Abo
  • IT-Karriere:

Messenger: Telegram-Anrufe verraten IP-Adressen

Telefonanrufe via Telegram können die persönliche IP-Adresse verraten. Neue Optionen sollen dies auch auf dem Desktop verhindern können. Grundsätzliche Probleme bleiben jedoch ungelöst.

Artikel veröffentlicht am ,
Telegram vermarktet sich selbst als sicheren Messenger.
Telegram vermarktet sich selbst als sicheren Messenger. (Bild: Lobo Studio Hamburg/CC0 1.0)

Werden Telefonanrufe über Telegram mittels Peer-to-Peer (P2P) abgewickelt, werden auch die IP-Adressen der Kommunikationsteilnehmer übermittelt. Die Anrufe können alternativ über Telegram-Server getunnelt werden, sofern die Einstellung durch den Nutzer gesetzt wird. Diese Einstellung wurde Nutzern der Telegram-Desktop-App sowie der Windows-Version des Messengers jedoch nicht angeboten, wie dem Sicherheitsforscher Dhiraj Mishra aufgefallen ist. Laut Telegram sollten IP-Adressen zudem nur an bekannte Kontakte weitergegeben werden. Durch eine falsch gesetzte Standardeinstellung seitens Telegram konnten jedoch IP-Adressen auch von Unbekannten abgegriffen werden.

Stellenmarkt
  1. Landeshauptstadt München, München
  2. Trium Analysis Online GmbH, München

Ein Telegram-Feature sind Sprachanrufe. Diese werden entweder über Telegram-Server oder zwischen den telefonierenden Geräten abgewickelt. Letzteres wird Peer-to-Peer genannt und übermittelt die IP-Adressen der Kommunikationsteilnehmer. Dhiraj Mishra konnte sich bei einem Anruf die IP-Adressen eines Telegram-Servers, seine eigene und die seines Gegenübers ausgeben lassen. Laut Telegram sei die Standardeinstellung, dass P2P-Anrufe nur mit bekannten Kontakten verwendet würden. Damit würde auch die IP-Adresse nur mit Meinen Kontakten, so die Standardoption der P2P-Einstellung, geteilt. Allerdings sei diese Einstellung bei einer Neuregistrierung von Telegram für einen Zeitraum von mehreren Stunden nicht gesetzt gewesen. Dadurch könnten IP-Adressen an unbekannte Anrufer abgeflossen sein. Telegrams CEO Pavel Durov erklärte in seinem Telegram-Kanal, dass Telegram Desktop nur an 0,01 Prozent der Anrufe auf Telegram beteiligt sei.

In den offiziellen Telegram-Apps für iOS und Android ließ sich das Verhalten schon bisher komplett deaktivieren. Hierzu müssen P2P-Anrufe komplett abgeschaltet werden. Unter Telegram Desktop und Telegram Messenger für Windows konnte diese Einstellung bis vor kurzem nicht gesetzt und einer Übermittlung der eigenen IP-Adresse nicht entgangen werden. Seit der Veröffentlichung der Versionen 1.3.17beta und 1.4.0 lässt sich auch hier die P2P-Funktion deaktivieren. Mishra erhielt für das Melden des Fehlers 2.000 Euro von Telegram.

Der Sicherheitsforscher entdeckte kurz zuvor ein weiteres Problem in t.me. Der Dienst ermöglicht Telegram-Nutzern, öffentlich unter einem selbstgewählten Benutzernamen erreichbar zu sein, ohne dass diese ihre Telefonnummer veröffentlichen müssen. Wird ein Proxy-Server verwendet, überträgt T.me die Zugangsdaten zu diesem zwar verschlüsselt, allerdings finden sich der Benutzername und das Passwort im Klartext in der URL. Sie können damit auch in den Browserverlauf eingehen und beispielsweise via Browsersynchronisation auf verschiedenen Geräten landen. Im Falle des Chrome-Synchronisationsdienstes können sie auch von Google ausgewertet werden. Telegram beschreibt das Verhalten laut Mishra als gewollt.

Sicherheitsfunktionen von Telegram umstritten

Telegram wird immer wieder vorgeworfen, dass die Kommunikation nicht standardmäßig Ende zu Ende verschlüsselt stattfindet. Vielmehr muss die Verschlüsselung für jeden Kontakt einzeln aktiviert werden. Dabei unterstützt Telegram verschlüsselte Konversationen auch nur zwischen zwei Endgeräten. Verwendet ein Nutzer mehrere Geräte, beispielsweise den Messenger auf dem Smartphone und die Desktop-App, kann er nur mit einem Gerät eine verschlüsselte Konversation mit einer anderen Person beziehungsweise einem anderen Gerät aufbauen. Gruppenchats lassen sich grundsätzlich nicht Ende zu Ende verschlüsseln.

