Abo
  • Services:

Entscheiden Autos über Leben und Tod?

Golem.de: Es gibt zwei Dinge, die Menschen an autonomen Autos unheimlich faszinieren, weil es so menschliche Themen sind: Moral und Schuld. Sie kennen bestimmt das Straßenbahndilemma. Das ist eine Sammlung moralischer Gedankenspiele darüber, wer sterben soll und wer leben, in entsprechend formulierten Szenarien. In der Vorstellung vieler Menschen muss auch ein autonomes Auto dauernd solche Dilemmas auflösen. Der Stand der Dinge ist aktuell erst, dass ein Auto klassifizieren kann, was ein Baum ist und was ein Passant. Wie relevant bewerten Sie solche Maschinenentscheidungen im Alltag? Und warum fasziniert das Moraldilemma die Menschen so?

Stellenmarkt
  1. Robert Bosch GmbH, Leonberg
  2. Power Service GmbH, Köln

Herrtwich: Ich glaube, die Faszination kommt schlicht aus der Vorstellung, dass eine Entscheidung über Leben und Tod an eine Maschine delegiert wird. Das setzt verständlicherweise alle möglichen Phantasien frei. Vertrackte Dilemmas wie die Kurzgeschichten mit der Straßenbahn sind in der Realität allerdings sehr, sehr selten. Was sehen wir heute als Unfallursachen? Es sind fast immer Unachtsamkeiten oder Fehleinschätzungen. Ein Fahrer fährt zu schnell in eine Kurve, sieht plötzlich vor sich ein Hindernis, kann nicht mehr bremsen, et cetera.

Ein automatisiertes Auto kommt nicht leicht ins moralische Dilemma

Ein automatisiertes Auto kann die meisten dieser Unfälle vermeiden, weil Unachtsamkeit in dieser Weise bei einer Maschine nicht auftritt. Das heißt, es bleiben nur ganz wenige Situationen übrig. Es ist nicht so, dass das Roboterfahrzeug eine Straße entlangfährt und dann entscheiden muss: Fahre ich jetzt in die Menschen links oder in die Menschen rechts? Diese Menschen hat es alle schon viel früher gesehen und kann weit vorher anhalten.

Was vorkommen kann, sind Situationen, die sich schwer erwartbar aus ungünstigen physikalischen Umständen ergeben. Beispiel: Ich fahre in normalem Sicherheitsabstand hinter einem Lastwagen her. Dieser Lastwagen verliert plötzlich Ladung. Das ist ein unwahrscheinliches Ereignis, auf das ich auch als menschlicher Fahrer selten vorbereitet bin. Ein automatisiertes Auto hat jedoch immer noch die besseren Chancen, hier einen Unfall zu vermeiden, denn die Maschine sieht und reagiert viel schneller, aber das wäre so eine Dilemmasituation, weil ich mich am Rand des physikalisch Möglichen bewege.

Golem.de: Wo wäre hier das Dilemma?

Herrtwich: Naja, es fahren ja oft links oder rechts andere Autos. Kann ich ausweichen? Muss ich ausweichen? Ist das Ausweichen besser, als in die Ladung hineinzufahren? Das sind Situationen, in denen sich ein autonomes Auto durchaus wiederfinden kann. In den meisten Fällen gilt nach unserer Erfahrung allerdings, dass es am besten ist, so schnell wie möglich zu bremsen, relative Bewegungsenergie abzubauen.

Golem.de: Das zweite große Interesse gilt der Frage der Schuld, der Haftung. Kürzlich wurde das Wiener Abkommen geändert, um der technischen Entwicklung Rechnung zu tragen. Das wurde vorher oft zitiert als Argument, dass autonome Autos rechtlich nicht möglich seien. Der Gesetzgeber hat sich jedoch überall sehr kooperativ gezeigt. Das wird bei der Haftung mit höchster Wahrscheinlichkeit ähnlich aussehen. Welche Modelle der Haftung gäbe es und was sehen Sie als den gangbarsten Weg?

Herrtwich: Das Wiener Abkommen war ein erster nötiger Schritt, um den Weg zur Zulassung automatisierter Autos zu ebnen. Das ist noch keine endgültige Klärung auf der Ebene des Zulassungsrechts und auch für gänzlich fahrerlose Fahrzeuge müsste das Abkommen noch einmal angepasst werden.

