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Mazda 6e im Praxistest: Wie viel darf ein Auto für 46.900 Euro können?

Der Mazda 6e sieht innen und außen gut aus, kommt mit allerlei technischen Extras und kostet unter 47.000 Euro. Gibt es auch Nachteile?
/ Tobias Költzsch
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Der Mazda 6e bietet viele Funktionen und ein edles Interieur. (Bild: Martin Wolf/Golem)
Der Mazda 6e bietet viele Funktionen und ein edles Interieur. Bild: Martin Wolf/Golem

Mazda ist bisher eher wenig bekannt für Elektroautos. Lange Zeit war der MX-30 das einzige vollelektrische Modell, das der japanische Hersteller in Deutschland anbot. Mit dem 6e hat Mazda ein zweites Modell ins Portfolio genommen – und damit direkt einen Volltreffer gelandet.

Im Test zeigt sich das E-Auto als absoluter Geheimtipp: Mazda hat nicht nur ein sehr hochwertig verarbeitetes, gut designtes Auto mit großartigem Innenraum geschaffen, sondern auch zahlreiche technische Extras eingebaut, die es bei anderen Herstellern nur gegen Aufpreis gibt – und das für unter 45.000 Euro in der Basisvariante. Verbesserungspotenzial habe ich aber trotz aller Begeisterung dennoch gefunden.

Den Mazda 6e gibt es in einer Standard- und einer Long-Range-Version, er wird in einem Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Changan produziert. Beide Varianten werden in zwei Ausstattungen angeboten. Die Unterschiede bei den Ausstattungen sind größtenteils kosmetisch, die Variante Takumi Plus verwendet hübschere Materialien. Außerdem hat sie begrüßenswerterweise ein Rollo für das serienmäßige Sonnendach.

Zwei Akku-Varianten mit unterschiedlichen Ladeleistungen

Die Standard-Version kommt mit einem 68,8-kWh-Akku, der sich mit maximal 165 kW laden lässt. Die Long-Range-Variante hat einen 80-kWh-Akku und eine maximale Ladeleistung von 90 kW. Für meinen Test habe ich die Standard-Range-Version in der Variante Takumi Plus von Mazda zur Verfügung gestellt bekommen – das sinnvollere der beiden Modelle.

Mazda 6e Probe gefahren
Mazda 6e Probe gefahren (04:29)

Zwar ist der Akku kleiner, er lädt aber wesentlich schneller. Die restlichen technischen Details sind identisch (bis auf einen vernachlässigbaren Leistungsunterschied von 10 kW). Warum Mazda der großen Version eine Ladeleistung von nur 90 kW mitgegeben hat, wird wohl das Geheimnis der Ingenieure bleiben. Von 10 auf 80 Prozent lädt die Standardversion dem Hersteller zufolge in 24 Minuten, die große Variante braucht satte 47 – das wäre mir viel zu lang für einen einzelnen Stopp. Aber mehr zum Laden später.

Äußerlich ist der Mazda 6e ein sportliches Coupé. Das Design ist eine gelungene Mischung aus Understatement und interessanten Elementen – aufdringlich oder protzig wirkt er nicht. Die Seiten haben eine Art Welle, die sich von vorne nach hinten öffnet. Das Heck ist unauffällig, der schwarze Balken über der Stoßstange lockert den bronzefarbenen Look etwas auf. Gut gefällt mir die Lichtleiste, die direkt unter dem Heckspoiler eingebaut ist – dieser lässt sich elektronisch ausfahren, auch dazu später mehr.

Schöne Beleuchtung mit Animation zur Begrüßung

Auch vorne gibt es reichlich Beleuchtung: Das weiß illuminierte Mazda-Logo wird von einem großen Grill mit Rauten eingerahmt, dessen Rand ebenfalls beleuchtet ist. Bei der Aktivierung des Wagens gibt es vorne eine kleine Lichtshow, was ganz nett ist. Die LED-Frontscheinwerfer sind schmale Schlitze, die sich gut in das Gesamtdesign der Front einfügen.

Aufgrund der Coupé-Form senkt sich die Dachlinie nach hinten merklich ab, ohne dass dies übertrieben wirkt. Die Linienführung endet gut im Heck, insgesamt ist das Außendesign sehr gelungen. Dieser Eindruck setzt sich im Innenraum fort – vor allem bei der Takumi-Plus-Variante.

