Mehr als Gesichtserkennung: Chinas Polizei bekommt automatisierte Warnungen von Kameras

Die chinesische Polizei ist offenbar dazu in der Lage, automatisierte Warnungen von Überwachungskameras im öffentlichen Raum zu einer Fülle unterschiedlicher Vorkommnisse zu erhalten, die die Überwachungskameras aufnehmen. Dazu gehören unter anderem verschiedene Protestformen. Das berichtet der britische Guardian(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf technische Dokumente des Herstellers Hikvision.
Zu den Ereignissen, die die Warnungen auslösen, welche die Polizei letztlich erhält, gehören laut dem Bericht unter anderem die "Versammlung von Menschenmengen zur Störung der öffentlichen Ordnung" , "ungesetzliche Versammlungen, Aufzüge, Demonstrationen" sowie die Möglichkeit einer "Unterschriftensammlung" . Der Guardian zählt insgesamt neun unterschiedliche Protestformen auf, die erkannt werden können.
Hinzu kommen Hinweise auf religiöse Aktivitäten im Allgemeinen sowie auch im Speziellen auf die in China unterdrückte und verfolgte Falun-Gong-Bewegung. Ebenfalls erkannt werden können verbotene Praktiken wie "Glücksspiele" , die "Verletzung von Eigentumsrechten" , "Diebstähle" , "Pornografie" sowie "Brandgefahren" .
Breit aufgestellte Möglichkeiten der Analyse
Details zur genauen technischen Umsetzung der Warnungen – also etwa, wie die Ereignisse erkannt und die Warnungen dann erzeugt und weitergeleitet werden – sind dem Bericht zufolge derzeit nicht bekannt. Allerdings ist bekannt, dass die Kameras von Hikvision unter anderem auf Gesichtserkennung setzen und so auch Individuen anhand ihres politischen Status, Religion, Ethnie, Alter sowie physischer Beschreibungen des Körpers oder der Kleidung und Weiterem verfolgt werden können.
Hikvision setzt dabei offenbar auch auf die Erkennung bestimmter Verhaltensweisen. In einer Schule in China wurden die Systeme von Hikvision etwa genutzt, um zu erkennen, ob sich Schüler langweilen . Dass der Anbieter also angibt, auch darüber hinausgehende Verhaltensweisen wie etwa Protestformen oder Ähnliches zu erkennen, erscheint nur folgerichtig.
Der Hersteller Hikvision steht wegen der Fähigkeiten seiner Geräte und der Nutzung dieser durch chinesische Behörden seit Längerem in der Kritik. So versuchten bereits im Jahr 2019 US-Behörden, Geräte des Herstellers zu entfernen , seit 2021 wird der Hersteller in den USA als Sicherheitsrisiko eingestuft , und seit einigen Wochen ist der Import und Verkauf der Geräte in den USA verboten(öffnet im neuen Fenster) .
In Deutschland und Europa sind die Geräte des Herstellers dagegen weiterhin verfügbar. Eine grundsätzliche politische Ablehnung zum Einsatz von Überwachungskameras wie in China gibt es in Europa außerdem ebenfalls nicht. So wollen etwa die EU-Mitgliedstaaten den Einsatz biometrischer Erkennungssysteme in Überwachungskameras erlauben .