Im deutschen Recht reichen über weite Bereiche bestehende Haftungsregeln aus. Wir haben in Deutschland eine Halterhaftung. Jeder, der bei einem Unfall geschädigt wird, ist dadurch geschützt, dass der Halter des Fahrzeugs unabhängig von der Verschuldensfrage haftet und zudem versichert sein muss. Daneben haftet der Fahrer, wenn er nicht sorgfältig handelt oder der Hersteller bei Produktfehlern. Was bereits absehbar ist, ist, dass wir in automatisierten Fahrzeugen standardisierte Blackboxen haben werden, die bei einem Unfall erfassen, was passiert ist, damit der Unfallhergang sauber rekonstruiert werden kann.

 In der Stadt können Autos noch nicht immer adäquat reagierenWie autonome Autos die Städte verändern 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. und 20€ Steam-Guthaben geschenkt bekommen
  2. 83,90€
  3. 164,90€

Proctrap 07. Jun 2016

Bis die Baustelle mal net uf'm Navi steht

Proctrap 07. Jun 2016

Ich fürchte du solltest einen Artikel bei Golem zu Thema "welcher Hersteller funkt was...

PiranhA 06. Jun 2016

Das grundsätzliche Problem ist doch, dass Computer sich mit Unsicherheiten schwer tun...

thrust26 04. Jun 2016

Irgendwann wird sie aber soweit sein. Und bis dahin sollte die Gesellschaft die...

Gamma Ray Burst 04. Jun 2016

Ja Unit Tests im Machine Learning stelle ich mir recht spannend vor;-) Aber was er da...


Folgen Sie uns
       


Sonos Beam im Hands on

Beam ist Sonos' erste smarte Soundbar und läuft mit Amazons Alexa. Im Zusammenspiel mit einem Fire-TV-Gerät kann dieses bequem mit Beam mit der Stimme bedient werden. Die Beam-Soundbar von Sonos kostet 450 Euro und soll am 17. Juli 2018 erscheinen.

Sonos Beam im Hands on Video aufrufen
Garmin Fenix 5 Plus im Test: Mit Musik ins unbekannte Land
Garmin Fenix 5 Plus im Test
Mit Musik ins unbekannte Land

Kopfhörer ins Ohr und ab zum Joggen, Rad fahren oder zum nächsten Supermarkt spazieren - ohne Smartphone: Mit der Sport-Smartwatch Fenix 5 Plus von Garmin geht das. Beim Test haben wir uns zwar im Wegfindungsmodus verlaufen, sind von den sonstigen Navigationsoptionen aber begeistert.
Ein Test von Peter Steinlechner

  1. Garmin im Hands on Alle Fenix 5 Plus bieten Musik und Offlinenavigation

Battlefield 5 Closed Alpha angespielt: Schneller sterben, länger tot
Battlefield 5 Closed Alpha angespielt
Schneller sterben, länger tot

Das neue Battlefield bekommt ein bisschen was von Fortnite und wird allgemein realistischer und dynamischer. Wir konnten in der Closed Alpha Eindrücke sammeln und erklären die Änderungen.
Von Michael Wieczorek

  1. Battlefield 5 Mehr Reaktionsmöglichkeiten statt schwächerer Munition
  2. Battlefield 5 Closed Alpha startet mit neuen Systemanforderungen
  3. Battlefield 5 Schatzkisten und Systemanforderungen

Esa: Sonnensystemforschung ohne Plutonium
Esa
Sonnensystemforschung ohne Plutonium

Forscher der Esa arbeiten an Radioisotopenbatterien, die ohne das knappe und aufwendig herzustellende Plutonium-238 auskommen. Stattdessen soll Americium-241 aus abgebrannten Brennstäben von Kernkraftwerken zum Einsatz kommen. Ein erster Prototyp ist bereits fertig.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Jaxa Japanische Sonde Hayabusa 2 erreicht den Asteroiden Ryugu
  2. Mission Horizons @Astro_Alex fliegt wieder
  3. Raumfahrt China lädt die Welt zur neuen Raumstation ein

    •  /