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Meereskartierung: Chinas stille Unterwasser-Aufrüstung

China kartiert das Meer um Taiwan, Guam und die Malakka-Straße, was die Grundlage für U-Boot-Kriegführung gegen die USA und ihre Verbündeten sein könnte.
/ Michael Linden
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Dong Fang Hong 3 (Bild: Ocean University of China)
Dong Fang Hong 3 Bild: Ocean University of China

China scheint derzeit eine der detailliertesten Karten der Weltmeere zusammenzustellen, die je von einer einzelnen Nation erarbeitet wurden. Gestützt wird die Initiative durch Forschungsschiffe und Unterwassersensoren – verteilt über einige der strategisch heikelsten Gewässer der Erde, berichtet die Japanese Times(öffnet im neuen Fenster)

Im Mittelpunkt steht die Dong Fang Hong 3(öffnet im neuen Fenster) , ein Forschungsschiff der Ocean University of China. Schiffs-Trackingdaten zeigen, dass das Schiff in den Jahren 2024 und 2025 wiederholt in Gewässern nahe Taiwan und dem US-Territorium Guam sowie durch Teile des Indischen Ozeans kreuzte.

Im Oktober 2024 steuerte die Dong Fang Hong 3 ein Gebiet nahe Japan an, wo China Sensoren zur Erkennung von Unterwasser-Objekten platzierte – und kehrte im Mai desselben Jahres dorthin zurück. Im März 2025 durchquerte das Schiff die Gewässer zwischen Sri Lanka und Indonesien – direkt auf die Malakka-Straße zu, eine der meistbefahrenen und kritischsten Seeverbindungen der Welt.

Die Ocean University of China(öffnet im neuen Fenster) nennt als Grund für die Fahrten die Entnahme von Sedimentproben und Klimaforschung. Ein wissenschaftliches Paper, an dem Universitätsmitarbeiter beteiligt waren, deute jedoch darauf hin, dass das Schiff auch umfangreiche Tiefseekartierungen in diesen Regionen durchgeführt haben soll, heißt es in der Japanese Times.

Was gesammelt wird – und warum es für den U-Boot-Krieg entscheidend ist

Experten für Seekriegsführung und Offiziere der US-Marine betonen, dass die erhobenen Daten weit über wissenschaftliche Neugier hinausgehen. Tiefseekartierungen – kombiniert mit fest installierten Unterwassersensoren – liefern einer Marine präzise Kenntnisse über das Meeresbodenrelief, Wassertemperaturschichten und akustische Bedingungen. Diese Umweltdaten gelten als unverzichtbar für den effektiven Einsatz von U-Booten: Wer weiß, wie sich Schall in einem bestimmten Gewässer ausbreitet, kann leiser operieren, der Entdeckung besser ausweichen und feindliche U-Boote gezielter aufspüren.

China ist damit nicht das erste Land, das diese Art von Unterwasser-Aufklärung betreibt. Die USA und die Sowjetunion investierten während des Kalten Krieges massiv in Meeresüberwachung und legten Sensornetze wie das Sound Surveillance System(öffnet im neuen Fenster) der US-Marine auf dem Atlantik- und Pazifikboden aus. China scheint nun eine vergleichbare Fähigkeit anzustreben.

Die Gewässer nahe Guam, Taiwan und der Malakka-Straße sind genau jenes Terrain, das in einer militärische Auseinandersetzung im Indo-Pazifik eine zentrale Rolle spielen würde. Jeder dieser Orte liegt an potenziellen Konfliktkorridoren oder Versorgungsrouten, die beide Seiten entweder kontrollieren oder sperren müssten.

Was das chinesische Programm besonders bemerkenswert macht, ist sein offensichtliches Ausmaß und Tempo. Die Dong Fang Hong 3 ist nur eines von mehreren Schiffen, die Forscher und Analysten als Teil von Chinas Datenerfassungsprogramm identifiziert haben.


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