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Reichweite zu groß für den Hunger

Auf der 650 km langen Route schlug der CLA eine Ladepause von nur acht Minuten vor. Dabei zeigte sich jedoch ein Problem, das wir in der elektrischen Mittelklasse bislang nicht kannten: Bis zur Ladepause waren es 400 km oder rund vier Stunden Fahrtzeit. Das war weiter, als wir bis zur ersten Pause fahren wollten.

Das bedeutet: Bei neueren E-Autos wie dem CLA oder iX3 muss man sich nicht mehr nach den vorgeschlagenen Ladestopps richten. Stattdessen ist es sinnvoller, dort eine gute Lademöglichkeit zu finden, wie es die Blase, der Hunger oder die Konzentration diktieren. Doch darauf ist die aktuelle Software von Mercedes mit integriertem Chatbot noch nicht eingerichtet.

Nervig ist zum einen, dass Mercedes die Ladestopps erst nach zweimaligem Klicken auf dem Zentraldisplay anzeigt. Erst dann lässt sich ein Ladestopp durch eine andere Station ersetzen. Schon beim Test in Dänemark fiel uns auf, dass nach dem erneuten Berechnen der Route fast immer der ursprüngliche Ladestopp wieder auftauchte. Daher haben wir den virtuellen Assistenten konkret nach Ladestationen von Ionity auf der Route gefragt.

Ladeleistung bricht bei Aral unerwartet ein

Das ging ziemlich schief. Das System plante nach unserer Anfrage auf der Strecke von Frankfurt am Main nach Berlin einen Ladestopp in Aachen ein. Meist wurden nur Ladestopps am aktuellen Standort oder am Ziel angezeigt. Eine solche Funktionalität wäre jedoch sinnvoll. Das gilt nicht nur für Ionity, sondern auch für andere Anbieter wie EnBW.

Denn nicht bei allen Ladenetzbetreibern kann man sich darauf verlassen, dass die versprochenen 350 oder 400 kW der Ladesäule tatsächlich geliefert werden. Bei Aral Pulse in Wiesbaden(öffnet im neuen Fenster) startete ein Ladevorgang zunächst vielversprechend mit 270 kW, um dann plötzlich auf 136 kW einzubrechen. Der Grund: Ein anderes E-Auto hatte sich an einer weiteren Ladesäule angeschlossen. Wenn für sechs Ladepunkte zusammen aber nur 400 kW vorgesehen sind, bringt es wenig, mit einem CLA eine solche Station anzufahren.

320 kW wurden nicht erreicht

Die von Mercedes versprochenen 320 kW wurden bei keinem unserer Ladevorgänge erzielt. Zwar zeigte das System bei einem Ladestand von 14 Prozent eine maximale Ladeleistung von 350 kW an. Erreicht wurden mit vortemperiertem Akku an der Ionity-Säule, die für 350 kW ausgelegt war, jedoch nur 272 kW. Möglicherweise muss der Ladestand noch niedriger sein, um eine höhere Leistung zu erzielen.

Der Ladevorgang von 14 auf 71 Prozent dauerte 16 Minuten. Die geladene Energie von 55 kWh entspricht einer durchschnittlichen Ladeleistung von 206 kW und einer Reichweite von fast 350 km, was ein sehr guter Wert bei einem 85-kWh-Akku ist. Ein von uns befragter Besitzer eines CLA 250+, der an derselben Station lud, bestätigte unsere Erfahrung. Ladeleistungen von mehr als 300 kW seien zwar möglich, aber selten.

Auf Nachfrage teilte ein Sprecher von Mercedes mit: "Die maximale Ladeleistung wird im Fahrzeug von verschiedensten Faktoren beeinflusst, darunter Außentemperatur, Ladezustand der Batterie, Vortemperierung. Die maximal mögliche Ladeleistung wird auf Basis dieser Faktoren im Fahrzeug angezeigt. Beschränkt werden kann diese maximale Ladeleistung aber auch durch Faktoren im Bereich der Ladeinfrastruktur – dazu können wir uns aber nicht äußern."

Bei der Routenplanung haben uns weitere Dinge nicht gefallen.


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