Diese kommt in einer hellbraunen Mischung aus glattem Kunstleder, Veloursledernachbildung und bei den Sitzen auch Teil-Nappaleder. Das Veloursleder ist im Armaturenbrett, den Sitzen und den Türen verarbeitet und bietet einen schönen Kontrast zum gleichfarbigen Glattleder. Dieses findet sich unter anderem auf dem Lenkrad, der Mittelkonsole und den Armlehnen in den Türen. Der obere Teil des Armaturenbretts ist mit schwarzem Kunstleder überzogen.

Überall weiche Oberflächen, Leder und Ziernähte

Die Oberflächen sind durchgängig unterschäumt, die Lederteile mit Ziernähten versehen. Dadurch sieht die Belederung noch hochwertiger aus, diese Fülle an Details ist angesichts des Preises doch überraschend. Auch dass der Metallrahmen in der Mittelkonsole tatsächlich aus Metall ist, hatte ich nicht erwartet. Der edle Look wird ein wenig durch das Kunstholz in der Mitte und in den Türen getrübt, das etwas billig aussieht.

Die manuell verstellbaren Luftauslässe sind schmal und fügen sich gut in das edle Innendesign ein. In der Mittelkonsole sind zwei Becherhalter integriert, dazu eine kleine Ablage und eine Ladeschale für Smartphones – mit Belüftung, was vor allem Nutzer von Android Auto beim Laden begrüßen dürften. Hinter den Becherhaltern befindet sich ein großes Staufach, unter der Mittelkonsole weiterer Stauraum. Zusammen mit dem Handschuhfach und den Fächern in der Tür bietet findet sich reichlich Stauraum im Innern.

In der Mitte des Armaturenbretts ist ein 14,6 Zoll großes Touch-Display eingebaut, auf dem Mazdas übersichtliches und flüssiges Infotainmentsystem läuft. Alternativ kann auch Android Auto oder Carplay verwendet werden. Was direkt beim ersten Einsteigen auffällt: Es fehlen physische Buttons. Der Hersteller verwendet für nahezu alles Menüs auf dem Bildschirm, was manch einen stören könnte.

Die Klimasteuerung ist immer über eine Leiste am unteren Ende des Displays erreichbar, ebenso die Enteisung der Scheiben und die Sitzheizung. Auch die Spiegelsteuerung kann über einen Shortcut erreicht werden, was mich die physischen Knöpfe weniger vermissen lässt. Ungewöhnlich ist, dass es keine klassische physische Steuerung für den Scheibenwischer gibt.

Wo lässt sich der Scheibenwischer aktivieren?

Das mag zunächst verwundern, funktioniert im Alltag aber eigentlich ganz gut: Die Scheibenwischer sind immer auf Automatik gestellt; deren Empfindlichkeit kann in den Einstellungen festgelegt werden. Über einen Button am Ende des Blinkerhebels kann ich den Scheibenwischer einmal auslösen, halte ich gedrückt, wird die Scheibe geputzt.

Beim Druck auf den Button wird aber auch ein kleines Scheibenwischer-Overlay auf dem zentralen Display eingeblendet. Dort kann der Scheibenwischer dann direkt von der Automatik auf drei verschiedene Geschwindigkeitsstufen eingestellt werden – was sonst über eine Einstellung an einem der Lenkradhebel gemacht würde.

Abhilfe für das Fehlen von Buttons können die beiden frei belegbaren Buttons auf dem Lenkrad schaffen: Darüber lassen sich unter anderem die Scheibenwischereinstellungen, aber auch die 3D-Kamera und viele weitere Funktionen direkt abrufen. Wer aber viele physische Buttons im Auto mag, wird sich umgewöhnen müssen.

Übersichtliches Fahrdisplay mit allen wichtigen Informationen

Hinter dem Lenkrad ist ein 10,2 Zoll großes Fahrdisplay verbaut, auf dem alle wichtigen Informationen angezeigt werden – neben der Geschwindigkeit und der dynamisch berechneten Restreichweite etwa Akkustand, Reichweite, Durchschnittsverbrauch verschiedener Fahrten, der Fahrmodus und das aktuelle Tempolimit. Links wird bei Nutzung des Navis ein kleiner Kartenausschnitt angezeigt.

Das Navigationssystem funktioniert sehr gut: Es verwendet Googles Kartenmaterial und bietet eine Liveanzeige von Verkehrsdaten und Ladesäulenbelegung. In den Einstellungen können sowohl deren Ladeleistung als auch die verwendeten Ladestecker und die gewünschten Anbieter angezeigt werden. Das ist löblich und vor allem angesichts des aktuell immer noch vorherrschenden Preisdschungels praktisch: So werden beispielsweise nur Ladestopps bei Anbietern angezeigt, bei denen ich ein Abo habe.

