Abo
  • Services:

Entscheiden Autos über Leben und Tod?

Golem.de: Es gibt zwei Dinge, die Menschen an autonomen Autos unheimlich faszinieren, weil es so menschliche Themen sind: Moral und Schuld. Sie kennen bestimmt das Straßenbahndilemma. Das ist eine Sammlung moralischer Gedankenspiele darüber, wer sterben soll und wer leben, in entsprechend formulierten Szenarien. In der Vorstellung vieler Menschen muss auch ein autonomes Auto dauernd solche Dilemmas auflösen. Der Stand der Dinge ist aktuell erst, dass ein Auto klassifizieren kann, was ein Baum ist und was ein Passant. Wie relevant bewerten Sie solche Maschinenentscheidungen im Alltag? Und warum fasziniert das Moraldilemma die Menschen so?

Stellenmarkt
  1. über duerenhoff GmbH, München
  2. Weinmann Holzbausystemtechnik GmbH, Sankt Johann

Herrtwich: Ich glaube, die Faszination kommt schlicht aus der Vorstellung, dass eine Entscheidung über Leben und Tod an eine Maschine delegiert wird. Das setzt verständlicherweise alle möglichen Phantasien frei. Vertrackte Dilemmas wie die Kurzgeschichten mit der Straßenbahn sind in der Realität allerdings sehr, sehr selten. Was sehen wir heute als Unfallursachen? Es sind fast immer Unachtsamkeiten oder Fehleinschätzungen. Ein Fahrer fährt zu schnell in eine Kurve, sieht plötzlich vor sich ein Hindernis, kann nicht mehr bremsen, et cetera.

Ein automatisiertes Auto kommt nicht leicht ins moralische Dilemma

Ein automatisiertes Auto kann die meisten dieser Unfälle vermeiden, weil Unachtsamkeit in dieser Weise bei einer Maschine nicht auftritt. Das heißt, es bleiben nur ganz wenige Situationen übrig. Es ist nicht so, dass das Roboterfahrzeug eine Straße entlangfährt und dann entscheiden muss: Fahre ich jetzt in die Menschen links oder in die Menschen rechts? Diese Menschen hat es alle schon viel früher gesehen und kann weit vorher anhalten.

Was vorkommen kann, sind Situationen, die sich schwer erwartbar aus ungünstigen physikalischen Umständen ergeben. Beispiel: Ich fahre in normalem Sicherheitsabstand hinter einem Lastwagen her. Dieser Lastwagen verliert plötzlich Ladung. Das ist ein unwahrscheinliches Ereignis, auf das ich auch als menschlicher Fahrer selten vorbereitet bin. Ein automatisiertes Auto hat jedoch immer noch die besseren Chancen, hier einen Unfall zu vermeiden, denn die Maschine sieht und reagiert viel schneller, aber das wäre so eine Dilemmasituation, weil ich mich am Rand des physikalisch Möglichen bewege.

Golem.de: Wo wäre hier das Dilemma?

Herrtwich: Naja, es fahren ja oft links oder rechts andere Autos. Kann ich ausweichen? Muss ich ausweichen? Ist das Ausweichen besser, als in die Ladung hineinzufahren? Das sind Situationen, in denen sich ein autonomes Auto durchaus wiederfinden kann. In den meisten Fällen gilt nach unserer Erfahrung allerdings, dass es am besten ist, so schnell wie möglich zu bremsen, relative Bewegungsenergie abzubauen.

Golem.de: Das zweite große Interesse gilt der Frage der Schuld, der Haftung. Kürzlich wurde das Wiener Abkommen geändert, um der technischen Entwicklung Rechnung zu tragen. Das wurde vorher oft zitiert als Argument, dass autonome Autos rechtlich nicht möglich seien. Der Gesetzgeber hat sich jedoch überall sehr kooperativ gezeigt. Das wird bei der Haftung mit höchster Wahrscheinlichkeit ähnlich aussehen. Welche Modelle der Haftung gäbe es und was sehen Sie als den gangbarsten Weg?