Kritisiert wird zudem Telegrams selbstentwickeltes Verschlüsselungsprotokoll MTProto. Dieses enthält sehr ungewöhnliche Konstruktionen, beispielsweise AES im sogenannten IGE-Modus, der praktisch nicht mehr im Einsatz ist und von keinem bekannten Krypto-Protokoll genutzt wird. Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass Telegram unsicher ist, allerdings orientiert sich gute Kryptographie üblicherweise an gut und ausführlich getesteten Standards, die darauf ausgelegt sind, dass auch mächtige Gegner wie die NSA die Verschlüsselung auch in mehreren Jahrzehnten nicht knacken können.

Nachtrag vom 2. Oktober 2018, 11:30 Uhr

Im Artikel hieß es ursprünglich versehentlich, dass Telegram Video- und Sprachanrufe unterstütze. Telegram bietet jedoch nur Videonachrichten und keine Videotelefonie an. Wir haben den Artikel entsprechend abgeändert.

Pavel Durov, CEO bei Telegram, hat sich zu den Vorfällen geäußert. Wir haben einen Satz dazu nachgefügt.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 50,99€
  2. (-79%) 3,20€
  3. (-68%) 9,50€
  4. 1,19€

mtr (golem.de) 02. Okt 2018

Lieber lightview, Vielen Dank für deine Anmerkungen, die uns natürlich interessieren...

jg (Golem.de) 02. Okt 2018

Wir kannten die Erklärung des CEO zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung nicht, die ja...

chefin 02. Okt 2018

Eigentlich noch viel banaler: du bekommst die IP des Mobilfunkmasten bei 90% der...

chefin 02. Okt 2018

hää? Nix verstehn vom Internet Du kannst IP-Adressen nicht unterdrücken, sondern nur...

elidor 01. Okt 2018

Und man kann verschlüsselte Nachrichten nicht auf 7 Server aufteilen, sondern nur...


Folgen Sie uns
       


Linux für Gaming installieren - Tutorial

Die Linux-Distribution Manjaro eignet sich gut für Spiele - wir erklären im Video wie man sie installiert.

Linux für Gaming installieren - Tutorial Video aufrufen
Google Maps in Berlin: Wenn aus Aussetzfahrten eine neue U-Bahn-Linie wird
Google Maps in Berlin
Wenn aus Aussetzfahrten eine neue U-Bahn-Linie wird

Kartendienste sind für Touristen wie auch Ortskundige längst eine willkommene Hilfe. Doch manchmal gibt es größere Fehler. In Berlin werden beispielsweise einige Kleinprofil-Linien falsch gerendert. Dabei werden betriebliche Besonderheiten dargestellt.
Von Andreas Sebayang

  1. Maps Duckduckgo mit Kartendienst von Apple
  2. Google Maps zeigt Bikesharing in Berlin, Hamburg, Wien und Zürich
  3. Kartendienst Qwant startet Tracking-freie Alternative zu Google Maps

Ricoh GR III im Test: Kompaktkamera mit Riesensensor, aber ohne Zoom
Ricoh GR III im Test
Kompaktkamera mit Riesensensor, aber ohne Zoom

Kann das gutgehen? Ricoh hat mit der GR III eine Kompaktkamera im Sortiment, die mit einem APS-C-Sensor ausgerüstet ist, rund 900 Euro kostet und keinen Zoom bietet. Wir haben die Kamera ausprobiert.
Ein Test von Andreas Donath

  1. Theta Z1 Ricoh stellt 360-Grad-Panoramakamera mit Profifunktionen vor
  2. Ricoh GR III Eine halbe Sekunde Belichtungszeit ohne Stativ

Dr. Mario World im Test: Spielspaß für Privatpatienten
Dr. Mario World im Test
Spielspaß für Privatpatienten

Schlimm süchtig machendes Gameplay, zuckersüße Grafik im typischen Nintendo-Stil und wunderbare Dudelmusik: Der Kampf von Dr. Mario World gegen böse Viren ist ein Mobile Game vom Feinsten - allerdings nur für Spieler mit gesunden Nerven oder tiefen Taschen.
Von Peter Steinlechner

  1. Mobile-Games-Auslese Ein Wunderjunge und dreimal kostenloser Mobilspaß
  2. Mobile-Games-Auslese Magischer Dieb trifft mogelnden Doktor
  3. Hyper Casual Games 30 Sekunden spielen, 30 Sekunden Werbung

    •  /