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Merz hält Scheitern für möglich: Frankreich will FCAS-Kampfjet ohne Deutschland bauen

Nach neun Jahren Planung steht das deutsch-französische Projekt des FCAS-Kampfjets vor dem Aus. Deutschland sucht Alternativen.
/ Andreas Donath
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FCAS-Kampfjet (Bild: Airbus)
FCAS-Kampfjet Bild: Airbus

Was vor neun Jahren als gemeinsames Vorzeigeprojekt begonnen hat, droht zu scheitern. Der FCAS-Kampfjet, das Future Combat Air System, sollte Deutschland und Frankreich in der Verteidigungspolitik enger zusammenbringen(öffnet im neuen Fenster) . Aktuell stehen sich die beteiligten Konzerne jedoch unversöhnlich gegenüber, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.(öffnet im neuen Fenster)

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht laut der Nachrichtenagentur Reuters nur noch von einem intensiven Dialog mit Frankreich(öffnet im neuen Fenster) . In der Politik ist das oft ein Zeichen für festgefahrene Verhandlungen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron soll wahrscheinlich noch im Februar eine große sicherheitspolitische Rede halten(öffnet im neuen Fenster) .

Das Future Combat Air System sollte mehr sein als ein modernes Kampfflugzeug. Mit Kosten von bis zu 100 Milliarden Euro(öffnet im neuen Fenster) war ein " System of Systems " geplant. Jets, Drohnenschwärme und Sensoren sollten in der Air Combat Cloud digital vernetzt werden. Alle Systeme tauschen Daten aus und wirken koordiniert zusammen.

Nach Jahren der Grundlagenforschung sollte das Projekt mit deutscher, französischer und spanischer Beteiligung nun in die entscheidende Phase gehen. Stattdessen zerstritten sich die Konzerne Airbus und Dassault jedoch.

Dassault fordert angeblich Führungsrolle

Dassault-Chef Éric Trappier sieht sein Unternehmen als einzigen qualifizierten Partner(öffnet im neuen Fenster) : "Wir wissen, wie man alles von Anfang bis Ende macht – das beweisen wir seit über 70 Jahren." . Dassault verantwortet Bau und Design des bemannten Kampfflugzeugs – des Herzstücks, um das sich später Drohnen und Sensorik organisieren sollen.

Im Dezember machten die Franzosen ihre Position klar. Man brauche eine echte Führung(öffnet im neuen Fenster) , erklärte Trappier. Er forderte, dass Dassault die Führungsrolle bei der Entwicklung des Kampfjets übernehme – konkret 51 Prozent der Arbeitsleistungen in diesem Kernbereich(öffnet im neuen Fenster) .

Paris nimmt es Berlin übel, dass Deutschland nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine US-amerikanische F-35-Jets kaufte(öffnet im neuen Fenster) statt französischer Rafale-Maschinen. Der Airbus-Konzern beharrt auf einer Kooperation auf Augenhöhe. "Wir haben eine ziemlich erhebliche Meinungsverschiedenheit darüber, wie die Entwicklung des Flugzeugs vorangetrieben werden soll" , erklärte Airbus-Chef Guillaume Faury(öffnet im neuen Fenster) . "In einer Kooperation muss man etwas entwickeln, das allen Beteiligten zugute kommt."

Europa muss sich neu sortieren

Vermutlich wird sich das Konsortium auf die Entwicklung der Air Combat Cloud einigen, doch ein gemeinsames Kampfflugzeug wird es wohl nicht geben. Im Hinblick auf die Atomwaffenfähigkeit und im Hinblick auf die Flugzeugträgerfähigkeit(öffnet im neuen Fenster) hätten die Franzosen andere Vorstellungen, erklärte Merz.

Wie Paris den Bau eines eigenen Flugzeugs finanzieren will, ist auch nach dem geklärten Haushaltsstreit offen. Die Ausgaben für Verteidigung steigen in Frankreich zwar um 6,7 Milliarden auf 57,1 Milliarden Euro(öffnet im neuen Fenster) . Ob das für ein derartiges Projekt reicht, wird jedoch bezweifelt.

Sollte das Projekt scheitern, könnte als Alternative das britisch-italienisch-japanische Global Combat Air Programme(öffnet im neuen Fenster) herhalten, dem Deutschland beitreten könnte. Der Nachteil: In diesem Projekt sind die Rollen schon verteilt.

Eine weitere Möglichkeit wäre ein Flugzeug, das zusammen mit Saab entwickelt wird. " Wir stehen bereit für einen gemeinsamen Kampfjet mit den Deutschen(öffnet im neuen Fenster) ", hatte Saab-Chef Micael Johansson Ende vergangenen Jahres erklärt.


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