Herrtwich: Das Wiener Abkommen war ein erster nötiger Schritt, um den Weg zur Zulassung automatisierter Autos zu ebnen. Das ist noch keine endgültige Klärung auf der Ebene des Zulassungsrechts und auch für gänzlich fahrerlose Fahrzeuge müsste das Abkommen noch einmal angepasst werden.

Im deutschen Recht reichen über weite Bereiche bestehende Haftungsregeln aus. Wir haben in Deutschland eine Halterhaftung. Jeder, der bei einem Unfall geschädigt wird, ist dadurch geschützt, dass der Halter des Fahrzeugs unabhängig von der Verschuldensfrage haftet und zudem versichert sein muss. Daneben haftet der Fahrer, wenn er nicht sorgfältig handelt oder der Hersteller bei Produktfehlern. Was bereits absehbar ist, ist, dass wir in automatisierten Fahrzeugen standardisierte Blackboxen haben werden, die bei einem Unfall erfassen, was passiert ist, damit der Unfallhergang sauber rekonstruiert werden kann.

 In der Stadt können Autos noch nicht immer adäquat reagierenWie autonome Autos die Städte verändern 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 49,86€
  2. (-82%) 5,50€
  3. 3,99€
  4. 32,95€

Proctrap 07. Jun 2016

Bis die Baustelle mal net uf'm Navi steht

Proctrap 07. Jun 2016

Ich fürchte du solltest einen Artikel bei Golem zu Thema "welcher Hersteller funkt was...

PiranhA 06. Jun 2016

Das grundsätzliche Problem ist doch, dass Computer sich mit Unsicherheiten schwer tun...

thrust26 04. Jun 2016

Irgendwann wird sie aber soweit sein. Und bis dahin sollte die Gesellschaft die...

Gamma Ray Burst 04. Jun 2016

Ja Unit Tests im Machine Learning stelle ich mir recht spannend vor;-) Aber was er da...


Folgen Sie uns
       


Xiaomi Mi 9 - Hands on (MWC 2019)

Xiaomi bringt das Mi 9 nach Europa. Der Europastart wurde auf dem Mobile World Congress 2019 in Barcelona verkündet. Das Topsmartphone hat eine Triple-Kamera mit bis zu 48 Megapixeln. Es liefert für einen Preis ab 450 Euro eine sehr gute technische Ausstattung.

Xiaomi Mi 9 - Hands on (MWC 2019) Video aufrufen
Security: Vernetzte Autos sicher machen
Security
Vernetzte Autos sicher machen

Moderne Autos sind rollende Computer mit drahtloser Internetverbindung. Je mehr davon auf der Straße herumfahren, desto interessanter werden sie für Hacker. Was tun Hersteller, um Daten der Insassen und Fahrfunktionen zu schützen?
Ein Bericht von Dirk Kunde

  1. Alarmsysteme Sicherheitslücke ermöglicht Übernahme von Autos
  2. Netzwerkanalyse Wireshark 3.0 nutzt Paketsniffer von Nmap
  3. Sicherheit Wie sich "Passwort zurücksetzen" missbrauchen lässt

Uploadfilter: Der Generalangriff auf das Web 2.0
Uploadfilter
Der Generalangriff auf das Web 2.0

Die EU-Urheberrechtsreform könnte Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten stark behindern. Die Verfechter von Uploadfiltern zeigen dabei ein Verständnis des Netzes, das mit der Realität wenig zu tun hat. Statt Lizenzen könnte es einen anderen Ausweg geben.
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Uploadfilter EU-Kommission bezeichnet Reformkritiker als "Mob"
  2. EU-Urheberrecht Die verdorbene Reform
  3. Leistungsschutzrecht und Uploadfilter EU-Unterhändler einigen sich auf Urheberrechtsreform

Google: Stadia tritt gegen Gaming-PCs, Playstation und Xbox an
Google
Stadia tritt gegen Gaming-PCs, Playstation und Xbox an

GDC 2019 Google streamt nicht nur so ein bisschen - stattdessen tritt der Konzern mit Stadia in direkte Konkurrenz zur etablierten Spielebranche. Entwickler können für ihre Games mehr Teraflops verwenden als auf der PS4 Pro und der Xbox One X zusammen.
Von Peter Steinlechner


      •  /