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Schleusungskriminalität: Großbritannien setzt Drohnen zur Grenzüberwachung ein

Die britische Regierung nutzt Drohnen zur Bekämpfung illegaler Einwanderung, auch Schiffbrüchige werden damit aufgespürt.
/ Andreas Donath
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Tekever AR 5 (Bild: Tekever/Bildbearbeitung: Golem.de)
Tekever AR 5 Bild: Tekever/Bildbearbeitung: Golem.de

Die britische Regierung setzt nach einem Bericht von Bloomberg auf Drohnen, um sogenannte Schleuser zu überführen, die Geflüchtete mit kleinen Booten von Europa aus über den Ärmelkanal bringen.

Im Juli 2020 fuhr der Iraker Rebwar A. nach dem Bericht von Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) ein Schlauchboot mit 20 Personen über den Ärmelkanal, wurde aber von der britischen Grenzpolizei aufgegriffen und später zu einer Haftstrafe von 31 Monaten verurteilt, nachdem er zugab, bei der illegalen Einwanderung geholfen zu haben.

Das entscheidende Beweismittel gegen ihn war eine Drohne, die ihn als Schleuser identifizierte. Seit Ende 2019 nutzt die britische Regierung Drohnen des portugiesischen Unternehmens Tekever(öffnet im neuen Fenster) , um den Ärmelkanal zu überwachen. Tekever liefert Livestream-Videoaufnahmen, die der Strafverfolgungsbehörde helfen, zwischen Passagieren und Schleusern zu unterscheiden. Nach Angaben des Innenministeriums hat dies zu "Dutzenden von" Verurteilungen von Schleppern geführt, wie Bloomberg berichtet.

Die Tekever AR 5 misst etwa 7,3 x 4 Meter und fliegt mit einer Reisegeschwindigkeit von 100 km/h. Das maximale Startgewicht liegt bei 180 kg, wobei eine Nutzlast von 50 kg mitgeführt werden kann. Die Drohne kann 20 Stunden in der Luft bleiben und diverse Sensoren bis hin zu einem Synthetic Aperture Radar(öffnet im neuen Fenster) mitführen, um auch kleine Strukturen aufzuklären.

Ein Emergency Position Indicating Radiobeacon, kurz Epirb, setzt bei Bedarf einen Notruf auf der internationalen Notruffrequenz 406 Megahertz ab und alarmiert über Satellit die Rettungskette. Zusätzlich kann ein AIS-Signal gesendet werden, mit dem sich Schiffe in der Nähe alarmieren lassen.

Drohnen dokumentieren Überfahrt von 84.000 Migranten

Die unbemannten Luftfahrzeuge hätten in den letzten drei Jahren die Überfahrt von 84.000 Personen dokumentiert, die den Ärmelkanal überquerten und in Großbritannien registriert wurden, so das Innenministerium. Die Zahlen haben jedes Jahr zugenommen, obwohl die zusätzliche Überwachung erfolgte.

In einigen Fällen konnten die Drohnen Schiffbrüchige ausmachen und der Küstenwache Daten liefern, in Seenot geratene Personen zu retten, heißt es in dem Artikel. Die britische Regierung habe den Vertrag mit Tekever dem Bericht nach um mehrere Jahre verlängert.

Die Verwendung von Drohnen zur Überwachung von Grenzen und zur Bekämpfung illegaler Einwanderung hat Kritik ausgelöst. Petra Molnar, stellvertretende Direktorin des Refugee Law Lab, sagte Bloomberg, dass eine verstärkte Grenzüberwachung dazu führen könnte, dass Geflüchtete gefährlichere Routen wählen, um der Entdeckung zu entgehen, was potenziell zu mehr Opfern führen könnte.


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