Die Stopps werden bei der Routenplanung nicht automatisch hinzugefügt, dafür muss ein Button gedrückt werden. In den Einstellungen kann auch angegeben werden, mit wie viel Akkustand ich an eine Ladesäule fahren und am Ziel ankommen möchte. Der vom Navi vorhergesagte Akkustand bei Ankunft passt in meinem Test gut.

Interessant ist das Navi auch in Verbindung mit dem – ebenfalls serienmäßig bei allen 6e-Modellen verfügbaren – Head-up-Display: Dieses zeigt nämlich nicht nur die Geschwindigkeit, das aktuelle Tempolimit und ADAS-Informationen an, sondern blendet bei der Navigation auch deutlich sichtbare Pfeile ein, wenn man abbiegen muss. Diese passen sich dem tatsächlichen Straßenverlauf an, was vor allem in unbekannten Gebieten sehr hilfreich ist.

Sprachausgabe ist furchtbar

Dass ich bisher noch nichts zur Sprachausgabe des Navis gesagt habe, ist kein gutes Zeichen. Sie ist – kurz gesagt – Mist: Die Stimme spricht derart gelangweilt, wie ich es noch nicht erlebt habe. Schlimmer ist, dass die Aussprache zudem oft grotesk falsch ist. Mein Highlight: Als mir das Navi sagen will, dass ich der Straße dreieinhalb Kilometer folgen solle, werden daraus "dreh-inhalb Kilometer" .

Die Sprachausgabe spricht also nicht nur Straßennamen falsch aus, sondern auch normale deutsche Wörter – und ja, die Stimme ist auf Deutsch eingestellt. Möglicherweise resultieren die Qualitätsprobleme daher, dass Mazda die Sprachsteuerung von Changan übernommen hat – am Ende ist das für den Kunden egal: Mazda trägt meiner Meinung nach die Verantwortung, schließlich wird ein Auto der Marke gekauft. Die Probleme setzen sich bei der Sprachsteuerung fort: Der Mazda 6e reagiert oft auf sein Keyword, auch wenn es gar nicht ausgesprochen wurde.

Dann fasst die Assistentin alles Gesprochene als Befehl auf, was natürlich nicht gutgehen kann. Die Sprachsteuerung schafft es zudem nicht, jemanden aus meinem Adressbuch anzurufen. Immerhin funktionierte die Klimasteuerung und die Routenplanung per Sprachbefehl – Mazda muss hier aber dennoch dringend nachbessern. Dass eine Sprachausgabe nicht mal normale Wörter korrekt aussprechen kann und wie zusammengewürfelt spricht, nervt beim Navigieren ziemlich.

Viel Platz für alle Passagiere an Bord

Überhaupt nicht nervig ist das Platzangebot für die Passagiere: Mit den serienmäßig elektrisch verstellbaren Sitzen und der Lenkradeinstellung lässt sich leicht eine bequeme Fahrposition finden, die ausreichend Platz für die Beine bietet. Beide Sitze vorne haben sowohl eine Sitzheizung als auch eine Sitzbelüftung, ein Komfort, der sowohl im Winter als auch im Sommer praktisch ist.

Auch im Fond sitzen Passagiere sehr bequem: Dank eines Radstandes von 2.895 mm bei einer Gesamtlänge von 4.921 mm gibt es auch hinten reichlich Beinfreiheit. Ich mit einer Größe von 1,80 m habe auch genügend Platz für den Kopf – bei größeren Passagieren kann es dort aber bauartbedingt aufgrund der Coupé-Form zu Problemen kommen.

Die Rückbank ist ebenso komfortabel und gut verarbeitet wie die Frontsitze: Hier findet sich die gleiche Mischung aus Glatt- und Velourslederimitat. Auch in den hinteren Türen hat Mazda nicht mit den schönen Lederverzierungen gespart – zusammen mit einem bequemen Polster fühlt man sich im Fond gut aufgehoben. Dazu trägt auch die separate Klimasteuerung auf der Rückseite der Mittelkonsole bei, die der zweiten Klimazone der Klimaautomatik folgt.

Wer sich chauffieren lässt und hinten auf der Beifahrerseite sitzt, kann den Beifahrersitz über das kleine Display am Ende der Mittelkonsole elektronisch nach vorne bewegen. Ein solches Detail ist außergewöhnlich bei einem Auto ab unter 45.000 Euro – auch diese Funktion gibt es bereits in der günstigsten Version. Am Mittelplatz der Rückbank lässt sich eine Armlehne mit Becherhaltern herunterklappen – eine Durchreiche zum Kofferraum gibt es nicht.

