Medientage München: Spotify führt zu weniger Radiohörern

Der Einfluss von Audio- und Streamingdiensten wie Spotify oder Amazon auf junge Hörfunkhörer ist immens. Das sagte Helen Boaden, die scheidende Direktorin von BBC Radio und Präsidentin der European Digital Radio Alliance (EDRA), auf den Medientagen München(öffnet im neuen Fenster) . Die Nutzungsdauer dieser Angebote steige zu Hause stark an und könne sogar dem klassischen Radiohören im Auto zunehmend Konkurrenz machen, berichtete Boaden.
Laut einer BBC-Studie würden 48 Prozent der Hörer zwischen 15 und 24 Jahren ihre Hörgewohnheiten im Auto verändern, wenn sich das Smartphone schnurlos mit dem Auto verbinden ließe. Hier bestehe Handlungsbedarf, denn "wenn die Jungen die Verbindung zum Radio verlieren, wird es schwer, sie wieder zurückzugewinnen" , sagte Boaden.
Neue Technik soll helfen
Hörfunk müsse auf allen Plattformen und Social-Media-Seiten im Internet vertreten sein, denn das steigere die Chancen, von Hörern live und on Demand gehört zu werden. Relevant seien auch Videoplattformen, denn visueller Content steigere die Reichweite, auch bei der älteren Zielgruppe. Der Videocontent müsse jedoch kurz und teilbar sein, also als Inhalt für sich und auf allen anderen Plattformen "funktionieren" , so dass Videos häufig geteilt werden könnten. Zusätzlich setzt die BBC auf Apps, die für Hörer zum Beispiel ein personalisiertes Radioprogramm zusammenstellen.
Private Radios wollen Geld von Rundfunkgebühr für DAB+-Umstellung
Positiv seien die guten Fortschritte im Bereich DAB+. Dadurch erreiche die BBC Rekordzuhörerzahlen von rund 44 Prozent bei der digitalen Nutzung. Davon mache die Nutzung über DAB 30 Prozent aus. Auch sei die ältere Zielgruppe, die nach wie vor gerne Radio höre, sehr loyal und zudem zahlungskräftig, erklärte Boaden. Sie forderte die Hörfunkbranche zu einer intensiveren Zusammenarbeit auf, um durch Kooperationen die neuen, digitalen Herausforderungen zu meistern.
Die privaten Hörfunksender in Deutschland verlangen finanzielle Hilfen für den Umstieg auf DAB+. Nötig seien ungefähr 25 Millionen Euro pro Jahr, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Antenne Bayern, Karlheinz Hörhammer laut Handelsblatt auf den Medientagen München(öffnet im neuen Fenster) . Der Zuschuss könne aus den Überschüssen des Rundfunkbeitrags kommen. Es gehe nur um eine Übergangszeit, bis sich das Digitalradio durchgesetzt habe.



