Meltdown und Spectre: NSA will nichts von Prozessor-Schwachstelle gewusst haben

Der US-Geheimdienst NSA hat Meltdown und Spectre nach amerikanischen Regierungsangaben nicht gekannt und auch nicht ausgenutzt. Vor einigen Tagen wurden massive Sicherheitslücken in Prozessoren bekannt, die bereits im Juni 2017 von Googles Project-Zero-Team entdeckt wurden , aber extra mehrere Monate geheim gehalten wurden.
NSA hätte Intel keinem hohen Risiko ausgesetzt
"Die NSA wusste nicht von der Schwachstelle, hat sie nicht ausgenutzt und freilich würde die US-Regierung nie ein großes Unternehmen wie Intel einem Risiko aussetzen, um eine Angriffsfläche offenzuhalten" , sagte der Cybersicherheitskoordinator im Weißen Haus, Rob Joyce, der Washington Post(öffnet im neuen Fenster) . Joyce führte einst selbst die NSA-Abteilung, die auf das Eindringen in Computersysteme spezialisiert ist.
Durch die vor einigen Tagen bekanntgewordenen Sicherheitslücken können zumindest theoretisch auf breiter Front Daten abgeschöpft werden. Die Schwachstelle steckt in einem branchenweit angewendeten Verfahren, das die Prozessoren schneller machen sollte. Deswegen sind Prozessoren verschiedenster Hersteller betroffen. Forscher demonstrierten, dass es möglich ist, sich Zugang zum Beispiel zu Passwörtern, Krypto-Schlüsseln oder Informationen aus Programmen zu verschaffen. Bisher sind keine Schadprogramme bekanntgeworden, die die Sicherheitslücken ausnutzen.
IT-Branche ist mit Beseitigung der Sicherheitslücken beschäftigt
Für einen Geheimdienst wäre die Angriffsmethode umso wertvoller, da sie keine Spuren hinterlassen würden. Die NSA ist für ausufernde Ausspäh-Aktivitäten rund um die Welt berüchtigt, spätestens seit ihr Ex-Mitarbeiter Edward Snowden im Jahr 2013 geheime Programme offengelegt hatte.
Die großen Computerfirmen sind gerade dabei, die seit Jahren bestehenden Sicherheitslücken in den Computerchips so gut es geht, mit Software-Aktualisierungen zu beseitigen. Komplett kann man das Problem nach Ansicht von Experten aber nur durch einen Austausch der Prozessoren beheben.
Erste Klagen gegen Intel eingereicht
Der Prozessorhersteller Intel sieht sich ersten Klagen von US-Verbrauchern ausgesetzt. Die Kunden argumentieren mit Blick auf die entdeckte Schwachstelle, dass ihnen schadhafte Chips verkauft wurden und fordern Wiedergutmachung. Drei Klagen sind bislang in den Bundesstaaten Kalifornien, Indiana und Oregon eingereicht worden. Die Kläger streben den Status von Sammelklagen an, denen sich weitere Verbraucher anschließen können.
Forscher machten bei der Sicherheitslücke zwei Angriffsszenarien aus: Mit Meltdown können Daten aus dem Betriebssystem abgegriffen werden, mit Spectre aus anderen Programmen. Einige der Kläger argumentieren, dass Meltdown bisher nur auf Intel-Prozessoren nachgewiesen wurde.
Sie verweisen darauf, dass Intel bereits seit Monaten über die Schwachstelle Bescheid wusste, und argumentieren, dass sie sich keinen Computer mit Intel-Prozessor gekauft oder weniger dafür bezahlt hätten, wenn diese Informationen öffentlich gewesen wären. Die Forscher und die Unternehmen hatten die Offenlegung der Sicherheitslücken über mehreren Monate zurückgehalten, um in dieser Zeit Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Intel will innerhalb einer Woche 90 Prozent seiner Prozessoren mit einem Update versorgen , so dass die Sicherheitslücken Meltdown und Spectre nicht länger ausgenutzt werden können. Das setzt voraus, dass Anwender die Patches unverzüglich einspielen, um die Sicherheitslücken zu beseitigen.



