wer blind tippen kann, ist hier im Vorteil.
Wir testeten als Erstes den integrierten Browser und waren eher enttäuscht. Google Docs meckerte, er sei nicht kompatibel, die mit dem Headset per Bluetooth gekoppelte Tastatur ließ sich nicht auf ein deutsches Layout umstellen und überhaupt ist das Ganze als PC-Ersatz absolut untauglich, weil sich die App eher wie ein Mobilbrowser verhält.
Wie gut also, dass die von Meta entwickelte Workrooms-Umgebung sich mit unserem PC verbinden lässt.
Quest Pro mit PC aber ohne Kabel
Hier sieht das Ganze schon wesentlich nutzbarer aus. Wir sitzen im virtuellen Büro vor einem kleinen Bildschirm, auf dem wir Aktionen wie Meetings, unsere PC-Verbindung und generelle Einstellungen ausführen können. Nachdem wir das Programm(öffnet im neuen Fenster) zur Bildschirmspiegelung installiert haben, lässt sich unser Desktop auf drei riesige virtuelle Bildschirme verteilen.
Zuvor haben wir mit Fingergesten unseren Schreibtisch für das Headset kartografiert, sodass die virtuelle Arbeitsfläche der realen entspricht. Wir finden unser neues virtuelles Büro zwar recht hübsch – und wesentlich aufgeräumter als das echte -, aber wir vermissen etwas Auswahl bei den möglichen Umgebungen. Es gibt anscheinend lediglich drei Optionen: eine mit Seeblick, eine karge Lobby und eine dunkle karge Lobby. Wo ist der Mond, wo ist die Tiefsee?
Egal, wir fangen erstmal an zu arbeiten.
Als wir unsere drei Monitore mit Postfach, Chat und Texteditor bestücken, fällt uns als Erstes eine leichte Eingabeverzögerung auf. Sie ist nicht gravierend, aber spürbar. Weil das Headset die Daten kabellos bekommt, scheint die Bandbreite nicht für alle Anwendungen auszureichen. Videoschnitt oder sogar lediglich das Anschauen von Videos hakt mitunter ganz schön.
Zum Schreiben reicht es aber – wenn der Text nicht zu klein ist. Hier bemerken wir die Grenzen der Auflösung des Meta Quest Pro recht deutlich. Als wir die Brille kurz absetzen, stellen wir außerdem fest, dass sie unsere Anordnung auf dem Schreibtisch vergessen hat. Wir müssen alles neu einrichten.
Das passiert im Lauf unseres Tests immer wieder, bis hin zur kompletten Arbeitsverweigerung der Horizon-Workrooms-Umgebung. Dann half nur ein Neustart von Headset, PC oder beidem. Das ist beim Beta-Status der Software zwar verzeihlich und ein Reset der Brille dauert lediglich 20 Sekunden, trotzdem kostet es uns jedes Mal Zeit.
Als Nächstes probieren wir ein Meeting aus, laden unseren Kollegen mit seiner Meta Quest 2 ein und sind auf die Unterschiede gespannt.
Am auffälligsten ist natürlich das Fehlen jeglicher Mimik beim Avatar unseres Kollegen. Er rudert etwas hilflos mit den Armen, was darauf zurückzuführen ist, dass er die Controller benutzt. Wir hingegen können Augenbewegungen und Gesichtsausdrücke dank Eyetracking und Kameras vermitteln.
Im Verlauf des 90-minütigen Gesprächs tritt das aber in den Hintergrund. Wir vergessen schnell die technische Seite unseres virtuellen Meetings und lernen die Möglichkeiten des Bildschirmteilens, der Tafel, die im Sitzen oder Stehen beschrieben werden kann, und nicht zuletzt die Bewegungsfreiheit zu schätzen.
Die Quest 2 ist weniger komfortabel
Mein Kollege mit dem preiswerteren Headset hat es weniger angenehm: Ständig kämpft er mit dem korrekten Sitz seiner Brille und hat am Ende im Gegensatz zu mir Druckstellen und einen etwas schweren Kopf. Wer Brillenträger ist, kann es normal nutzen oder auf spezielle Linsen(öffnet im neuen Fenster) ausweichen.
Probeweise laden wir noch einen Kollegen per Microsoft Teams ein. Er erscheint auf einem schwebenden Bildschirm in unserer virtuellen Villa am Strand. Für ihn schweben wir hingegen wie beinlose Sims-Figuren in einem leeren Raum. Er ist nicht begeistert.
Wir hingegen ziehen ein positives Fazit. Wir hatten den Eindruck, dass wir weniger abgelenkt waren und uns mehr auf das eigentliche Gespräch konzentrieren konnten als bei einer normalen Videokonferenz. Klar: An der Haltung eines Avatar-Gegenüber merkt man sofort, wenn er oder sie sich mit etwas anderem beschäftigt und geistig abwesend ist. Man hat alle Teilnehmenden immer im Blick. Theoretisch hätten wir eine Besprechung mit bis zu 15 VR-Teilnehmern und bis zu 50 Personen per Videoschalte abhalten können.
Am Ende des Meetings ist der Akku des Headsets komplett leer. Auch eine Möglichkeit, die Gesprächs- und Arbeitszeit zu begrenzen!
Verfügbarkeit und Fazit
Verfügbarkeit
Die Meta Quest Pro ist derzeit ab 1.200 Euro im Online-Versandhandel erhältlich. Das Programm Meta Quest for Business(öffnet im neuen Fenster) , das Geräte- und Benutzerverwaltung beinhaltet, wird derzeit nicht in Deutschland angeboten. Ein Meta-Account(öffnet im neuen Fenster) ist Voraussetzung für die Nutzung.
Fazit
Wir halten das Meta Quest Pro für ein sehr gutes Headset mit solider technischer Ausstattung, hochwertiger Verarbeitung und komfortablem Sitz. Die Einrichtung ist simpel und das Tracking von Umgebung, Augen sowie Mimik erfolgt recht zuverlässig.
Dennoch haben wir die Produktivitätssoftware – und hier insbesondere Horizon Workrooms – als eher unzuverlässig empfunden. Wenn alles funktionierte, konnten wir aber zeitweise sogar vergessen, dass wir im virtuellen Raum unterwegs waren.
Wirklich arbeiten ließ sich mit der Brille nur, wenn es sich um statische Inhalte auf den virtuellen Screens handelte. Die Spiegelung unseres PCs erfolgte mit Rucklern und einer leichten Verzögerung. Das VR-Büro hatte so lediglich den Vorteil, dass es aufgeräumter wirkte als unser echter Arbeitsplatz.
Ob das den doch recht hohen Preis rechtfertigt, sei dahingestellt. Zumal die wesentlich günstigere Quest 2 einen Großteil der Basisfunktionen ebenfalls abdeckt – selbst Meta scheint so zu denken, denn eine Quest 3 ist angekündigt , währen die Quest Pro wohl eingestellt wird(öffnet im neuen Fenster) . Wer einen Blick in die virtuelle Arbeitswelt werfen möchte, ist vermutlich besser beraten, erstmal mit dem kleineren Modell zu starten.
Wir können uns schwer vorstellen, dass eine VR-Brille unsere Produktivität nennenswert steigern würde, auch wenn uns das virtuelle Meeting und die riesigen Bildschirme gut gefallen haben. Zu hoch sind die Hürden noch immer, zu wenig überzeugend die Software, zu gering der Mehrwert.
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