Medizintechnik: China implantiert kommerzielles Gehirn-Interface
Chinesische Medien(öffnet im neuen Fenster) berichten über den weltweit ersten erfolgreichen chirurgischen Einsatz eines kommerziellen Gehirn-Computer-Interfaces (BCI). Die Operation fand demnach am Montag, dem 13. Juli, im Huashan-Hospital der Fudan-Universität in Shanghai statt, wie die Wissenschafts- und Technologiekommission von Shanghai am 15. Juli mitteilte. Das Neurotechnologie-Unternehmen Neuracle(öffnet im neuen Fenster), auch bekannt unter dem Namen Borui Kang Medical Technology, hat das Implantat bei einem Patienten eingesetzt, der vor zehn Jahren bei einem Autounfall die Bewegungsfähigkeit seiner Hand verlor.
Das implantierte System trägt den Namen NEO, was für Neural Electronic Opportunity steht. Die münzgroße Hardware verfügt über acht Elektroden. Im Gegensatz zu intrakortikalen Systemen dringen die Elektroden von NEO nicht in das Gehirngewebe ein. Chirurgen platzierten das Gerät epidural direkt auf der Dura Mater, der schützenden äußeren Hirnhaut. Dort zeichnet es elektrische Signale auf, die entstehen, wenn sich der Patient die Bewegung seiner Hand vorstellt. Ein Computer übersetzt diese Signale in Steuerungsbefehle für einen Roboterhandschuh, den der Patient trägt.
Sichereres Design beschleunigt Zulassung
Da das System nicht in das Hirngewebe eindringe, gelte es als risikoärmer als Konkurrenzprodukte, erklärte ein Neurowissenschaftler der University of Technology Sydney im MIT Technology Review(öffnet im neuen Fenster). Dies begünstigte die Zulassung durch Chinas nationale Behörde für Medizinprodukte im März. Damit liegt das erste invasive BCI vor, das die Freigabe einer nationalen Behörde für den kommerziellen Markt erhielt.
Damit verschärft Neuracle den Wettbewerb mit Neuralink von Elon Musk. Neuralink setzte im Jahr 2024 ein Implantat ein, verfügt jedoch noch nicht über die Zulassung der US-Behörde FDA für den kommerziellen Markt. Laut Neuralink befinden sich derzeit 21 Personen in klinischen Studien.
Fokus im nationalen Fünfjahresplan
Während Neuracle auf ein epidurales Implantat setzt, nutzen andere Firmen nicht-invasive Ansätze. Meta präsentierte jüngst Brain2Qwerty(öffnet im neuen Fenster), das Gehirnaktivitäten mittels eines großen Sprachmodells in Text übersetzt, um ALS-Patienten zu helfen. Das chinesische Unternehmen Brainco entwickelte eine bionische Handprothese, die mit künstlicher Intelligenz und Elektromyografie arbeitet.
China investiert stark in Gehirn-Computer-Schnittstellen. Die Technologie gehört neben Quantencomputern, KI-Robotern und Kernfusion zu den Kernprioritäten des aktuellen nationalen Fünfjahresplans.