Frunk bietet außergewöhnlich viel Platz

Der Kofferraum bietet mit 466 Litern bis zum Dach ein ordentliches, aber nicht überragendes Fassungsvermögen – der 6e ist hinten flacher als etwa der DS No. 8, der über 600 Liter Kofferraumvolumen bietet. Ist die Rückbank umgeklappt, passen 1.074 Liter in den Mazda. Die Kofferraumklappe ist elektrisch, etwas nervig finde ich die Kofferraumabdeckung, die ich fast schon aus den Halterungen prügeln muss. Das kann man eleganter lösen.

Der Wagen bietet einen sehr großzügigen Frunk, der 72 Liter fasst. Das ist deutlich mehr Platz, als ein Ladekabel benötigt – auch Gepäckstücke wie Rucksäcke oder kleinere Reisetaschen passen problemlos in den vorderen Kofferraum. Damit steigt das Gesamtgepäckvolumen bei aufgestellter Rückbank auf über 500 Liter, was ordentlich für ein Coupé ist.

Keyless Entry wird unterstützt, ich brauche den Schlüssel also nicht aus der Hosentasche zu ziehen. Auch zum Starten des Wagens ist der Schlüssel nicht nötig – was auch daran liegt, dass das Auto nach dem Entsperren direkt fahrbereit ist. Das ist ungewöhnlich, aber es gibt keinen Start/Stop-Button: Aufschließen macht den Wagen fahrbereit, abschließen schaltet ihn aus.

Ausreichende Leistung, aber kein Sportwagen

Aber wie fährt sich der Mazda 6e? Mit seinen 190 kW (Heckantrieb) hat das Auto ausreichend Reserven, um auch im Normalmodus gut vom Fleck zu kommen. Dem Hersteller zufolge kommt der Wagen in 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Maximalgeschwindigkeit ist bei 175 km/h abgeregelt. Die Beschleunigung reicht auch auf der Autobahn aus, um andere Verkehrsteilnehmer sicher zu überholen, wenngleich sich der Mazda ab 120 km/h merklich weniger flott fährt.

Die Federung ist ausgewogen: Das Auto liegt gut auf der Straße und schluckt Schlaglöcher und andere Unebenheiten ausreichend gut. Auf der Autobahn ermöglicht die Federung ein ruhiges Fahren; bei hohen Geschwindigkeiten liegt der Mazda aber weniger gut auf der Straße als andere Fahrzeuge. Hier hilft tatsächlich der ausfahrbare Spoiler, der auch so eingestellt werden kann, dass er automatisch bei hohen Geschwindigkeiten ausfährt – auch bei recht windigem Wetter.

A propos Wind: Windgeräusche fallen nicht negativ auf, auch die Reifengeräusche halten sich im Rahmen. Insgesamt ist es im Mazda auch bei höheren Geschwindigkeiten durchaus ruhig, wenngleich nicht so ruhig wie in einer Luxuslimousine. Die Lenkung ist eher direkt, auch im Komfortmodus; in der Federung unterscheiden sich die Modi nicht.

Drei Rekuperationsstufen, kein One-Pedal-Driving

Die Rekuperation ist grundsätzlich an die Fahrmodi gekoppelt. Neben Sport und Komfort gibt es einen individuellen Modus, den ich hauptsächlich verwende. Dort lassen sich alle Fahreigenschaften so einstellen, wie man es gerne hätte: Ich kombiniere weitgehend die Komforteinstellungen mit der stärkeren Rekuperation des Sportmodus. Die Rekuperation lässt sich auch über einen Button am Lenkrad während der Fahrt einstellen.

Die stärkere Rekuperation verlangsamt den Wagen merklich, echtes One-Pedal-Driving hat er aber nicht. Das ist vor allem in der Stadt etwas schade, Mazda ist aber nicht der einzige Hersteller, der darauf verzichtet. BYD etwa will Umsteigern von Verbrennern das Fahren erleichtern, indem man sich dem klassischen "Gas geben und bremsen" anpasst.

Bei all dem Komfort und den schönen Materialien könnte man verleitet sein, zu denken, dass Mazda bei weiteren Funktionen gespart hat – hat der japanische Hersteller aber nicht, wie der elektrisch ausfahrbare Spoiler bereits andeutet. Der 6e hat neben den gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsfunktionen etwa auch einen Lenkassistenten, der bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h automatisch das Fahrzeug steuert und selbsttätig die Geschwindigkeit regelt – ab dem Schild.

