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Code Literacy ist eine Kulturtechnik

Dass ein solches Verständnis für Software zur Allgemeinbildung gehört, darauf können sich viele Experten einigen. Mit Begriffen wie Digitale Mündigkeit (Chaos Computer Club), Digitale Souveränität (Bildungsministerium) oder Digital Literacy (Arbeitsministerium) beschreiben verschiedene Institutionen ähnliche Ideen. "Mündige Menschen sollen die digitalen Werkzeuge verstehen und hinterfragen können", so formuliert es der Chaos Computer Club.

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Das wird immer wichtiger in Zeiten, in denen vermeintlich intelligente Lautsprecher in Wohnzimmern zuhören und Personalabteilungen von selbstlernenden Algorithmen (mit-)entscheiden lassen, wer eingestellt wird. "Die Art, wie zum Beispiel die Diskussion um künstliche Intelligenz geführt wird, zeigt, wie wenig viele Menschen verstehen, wovon wir da eigentlich sprechen", sagt Lena Kuhlmann vom Verein Start Coding. "Das würde aber dabei helfen, zu beurteilen, welche Zukunftsszenarien realistisch sind und welche Ängste unbegründet." Auch für die Soziologin Natalie Sontopski ist Code Literacy in erster Linie eine Kulturtechnik, die es ermöglicht, soziologische, politische und ethische Perspektiven auf Technologie einzunehmen.

Wie bringt man jungen Menschen Code Literacy bei?

Diese Themen gehören in die Schule, da sind sich viele einig. Schließlich können private Initiativen nie flächendeckend alle Kinder erreichen. Wie man die digitalen Werkzeuge den jungen Menschen am besten beibringt, da sind sich die Experten dann allerdings nicht mehr einig.

Ludger Humbert fordert, Informatik als Pflichtfach von der Grundschule bis zum Schulabschluss einzuführen. Er ist Professor für Didaktik der Informatik an der Universität Wuppertal. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen hat er die Empfehlung für informatische Bildung im Primarbereich der Gesellschaft für Informatik (GI) erarbeitet, also eine Art Musterlehrplan für das Schulfach.

"Es geht gar nicht ums Programmieren", sagt Humbert. "Programmieren ist ein Werkzeug, um der Modellierung eines informatischen Systems Ausdruck zu verleihen." Das sei zwar durchaus ein Teil des Unterrichts. Aber ebenso wenig wie es im Matheunterricht nur ums Rechnen oder im Deutschunterricht nur ums Schreiben gehe, gehe es bei der Informatik nur darum zu programmieren. "Informatik löst auf einer wissenschaftlichen Basis Probleme - zeigt aber auch auf, welche Probleme nicht lösbar sind und sein werden", sagt Humbert. Das algorithmische Denken, auf Englisch Computational Thinking, darum soll es seiner Meinung nach im Informatikunterricht gehen: "Schlüsse auf der Basis von Daten abzuleiten, Abläufe als System zu modellieren. Das ist in der Tat so wichtig wie Mathematik oder Sprache."

Dementsprechend spielen in den Empfehlungen der GI die Grundlagen der Informatik eine große Rolle. Um wirklich selbstbestimmt mit Computern, Smartphones oder Smart-Speakern - "informatischen Artefakten", wie Humbert es nennt - umzugehen, muss man ihre grundlegenden Funktionsprinzipien verinnerlicht haben. Das ist die Position, die Humbert und viele andere Informatiker vertreten. "Man kann etwas nicht verstehen, indem man nur die Oberfläche betrachtet", sagt er.

Es gibt allerdings auch die Position, die etwas mehr Blick von oben einnimmt. "Natürlich, je tiefer man Informatik an sich versteht, desto besser", sagt Tobias Hübner. "Aber diese Haltung, dass Informatik nur die reine Lehre sein darf, das kann auch kontraproduktiv sein." Hübner ist Lehrer für Deutsch und Religion an einem Gymnasium in Düsseldorf und hat einen Lehrauftrag am Zentrum für Lehrerinnenbildung der Uni Köln.

Wie Humbert fordert er, dass digitale Bildung unbedingt in der Schule stattfinden müsse, und zwar in allen Jahrgangsstufen. Er plädiert dafür, Informatik nicht als ein Fach, sondern fächerübergreifend zu unterrichten. Die Debatte zwischen dem Pflichtfach Informatik oder fächerübergreifendem Unterricht basiert auf der Frage, wie genau man die Grundlagen von etwas kennen muss, um das große Ganze zu verstehen. Ist es wichtiger, die kleinsten Bausteine selbst bauen zu können oder darüber zu diskutieren, was sie zusammen ergeben? Am besten wäre vermutlich beides. Aber: "Zeit ist in der Schule eine knappe Ressource", sagt Hübner. "Und die Konfrontation der Informatik mit der echten Welt darf nicht zu kurz kommen."

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 Medienkompetenz: Was, Ihr Kind kann nicht programmieren?Computerspiele im Deutschunterricht 
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AtK 07. Okt 2019

Dazu gabs einen golem-artikel der mich leider abschreckte: https://www.golem.de/news...

AtK 07. Okt 2019

Ich hab 2 Neffen (5 Jahre) deren Eltern fernab der IT sind - selbst deren Wlan richte ich...

Bluejanis 01. Okt 2019

Fände ich grundsätzlich gut. Nicht nur wegen Smartphone. Also mir hätte das damals nicht...

Bluejanis 01. Okt 2019

Und wie ist das Optimierungspotential fürs 10 Finger Tippen? Das Optimierungspotential...

Konphite 30. Sep 2019

-----------------------------------------------------------------------------. Mathe war...


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