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Hardware kann noch nicht bestellt werden

Denn für den Drive Assist Plus gibt es noch keine UN/ECE-Regulierung. Im Gegensatz zu Tesla strebt Mercedes keine Sondergenehmigung an. Softwarechef Magnus Östberg hofft laut Handelsblatt auf einen Start im Jahr 2027, was angesichts der langwierigen Verhandlungen in den Regulierungsgremien optimistisch sein dürfte.

Anders als Tesla verspricht Mercedes seinen Kunden auch nicht, dass die nun ausgelieferten Fahrzeuge schon über die erforderliche Hardware verfügen, um künftig autonom unterwegs zu sein. Das ist nicht nachvollziehbar, denn es müssten lediglich zwei zusätzliche Kameras am Kotflügel integriert werden. Man wolle die Sensoren für den europäischen Markt erst dann verbauen, "sobald eine Zertifizierung möglich ist" , sagte Östberg und bestätigte damit Äußerungen Schäfers auf der IAA 2025 .

Damit wird Mercedes in Sachen Level 2 der Konkurrenz von BMW und Ford und möglicherweise Tesla hierzulande noch einige Jahre hinterherhinken. Kunden in den USA oder China sollen Level 2++ hingegen schon in diesem Jahr nutzen können. Wobei es prinzipiell nachvollziehbar ist, vorübergehend auf Level 3 zu verzichten.

Entwicklung von Level 3 geht weiter

Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Automatisierungsstufe von Mercedes komplett übersprungen werden soll und die Fahrzeuge direkt Level-4-tauglich werden. Das ist eher für spezielle Anwendungsfälle wie kommerzielle Robotaxis gedacht und wird aktuell in Abu Dhabi getestet. Zuletzt kündigte Mercedes an(öffnet im neuen Fenster) , die auf der CES 2026 vorgestellte Nvidia-Drive-Hyperion-Architektur und Nvidia-Drive-AV-L4-Software zu implementieren.

Das Betriebssystem MB.OS in den Privat-Pkw sei "technisch weiterhin für hochautomatisiertes Fahren ausgelegt" , sagte der Mercedes-Sprecher auf Anfrage von Golem und fügte hinzu: "Wir arbeiten bereits an einer neuen Version, die sich MB.Drive Pilot nennt und eine deutlich erweiterte ODD bieten wird (z.B. 130 km/h). Damit ist unser Level-3-System dann sehr viel häufiger und auch bei unterschiedlichen Wetterbedingungen einsatzbereit."

Ex-Technikchef Schäfer sagte dazu auf der IAA 2025, dass die Entwicklung auch für private Pkw zu urbanem Level 3 und Level 4 gehe. Fahrzeuge mit Level 3 könnten auch im urbanen Bereich schon vor 2030 auf den Markt kommen.

Nvidia ersetzt eigene Entwicklung

Mercedes fährt daher weiter zweigleisig und setzt dabei stark auf Nvidia bei der Hard- und Software. Die Tatsache, dass Mercedes nun die Nvidia-Software und nicht mehr die Eigenentwicklung nutzt, die noch auf der IAA gezeigt wurde, spricht allerdings nicht gerade für das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten auf diesem Gebiet. Dahinter dürfte auch das Wissen um die geballte Rechenpower stehen, die Nvidia für das Training seiner KI-Modelle bereitstellen kann.

Mercedes hat bei der Entwicklung des Drive Pilot daher viel Lehrgeld gezahlt. In der Firmenchronik macht es sich natürlich gut, als erster Hersteller ein solches System genehmigt bekommen zu haben. Doch in der Praxis wurde leider an den Wünschen der Kunden vorbeientwickelt. Besser ein zuverlässiges und nutzbares Level-2-System als ein teures Level-3-Produkt, das nur in wenigen Situationen aktiviert werden kann.


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