Medienkompetenz: Mehrheit der Eltern fürchtet Mediensucht bei Kindern
Fast jeder Heranwachsende im Alter zwischen sechs und 18 Jahren nutzt in Deutschland regelmäßig digitale Medien. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse(öffnet im neuen Fenster) liegt die Quote bei 96 Prozent. Dabei steht Video-Streaming mit 80 Prozent an der Spitze der beliebtesten Angebote, gefolgt von Musik-Streaming (64 Prozent) und sozialen Netzwerken wie Tiktok oder Snapchat (52 Prozent).
Diese intensive Nutzung stößt bei vielen Erziehungsberechtigten auf Skepsis. Gut die Hälfte der befragten 1.001 Eltern (53 Prozent) ist davon überzeugt, dass sich der Umgang mit Online-Angeboten in irgendeiner Weise auf ihr Kind auswirkt. 37 Prozent gaben an, bereits negative Folgen wahrgenommen zu haben. Besonders Mütter zeigen sich hier besorgt: 41 Prozent nahmen negative Auswirkungen wahr, verglichen mit 34 Prozent der Väter. Die größte Sorge ist dabei die Entwicklung einer Mediensucht (53 Prozent). Zudem befürchten 50 Prozent der Befragten Konzentrationsprobleme.
Blackbox Sozialnetzwerke und mangelnde Kontrolle
Zwar fühlen sich 74 Prozent der Eltern insgesamt informiert (50 Prozent "eher gut", 24 Prozent "sehr gut"), doch für 20 Prozent bleibt die Mediennutzung des Nachwuchses eine Art Blackbox. Diese Unsicherheit spiegelt sich in den Herausforderungen des Alltags wider. Jeweils rund 50 Prozent der Befragten geben an, dass das Aufstellen und konsequente Durchsetzen von Regeln sowie das Behalten des Überblicks über die Inhalte die schwierigsten Aufgaben darstellen.
Neben gesundheitlichen Aspekten wie Bewegungsmangel (34 Prozent) oder Schlafstörungen (27 Prozent) bereiten auch die Inhalte selbst Kopfzerbrechen. 48 Prozent der Eltern sorgen sich um die Konfrontation mit Fake News oder nicht altersgerechten Inhalten. Rund 39 Prozent sehen die Gefahr von Cybermobbing.
Experten der KKH betonen, dass technische Mechanismen wie Belohnungssysteme in Apps gezielt darauf ausgelegt seien, Nutzer langfristig zu binden. Um Risiken wie depressiven Symptomen oder sozialer Isolation vorzubeugen, wird eine schrittweise Förderung der Medienkompetenz empfohlen. Neben technischen Sperren und Zeitlimits seien vor allem offene Gespräche über das online Erlebte entscheidend, um das digitale Wohlbefinden zu sichern.
Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen dem 30. Januar und 16. Februar 2026 bundesweit 1.001 Eltern von sechs- bis 18-jährigen Kindern in einem repräsentativen Onlinepanel.



