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Der beheizbare Gurt für Gurtmuffel

Etliche weitere Elemente des ESF 2019 haben allerdings keinen Bezug zum automatisierten Fahren und könnten schon jetzt die Sicherheit erhöhen. Dazu zählt beispielsweise der beheizbare Sicherheitsgurt, der es Gurtmuffeln erleichtern soll, den "Lebensretter Nr. 1" auch tatsächlich anzulegen. Zwar hat die Gurtanlegequote im vergangenen Jahr mit 99 Prozent einen Höchststand erreicht, doch soll weiterhin jeder fünfte Autoinsasse, der bei einem Unfall ums Leben kommt, nicht angeschnallt gewesen sein. Das ergab eine Auswertung von Unfallzahlen für das Jahr 2014. Vor allem im Winter könnte ein beheizter Gurt die Autoinsassen animieren, die dicke Winterjacke auszuziehen. Wenn der Gurt eng am Oberkörper anliegt, wird der Sicherheitseffekt vergrößert.

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Zur Vermeidung schwerer Unfälle soll auch der verbesserte Notbremsassistent beitragen. "Droht beispielsweise eine Kollision mit Fußgängern oder Radfahrern, die die Straße überqueren, in die das Fahrzeug einbiegt, wird der Fahrer optisch-akustisch gewarnt", sagte Mercedes. Notfalls erfolge eine autonome Bremsung. Auch ein Anfahren werde in solchen Fällen verhindert. Beim Einparken oder Manövrieren könnte das ESF 2019 ebenfalls autonom bremsen, wenn Fußgänger gefährdet sein sollten. Das wird durch eine Auswertung aus den Daten der Kameras und Ultraschallsensoren ermöglicht.

Kleiner Hüpfer vor dem Aufprall

Verbessert hat Mercedes darüber hinaus die sogenannten Pre-Safe-Funktionen. So kann das Auto auf Basis des Kartenmaterials berechnen, welcher Querbeschleunigung der Wagen bei unveränderter Geschwindigkeit in der nächsten Kurve ausgesetzt wäre. Der Fahrer merkt durch eine Gurtstraffung, dass er vielleicht die Geschwindigkeit noch etwas reduzieren sollte. Macht er das nicht, hat er in der Kurve zumindest einen besseren Halt im Sitz.

Noch nicht ganz serienreif ist die Funktion Pre-Safe-Impuls-Heck. Dabei versucht das Auto, einen drohenden Heckaufprall durch einen kurzzeitigen Beschleunigungsimpuls nach vorn zu verhindern oder bei einer Kollision die Folgen zu minimieren. Hierbei gibt es viele Faktoren zu berücksichtigen. Denn der kleine Hopser nach vorne könnte auch dazu führen, dass es eher zu einer Kollision mit dem vorausfahrenden Fahrzeug kommt. Laut Mercedes haben jedoch Crashsimulationen gezeigt, "dass bereits Beschleunigungsimpulse von wenigen Hundert Millisekunden die Crashenergie erheblich reduzieren können". Vor allem Elektromotoren seien in der Lage, solche Impulse aus dem Stand zu erzeugen.

Nicht alles kommt in die Serie

Bei der Präsentation der neuen Sicherheitssysteme verwiesen die Entwickler darauf, dass nicht alle Elemente schon serienreif seien oder am Ende in die Serienproduktion übernommen würden. Zudem ist derzeit noch nicht abzusehen, welche regulatorischen Vorgaben für selbstfahrende Autos künftig gelten werden. So verlangte die französische Regierung in der ECE-Arbeitsgruppe zur Regulierung hochautomatisierter Fahrzeuge (PDF), dass die Polizei klar erkennen müsse, ob sich ein Fahrzeug im automatisierten Modus befinde. Sollte eine solche Anforderung am Ende beschlossen werden, müssten die Hersteller dies möglicherweise mit Hilfe einer speziellen Beleuchtung signalisieren. Ob diese dann türkis ist, wie von Mercedes vorgeschlagen, müsste dann ebenfalls beschlossen werden.

  • Das Experimental-Sicherheitsfahrzeug ESF 2019 von Mercedes-Benz fällt durch die zylinderförmigen Dachaufsätze auf. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Aufsätze dienen der Kommunikation selbstfahrender Autos mit anderen Verkehrsteilnehmern. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auf dem Dach befindet sich ein aufklappbares Warndreieck. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Heckscheibe lässt sich als Projektionsfläche für Warnungen nutzen.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auch das Frontpanel kann in der Signalfarbe Türkis leuchten.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Highlight ist ein selbstfahrendes Warndreieck. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Warnroboter fährt aus einer Schublade unter dem Fahrzeugheck heraus.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Gurtmuffel sollen durch beheizbare Gurte zum Anlegen motiviert werden.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Neue Airbagkonzepte schützen den Fahrer unabhängig von der Position der Sitzlehne.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Gurtmuffel sollen durch beheizbare Gurte zum Anlegen motiviert werden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Das ESF 2019 steht in der Tradition früherer Sicherheitsstudien und soll zeigen, was an verbesserten Sicherheitsfunktionen auf dem Stand der aktuellen Technik schon möglich wäre. Doch längst nicht alle Funktionen, die technisch machbar sind, finden den Weg in die Serie. Das ist am Ende auch eine Frage des Preises. Sollten hoch- und vollautomatisierte Fahrzeuge in wenigen Jahren Realität werden, könnte es durchaus passieren, dass einem irgendwann ein selbstfahrendes Warndreieck entgegenkommt.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Mercedes an der Präsentation des ESF 2019 teilgenommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.

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 Warndreieck mit Videokameras und GPS
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Peter Brülls 27. Mai 2019

Und gibt es eine Kontrollgruppe? Wie viele Pannenfahrzeuge trotz korrekt aufgestellten...

derdiedas 21. Mai 2019

Wenn das jedes Auto hätte, hätten wir noch einen gigantischen Berg an umweltbelastendem...

leed 21. Mai 2019

Wenn ich so sehe, wie vorsichtig und langsam das Ding aus seiner Rampe herausfährt, frage...

cpt.dirk 21. Mai 2019

"autonom" - in den Gegenverkehr gelenkt, als das Auto samt Insassen..!

PerilOS 21. Mai 2019

Habt ihr eigentlich in den 70ern auch so gewollt geflucht über Mercedes, als sie den...


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