Messenger: Telegram führt Telefonie ein
In Europa können Telegram-Nutzer künftig auch telefonieren. In der aktuellen Version 3.18 wurde diese Funktion freigeschaltet. Telegram nutzt dafür weiterhin seine eigene Verschlüsselung. Gleichzeitig setzt das Unternehmen einige Funktionen um, die es bei anderen vergleichbaren Messengern nicht immer gibt: Nutzer können beispielsweise die Sprachqualität heruntersetzen, um Bandbreite zu sparen.
Telegram will die Komplexität beim Aufbau verschlüsselter Verbindungen möglichst intuitiv gestalten. Statt über komplizierte Passwörter sollen Anwender über Emojis einen erfolgreichen Schlüsselaustausch für abhörsichere Verbindungen bestätigen(öffnet im neuen Fenster) . Die Emojis ersetzen die sogenannten Short Authentication Strings (SAS), die von den Teilnehmern verglichen werden. Stimmen die vier angezeigten Emojis nicht überein, wird die Verbindung als unsicher eingestuft. Insgesamt stehen 333 verschiedene Emojis zur Verfügung.
Dynamische Sprachqualität
Wo möglich werden Peer-to-peer-Verbindungen für die Telefonie verwendet. Telegram verspricht(öffnet im neuen Fenster) dabei eine gute Sprachqualität bei geringer Bandbreite. Falls keine direkte Verbindung möglich sein sollte, werden die Telefonate über die Telegram-Server geleitet, die bislang auch für Nachrichten verwendet werden. Nach und nach sollen weitere Server umgerüstet werden, um letztendlich ein weltweites Netz zur Verfügung zu stellen.
Die Telegram-App soll mit Hilfe diverser Parameter, darunter Netzwerkqualität, Ping-Zeiten und der prozentualen Anzahl von verlorenen Datenpaketen, laufend eine optimale Sprachqualität gewährleisten können. Diese Parameter werden auch bei künftigen Telefonaten verwendet. Standardmäßig versucht die App auch, einen möglichst geringen Datenverbrauch bei Telefonaten zu ermitteln. Das Unternehmen versichert, dass es dabei nur technische Informationen sammelt.
Angepasste Sprach- und Videoqualität
In der App können Nutzer aber auch in den Optionen einstellen, immer eine geringere Bandbreite zu verwenden. Dabei soll der Datenverbrauch um 25 bis 30 Prozent bei geringerer Sprachqualität sinken. Zudem sollen Benutzer in ihrem Adressbuch festlegen können, ob alle, nur Kontakte im Adressbuch oder auch niemand sie anrufen darf. Außerdem hat Telegram eine neue Funktion integriert, mit der Nutzer die Kompression zu versendenden Videos in fünf Stufen herabsetzen können, um den Datenverbrauch zu senken.
Telegram ist nicht unumstritten. Abseits der Vorwürfe, die Software sei für die Verbreitung von Hasspropaganda verwendet worden , denen das Unternehmen bereits entgegengetreten ist, gibt es auch Kritik(öffnet im neuen Fenster) an der eigenen eingesetzten Verschlüsselung; unter anderem von dem renommierten Sicherheitsexperten Matthew Green(öffnet im neuen Fenster) . Allerdings konnte bislang niemand die von Telegram ausgelobten Preisgelder einheimsen, die demjenigen versprochen wurden, der die Verschlüsselung knackt. Anfang August 2016 soll es iranischen Hackern jedoch gelungen sein , an einige Nutzerkonten zu gelangen.
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