Mercedes-Benz Vision Iconic: Design der 1930er mit der Technik der 2030er
Mit dem Design des Vision Iconic geht Mercedes-Benz weit in die Automobilgeschichte zurück. "Inspiriert von der goldenen Epoche des Automobildesigns der 1930er Jahre, verkörpert dieses Showcar die pure Essenz von Mercedes‑Benz" , sagte Design-Chef Gorden Wagener zur Präsentation der Studie am 14. Oktober 2025 in Shanghai. Während der markante Kühlergrill und die lang gezogene Motorhaube sehr retro wirken, stehen Funktionen wie Neuromorphic Computing, Steer-by-Wire, Solarlack und hochautomatisiertes Fahren nach Level 4 für die Technik der Zukunft.
In den vergangenen Jahren bewies Wagener mit dem Design der Elektroautos kein glückliches Händchen . Zwar sind Modelle wie der EQS und der EQE ( Praxistest ) technisch gute Elektroautos mit hoher Reichweite, doch mit dem auf Aerodynamik getrimmten Design trafen die Stuttgarter offenbar nicht den Geschmack der Kunden.
Überstrapazierter Begriff
Der auf der IAA 2025 in München vorgestellte GLC sollte daher einen Neuanfang darstellen. Der Designfokus liegt dabei auf dem neu gestalteten Kühlergrill(öffnet im neuen Fenster) . Dieser sei von Modellen wie dem W 108(öffnet im neuen Fenster) , dem W 111(öffnet im neuen Fenster) und dem 600 Pullman(öffnet im neuen Fenster) inspiriert worden. Schon bei der Vorstellung des Grills wurde der Begriff ikonisch sehr strapaziert. Das wird durch den Vision Iconic, der das Wort schon im Namen trägt, noch einmal verstärkt.
In der Pressemitteilung taucht der Begriff in verschiedenen Abwandlungen gleich 14 Mal auf – von "ikonischer Ära" über "ikonischer Grill" zu "ikonischem Design" und "Ikone automobiler Schönheit" . Zweifellos lässt der Vision Iconic "Mercedes-Benz aus der Masse der Gleichförmigkeit herausstechen" , wie es in der Pressemitteilung heißt. Doch es ist kaum davon auszugehen, dass die Studie als künftige S-Klasse auf den Markt kommt. Wobei das für China nicht ausgeschlossen werden kann.
Schwebende Glaskonstruktion statt Displays
Das gilt nicht nur für das äußere Design, sondern auch für den Innenraum mit dem auffälligen Vier-Speichen-Lenkrad ohne jedes Bedienelement. Bildschirme sind ebenfalls nicht vorhanden. "Das Herzstück der Instrumententafel ist eine schwebende Glaskonstruktion, der sogenannte Zeppelin – eine skulpturale Form, die ein faszinierendes Innenleben kunstvoll gestalteter Details mit einem raffinierten Zusammenspiel analoger und digitaler Instrumente offenbart" , schreibt Mercedes.
Beim Öffnen der Tür erwache der Zeppelin "mit einer filmreifen, vollständig analogen Animation, die von High-End-Chronographen inspiriert ist, zum Leben" . In der Mitte sei eine der vier Uhren wie das Markenlogo geformt und fungiere als KI-Begleiter. Weitere Designelemente sind Perlmutt-Intarsien hinter dem Zeppelin und in den Türverkleidungen. Der Fahrzeugboden ist mit Strohmarketerie verkleidet. Laut Wikipedia(öffnet im neuen Fenster) ist dies "eine Technik des Kunsthandwerks, bei deren Anwendung eine Oberfläche mit einem Muster aus aufgeschnittenem und geglättetem Stroh bedeckt und dekoriert wird" .
Der auf der Karosserie aufgebrachte Solarlack soll zusätzliche Reichweite generieren.
Solarlack, Level 4 und Steer-by-Wire
Mercedes hatte die Technik bereits im November 2024 vorgestellt(öffnet im neuen Fenster) . Eine Fläche von 11 Quadratmetern, was der Oberfläche eines mittleren SUV entspreche, könnte unter Idealbedingungen Energie für bis zu 12.000 Kilometer im Jahr produzieren.
Ebenfalls wurde damals das Konzept des Neuromorphic Computing vorgestellt. Dieses ahme die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nach und könnte KI-Berechnungen deutlich energieeffizienter und schneller machen. "Sicherheitssysteme könnten beispielsweise Verkehrsschilder, Fahrspuren und andere Verkehrsteilnehmer viel besser erkennen und schneller reagieren, selbst bei schlechten Sichtverhältnissen – und wären zehnmal effizienter als aktuelle Systeme" , heißt es.
ZF liefert Steer-by-Wire
Mit dem Vision Iconic setzt Mercedes-Benz erstmals auf eine rein elektrische Lenkung. Schon im April 2025 hatte das Unternehmen angekündigt, das sogenannte Steer-by-Wire im Jahr 2026 auf den Markt zu bringen . Der Zulieferer ZF rüstet damit bereits Modelle wie den Tesla Cybertruck und den Nio ET9 aus .
Schon serienmäßig verfügt der Vision Iconic über eine automatisierte Fahrfunktion nach Level 2++. Diese vom Fahrer überwachte Punkt-zu-Punkt-Navigation zeigte Mercedes bereits auf der IAA 2025 in einem neuen CLA . Der Vision Iconic soll darüber hinaus ein vollautomatisiertes Fahren nach Level 4 anbieten. Dazu verfügt das Auto über einen ausklappbaren Lidar über der Windschutzscheibe. "Nach dem Auffahren auf die Autobahn und der Aktivierung des Level-4-Systems könnte der Fahrer die Zeit zum Entspannen nutzen, ohne sich überhaupt mit dem Verkehr auseinandersetzen zu müssen. Es wäre sogar möglich und erlaubt, zu schlafen oder es sich beim Streamen eines Videos oder Films gemütlich zu machen" , heißt es.
Vermutlich halten einige der genannten Funktionen erst bis Ende des Jahrzehnts Einzug in die Serienmodelle von Mercedes-Benz. Das Design wirkt polarisierend, allerdings waren auf der IAA vergleichbare Entwürfe wie der Audi Concept C oder der Avatr Vision Xpectra zu sehen. Die Präsentation in Schanghai war daher kein Zufall. Wenn deutsche Hersteller auf diesem Markt künftig noch bestehen wollen, müssen sie wohl sehr ikonische Produkte haben.
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