Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Mehr Netto vom Brutto?: Welche IT-Berufe von der Steuerreform profitieren

Vor allem Senior-Angestellte und Führungskräfte verdienen in der IT so viel, dass sie nach der Steuerreform wahrscheinlich eher mehr Geld bezahlen werden.
/ Oliver Nickel
47 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die Steuererleichterungen sollen vor allem mittlere Einkommen entlasten. (Bild: Pixabay.com)
Die Steuererleichterungen sollen vor allem mittlere Einkommen entlasten. Bild: Pixabay.com

Die Bundesregierung hat sich auf eine neue Einkommenssteuerreform geeinigt, die ab dem 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Damit sollen insbesondere mittlere und geringe Einkommen entlastet werden. Das sind vor allem Jahresgehälter zwischen etwa 20.000 und 100.000 Euro.

Viele IT-Jobs liegen in diesem Bereich. Einige Menschen werden aber künftig mehr Geld bezahlen müssen, da vor allem Manager und Team-Leader in der IT oft weit mehr als 100.000 Euro verdienen.

Das Modell sieht laut Aussagen der Regierung(öffnet im neuen Fenster) vor, etwa ein verheiratetes Paar mit zwei Kindern und einem zu versteuernden Gesamteinkommen von 60.000 Euro um 600 Euro pro Jahr zu entlasten.

Das ist merklich weniger als in ersten Modellberechnungen dargestellt, die das Magazin Der Spiegel(öffnet im neuen Fenster) auf Basis von Vorabzahlen erstellt hatte. Diese sahen bei 60.000 Euro und zwei Kindern bis zu 850 Euro Einsparung vor.

Die meisten sparen voraussichtlich 300 Euro pro Jahr

Wichtig ist auch: Die Maßnahmen schließen erst einmal eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes aus. Der greift momentan bei einem Jahresgehalt von etwa 70.000 Euro und mehr und liegt bei 42 Prozent. Gerade ITler in Senior-Rollen müssen also in der Regel nicht mehr Geld bezahlen. Erst ab einem Jahresgehalt von 250.000 Euro sollen neue Regelungen für eine Reichensteuer greifen. Hier gilt dann ein Steuersatz von 45 Prozent.

Nehmen wir die ersten Zahlen des Spiegels als Grundlage und verrechnen die von der Bundesregierung angegebene Beispielangabe damit, fällt die Steuerentlastung um etwa 29 Prozent geringer aus, als der ursprüngliche Plan vorsah. Das ergibt trotzdem teils signifikante Geldbeträge für IT-Jobs, wie diese Tabelle zeigt.

Menschen mit einem Einkommen von unter 40.000 Euro werden jährlich weniger Geld pro Jahr einsparen können, obwohl diese Einkommen das Geld sicher am meisten gebrauchen können. Die meisten IT-Berufe liegen allerdings eher auf überdurchschnittlichem Niveau. Laut dem Statistischen Bundesamt(öffnet im neuen Fenster) lag der Durchschnitt bei 54.066 Euro brutto im Jahr.

Für die Berechnung haben wir uns einige der verbreitetsten IT-Berufe angeschaut und ihre oberen Durchschnittsgehaltsgrenzen von den Plattformen Kununu und Glassdoor verglichen. IT-Berufsbezeichnungen können wir unter anderem dem Register der Golem-Karrierewelt entnehmen. Die Berechnungen beruhen zudem nur auf Schätzungen der Medien und können final anders ausfallen, da die Regierung bisher keine offiziellen Zahlen zu genauen Prozentsätzen und Grenzen genannt hat.

Zahlen Manager drauf?

Angestellte der meisten Stellen, etwa Ausbildungsberufe im IT-Bereich, Senior-Softwareentwickler und Full-Stack-Engineers, dürften mit einer Jahreseinsparung von etwa 300 Euro am meisten profitieren. Allerdings müssten Führungspersonen, die mehr als etwa 110.000 Euro im Jahr verdienen, und das dürfte die überwiegende Mehrheit sein, nach der Steuerreform teilweise mehr Geld bezahlen.

Angestellte in sehr gut bezahlten Jobs, wie etwa Cloud-Solution-Architects, könnten zum Beispiel über 300 Euro pro Jahr mehr Steuern zahlen. Allerdings gingen die von Spiegel genannten Zahlen von einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 44 Prozent aus, was die Regierung laut eigenen Aussagen nicht durchsetzen will. Deshalb werden die tatsächlichen Verluste wohl geringer ausfallen.

Dabei ist zu beachten: Die Steuerregelungen werden auf den gesamten Haushalt angewendet. Verdienen beide Lebenspartner viel Geld, müssen sie insgesamt auch mehr Geld an den Staat abgeben. Allerdings werden die meisten Familien im Vergleich zu Single-Haushalten eher mehr Geld sparen können.


Relevante Themen