Mendix-CTO Johan den Haan: "Der durchschnittliche Entwickler ist kein Experte"

Low Code wird von den traditionellsten unter den IT-Profis gern belächelt. Der Mendix-CTO Johan den Haan sieht dort aber die Zukunft.

Ein Interview von veröffentlicht am
Low Code kann auch weniger erfahrenen Entwicklern bei der Lösungsfindung helfen.
Low Code kann auch weniger erfahrenen Entwicklern bei der Lösungsfindung helfen. (Bild: Pixabay.com/Montage: Golem.de)

Wenn manche Entwickler und IT-Profis an Low Code denken, wäre ihr erster Gedanke wohl der an Spielzeug, Excel-Makros oder das Programmieren in Schulen. Dass sich die Technik zu einem wichtigen Element in der IT-Branche entwickelt, wird eher weniger wahrgenommen. Denn man stelle sich vor, eine Aushilfe oder eine Nicht-IT-Person entwickelt auf einmal Apps und Programme. Wo werden dann noch professionelle Entwickler gebraucht? Wo kämen wir da hin?

Inhalt:
  1. Mendix-CTO Johan den Haan: "Der durchschnittliche Entwickler ist kein Experte"
  2. Low Code funktioniert nicht überall

Johan den Haan, CTO der Siemens-Tochter und des auf Low Code spezialisierten Unternehmens Mendix, sieht diese für einige Developer sicherlich dystopische Zukunft nicht. Für ihn ist Low Code eine Hilfestellung - ein Mittel, um den wachsenden Drang nach immer mehr Software auf der Welt zu befriedigen.

"Wenn man sich die Menge an Software anschaut, die wir in der Welt brauchen: Nächstes Jahr wird es laut einer Statistik von Gartner bereits fünfmal mehr Bedarf geben, als es professionelle Entwickler auf der Welt gibt", sagt der Niederländer im Interview mit Golem.de. "Hard-Coding wird immer existieren, daran glaube ich fest. Ich bin auch selbst im Herzen Programmierer und hoffe darauf, dass wir das Handwerk des Programmierens weiterhin wertschätzen werden."

Ein Programm aus Code-Bausteinen

Es wird allerdings zu Veränderungen kommen, dessen ist sich den Haan auch bewusst. "Es wird Dinge geben, die von Low-Code-Plattformen übernommen werden. Bei anderen Dingen wird uns etwa KI helfen können", sagt den Haan. Als Beispiel nennt er bereits existierende Systeme, die Codeschnipsel von Plattformen wie Stackoverflow durchsuchen und für diverse Problemlösungen vorschlagen.

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Unternehmen wie Mendix entwickeln Low-Code-Plattformen als Entwicklungsumgebungen für diverse Anwendungsgebiete. Der Ansatz ist dabei immer recht ähnlich: dem Menschen eine möglichst einfach verständliche und flexible Art der Programmierung zu geben. Teilweise können so auch Experten außerhalb der Informatik ihre eigenen Apps und Anwendungen erstellen, indem sie logische Blöcke mit eigenen Daten beliefern und diese zusammenfügen.

Mit Lego die Logik der Programmierung erklären

Wie eingangs erwähnt, wird Low- und vor allem No Code gerne im Bereich der technischen Schulbildung von Kindern genutzt. Die in Blöcken zusammengefassten Sequenzen wie Schleifen, Verzweigungen und Anweisungen werden in einem Editor per Drag-and-Drop zusammengesteckt.

Unternehmen wie Lego nutzen ein solches Blocksystem bereits seit dem ersten Mindstorms-Roboterset von 1998. Die aktuelle Serie Lego Boost nutzt den Haan auch selbst gern. "Ich mag das wirklich sehr", sagt er.

Mit solchen Produkten konnte er etwa auch einem seiner Kinder das logische Prinzip von Schleifen beibringen. "Warum 20 Blöcke hintereinander verwenden, wenn man stattdessen eine Schleife nutzen kann?" Für ihn ist das logische Verständnis, welches der Softwareentwicklung zugunde liegt, der wichtigste Punkt zum Lernen.

Handbuch für Softwareentwickler: Das Standardwerk für professionelles Software Engineering

"Wir sollten uns darauf fokussieren, mehr Entwickler zu bekommen und mehr staatliche Programme zu starten, um mehr Kinder für Programmierung zu begeistern", sagt den Haan. "Das unterstütze ich komplett und ich lehre meinen Kindern daher auch, wie man programmiert".

Er ist trotzdem der Meinung, dass Low Code in vier von fünf Softwareprojekten eingesetzt werden wird. Durch den rasanten Bedarf an Applikationen wird es aber auch für Programmierexperten, die auf das händische Programmieren von null auf schwören, weiterhin viel Arbeit geben.

Es wäre dabei nicht verwunderlich, wenn auch sehr traditionell denkende Entwickler irgendwann zumindest teilweise Low-Code-Anwendungen verwenden - sei es nur, um die Grundlagen für eine Datenbank automatisch zu generieren oder eine GUI für die eigene Webapplikation zu entwickeln.

So einfach wie Klick und los ist es für den Mendix-CTO aber dann doch nicht. Bei falscher Anwendung kann Low Code auch zur Falle werden.

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Low Code funktioniert nicht überall 
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berritorre 07. Jul 2021

Naja, das ist ja für andere nicht anders. Keiner kann mit allen gleich gut. Und wenn...

.02 Cents 06. Jul 2021

Ich würde das mal so klassifizieren: Wenn irgendwelche Komponenten einen Entwickler...

HideAndSeek 06. Jul 2021

Ich arbeite ziemlich viel mit der Low/No-Code Plattform von Microsoft (Power Platform...

peddy_hh 05. Jul 2021

ich glaube er meinte eher so Leute, die Anfang / Mitte der 80er auf den ersten...



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