Media Broadcast: ARD testet 5G Broadcast während der Fußball-EM

Erstmals senden die vier ARD-Medienhäuser BR, NDR, RBB und SWR gemeinsam während der Fußball-Europameisterschaft und der Olympischen Spiele Livestreams über 5G-Broadcast. Das gab die ARD am 10. Juni 2024 bekannt(öffnet im neuen Fenster) . Dabei werden auch über das Hauptprogramm hinausgehende Inhalte ausgestrahlt.
Die Test-Übertragungen werden in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und Halle/Saale stattfinden.
5G Broadcast basiert auf dem 5G-Standard, ist jedoch im Gegensatz zum Mobilfunk-5G eine Rundfunktechnologie, die eine Punkt-zu-Multipunkt-Verbreitung ermöglicht. Bei 5G-Broadcast können existierende Rundfunksendeanlagen (High Tower High Power) verwendet werden, von denen ähnlich wie bei DVB-T2 ein Signal von einem Sender gleichzeitig an eine unbegrenzte Anzahl von Empfängern gesendet wird. Dies erlaubt einen unabhängigen Netzbetrieb durch Rundfunknetzbetreiber über große Funkzellen mit Radien von bis zu 60 Kilometern ohne den Verbrauch von individuellem Datenvolumen. Technisch handelt es sich um FeMBMS (Further evolved Multimedia Broadcast Multicast Service). 5G-Broadcast soll im Frequenzbereich zwischen 470 und 700 MHz laufen.
5G Broadcast: Noch keine Empfangsgeräte im Verkauf
Damit könnten theoretisch rund acht Millionen Menschen in Deutschland mit einigen wenigen Senderstandorten erreicht werden. Doch es gibt noch keine Endgeräte, nur wenige technisch modifizierte Android-Smartphones und Tablets für Testzwecke. "Tatsächlich gibt es derzeit für den Empfang der von uns ausgesendeten 5G-Broadcastsignale noch keine freiverkäuflichen, regulären Smartphones auf dem Markt. Es gibt allerdings prototypische Testgeräte, die wir eigens für unsere Feldversuche einsetzen. Wir stehen diesbezüglich in Kontakt mit Herstellern von Smartphones und Chipsätzen" , sagte ARD-Sprecher Volker Schwenck Golem.de auf Anfrage.
Die Testausstrahlungen der Live-Streams zur Fußball-Europameisterschaft und zu den Olympischen Spielen erfolgen in Kooperation mit Media Broadcast, einem der bundesweit größten Service Provider der Rundfunk- und Medienbranche.
Ein gestörter Empfang durch zu viele gleichzeitige Nutzerinnen ist bei dieser Technik ausgeschlossen. Der Test soll Erkenntnisse liefern, um später über eine mögliche ARD-weite Einführung der Technologie zu entscheiden.
Im August 2024 soll auch der offizielle Start für das 5G Broadcast-Pilotprojekt in Halle (Saale) erfolgen. Hier soll nicht nur der Empfang von audiovisuellen Inhalten auf mobilen 5G-Endgeräten unabhängig von WLAN, Internet und Mobilfunk erprobt werden. Auch die technische Reichweite, die Empfangsqualität und Empfangsstabilität werden im Verlauf des Betriebs getestet und bewertet.
Freenet erwarb im März 2016 für rund 295 Millionen Euro Media Broadcast, den technischen Plattformbetreiber für Fernsehsender für den HD-Antennenfernseh-Standard DVB-T2, der aber immer weniger genutzt wird. Media Broadcast beschäftigt sich daher seit einiger Zeit mit der 5G-Broadcast-Technologie. So war das Kölner Unternehmen zusammen mit dem SWR am 5G-Broadcast-Pilotprojekt 5G Media2Go in Stuttgart beteiligt und betreibt aktuell zusammen mit dem NDR in Hamburg einen 5G-Broadcast-Piloten.
"Wir befinden uns an der Schwelle zur nächsten technologischen Entwicklungsstufe des terrestrischen Fernsehens. Wie schon beim Wechsel von DVB-T auf DVB-T2 HD wollen wir als Media Broadcast die Zukunft zusammen mit unseren Partnern gestalten" , sagte Francie Petrick, Geschäftsführerin der Media Broadcast.



