Mercedes-Benz-COO Schäfer: "Das Heil liegt nicht in 2- oder 7-nm-Chips"

Der Autokonzern Daimler will sich künftig sehr intensiv um die Herstellung und Lieferung von Chips kümmern - angefangen bei den Wafer-Produzenten.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Markus Schäfer gehört seit 2019 dem Vorstand von Daimler an.
Markus Schäfer gehört seit 2019 dem Vorstand von Daimler an. (Bild: Daimler)

Der Autokonzern Daimler setzt bei der Nutzung von Halbleitern künftig nicht nur auf die neuen Generationen von Mikroprozessoren. "Das Heil liegt nicht darin, dass wir alle nur in 2 oder 7 nm gehen. Da werden viele hingehen, die Consumer-Elektronik machen", sagte Daimler-Vorstand Markus Schäfer am Rande der IAA Mobility in der vergangenen Woche in München. "Die Anwendung, die ich im Smartphone habe und eine, die ich im Fahrzeug habe, die von minus 25 Grad bis plus 80 Grad und auch unter physischer Belastung arbeiten muss, ist schon eine andere Anforderung", sagte Schäfer, der auch COO der Daimler-Tochter Mercedes-Benz Cars ist.

Inhalt:
  1. Mercedes-Benz-COO Schäfer: "Das Heil liegt nicht in 2- oder 7-nm-Chips"
  2. Eigenes OS lässt sich schneller ändern

Ebenso wie die meisten anderen Hersteller musste Daimler wegen der Halbleiterknappheit die Autoproduktion teilweise drosseln. Daher will sich das Unternehmen künftig intensiver um die Produktion kümmern. "Wir werden sehr viel tiefer in die Chipkette hineingehen, indem wir intensivste Gespräche und Kontakte direkt mit den Chipherstellern haben. Bis hin zum Wafer-Hersteller, mit dem wir persönlich in Kontakt sind", sagte Schäfer im Gespräch mit Journalisten. Das Unternehmen werde sich vom Wafer her gedacht genau überlegen, welche Wafer und welche Chips in welcher Ausprägung benötigt würden, das reiche von 2 nm bis hin zu 180 nm.

Kapazitäten vorhanden

Nach Ansicht Schäfers gibt es derzeit "viele, viele Kapazitäten weltweit" für die Nachfrage der Autoindustrie. Das habe sich in Gesprächen mit TSMC oder Global Foundries gezeigt. Diese Kapazitäten würden auch für andere Größen als die neue Chip-Generation erweitert. "Für welche Anwendung im Fahrzeug welche Chipgeneration genutzt wird, muss sehr intensiv mit der gesamten Lieferkette besprochen werden, bis hin zum Wafer-Hersteller, um genau diese Verfügbarkeit am Ende abzusichern", sagte Schäfer. Das sei auch eine Kostenfrage für die einzelnen Chipgenerationen.

Nach Ansicht Schäfers gehören Chips ebenso wie Batteriezellen zu "erfolgskritischen Komponenten für die Zukunft". Während sich bestimmte Autokomponenten kaum veränderten, werde das bei anderen stark der Fall sein. "Insofern werden wir, was Design, Bezugsquellen, Lieferbeziehungen, Lagerhaltung, Backup-Systeme angeht, deutlich anders denken für diese Elemente, die genau diese Kriterien erfüllen", sagte Schäfer. Dadurch würden sich auch die klassischen Lieferbeziehungen mit großen Anbietern wie Bosch oder Continental verändern.

Eigenes Betriebssystem erforderlich

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Schäfer verteidigte die Pläne des Unternehmens, mit MB.OS ein eigenes Betriebssystem entwickeln zu wollen: "Das ist unser Weg, den wir gewählt haben. Wir haben Partnerschaften geprüft, und am Ende haben wir die Partnerschaften gewählt, die uns die höchste Geschwindigkeit und auch den größten technologischen Fortschritt versprechen." Nach der anstehenden Zertifizierung des Staupiloten in Automatisierungsstufe 3 arbeite Daimler mit dem Grafikkartenhersteller Nvidia bereits an der "nächsten, sehr ambitionierten Ausbaustufe".

"Dazu braucht es ein Betriebssystem und einen leistungsfähigen Rechner", sagte Schäfer. "Wir standardisieren die Hardware in diesem System, die wir selbst bestimmen." Für die Erstellung der Software wollen die Entwickler auf bestehende Software-Stacks zurückgreifen.Es sei ein "Irrglaube, dass jede Code-Zeile neu geschrieben wird. Es wird sehr viel adaptiert werden. Es werden auch viele Open-Software-Teile genutzt werden, die verfügbar sind", sagte der Daimler-Vorstand.

Die geplante Standardisierung betreffe auch die Software.

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Eigenes OS lässt sich schneller ändern 
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Trollversteher 20. Sep 2021 / Themenstart

Vor allem Maschinenbauer wissen, dass man sich permanent anpassen muss - und IT-Leute...

schnedan 18. Sep 2021 / Themenstart

"Noch besser wäre eine ... Plattform " Genau das hat man ja davor gemacht... nennt sich...

pica 18. Sep 2021 / Themenstart

Die adaptive Autosar Stacks von Vector und EB laufen in der Regel unter Linux. Gut EB und...

schnedan 18. Sep 2021 / Themenstart

"Mir wäre es lieber, das würde von Grund auf neu gestrickt. Sich von überall her Teile...

Krulle 18. Sep 2021 / Themenstart

MB.os basiert auf linux und Qt. Was soll daran schlecht sein? Irgendein os wird benötigt...

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