Lenkassistent mag keine Baustellen

Der Lenkassistent funktioniert im Test gut, es gibt aber bei der Konkurrenz bessere. So mag der Assistent Baustellen mit provisorischen gelben Fahrbahnmarkierungen nicht sonderlich, dort muss öfters korrigiert werden. Auch reicht es nicht, die Hand wie beim Kia EV6 leicht auf das Lenkrad zu legen – der 6e erwartet, dass etwas Druck ausgeübt wird, und fordert öfter dazu auf, das Lenkrad leicht zu bewegen.

Einen Spurwechsel führt der Mazda nicht automatisch aus. Insgesamt bietet der Lenkassistent aber eine gute Unterstützung beim Fahren auf der Autobahn, auch wenn er von der Geschwindigkeit begrenzt ist. Vor engeren Kurven bremst der Assistent übrigens leicht ab, der Abstand zum vorausfahrenden Auto wird sicher eingehalten. Der Fahrassistent funktioniert auch bei starkem Regen problemlos.

Das Auto hat auch ein sehr gutes Kamerasystem zum Manövrieren: Die gelieferten Bilder sind deutlich erkennbar, es gibt sinnvolle Hilfslinien und eine sehr gute 3D-Ansicht. Beim Rückwärtsfahren warnt das Auto vor Querverkehr und bremst im Ernstfall auch automatisch. Auch bei einem Hindernis voraus bremst der Wagen selbsttätig. Sowohl für vorne als auch für hinten gibt es Parksensoren – all das sind Funktionen, für die man bei manchem Konkurrenten extra zahlt.

Damit aber noch nicht genug der Kameras: Es gibt auch eine Innenraumkamera, die man für die Überwachung verwenden kann. Allerdings lassen sich damit auch Fotos aufnehmen – wer Erinnerungsbilder aus dem Auto mag, dürfte damit glücklich werden. Die Kamera wird zudem für eine Handzeichensteuerung verwendet, was überraschend gut funktioniert: Über Gesten kann Musik gestoppt und gestartet oder der Timer für ein Foto aktiviert werden. In einem Auto zu diesem Preis habe ich das bislang noch nicht gesehen.

Die Extras hören einfach nicht auf

Neben dem bereits erwähnten elektrisch einstellbaren Heckspoiler, dem Panoramadach mit ebenfalls elektrischem Rollo und dem HUD bietet der Mazda gibt es ein weiteres Extra, das in dieser Preisklasse nicht zwingend zu erwarten ist: Der Wagen verfügt über verschiedene Innenraummodi. So gibt es einen Haustiermodus, bei dem die Klimaanlage aktiviert wird, oder auch einen Ruhemodus.

Dieser kann etwa bei einer längeren Ladepause aktiviert werden. Der Sitz fährt dann nach hinten und in die Waagerechte, dazu werden beruhigende Musik und Naturgeräusche abgespielt. Ein Timer beendet den Modus nach der gewünschten Zeit – das ist überraschend gemütlich.

An dieser Stelle sei auch noch die dezente indirekte Innenraumbeleuchtung erwähnt, die natürlich auch nach dem eigenen Geschmack eingestellt werden kann. Ungewöhnlich sind hier einige Einstellungsmöglichkeiten: So kann ich die Option aktivieren, dass die Beleuchtung beim Fahren automatisch gedimmt wird – das ist praktisch. Weniger nach meinem Geschmack ist die Option, dass das Licht im Takt der Musik blinkt, was beim Fahren dann doch etwas ablenkt. Aber auch daran zeigt sich: Mazda geht durchaus einen Schritt weiter als andere Hersteller, wenn es um die Auswahlmöglichkeiten geht.

Überraschend guter Verbrauch trotz kaltem Wetter

Alle diese Komfortfunktionen sind schön, aber wie steht es um den Verbrauch? Ich habe den Mazda im Herbst bei recht frischen 9 Grad Celsius getestet, was sich natürlich negativ auf die Reichweite auswirkt – im Sommer sind die Akkus von Elektroautos wärmer, entsprechend kommen sie weiter. Im Stadtverkehr hat der 6e um die 15 kWh auf 100 km verbraucht. Das ergibt eine Reichweite von 459 km.

Im realistischen Bereich zwischen 80 und 10 Prozent sind das immer noch 321 km – was für reichlich Stadtfahrten reicht. Auf der Autobahn ist der Verbrauch selbstredend höher: Bei einer Testfahrt mit Geschwindigkeiten zwischen 120 und 170 km/h kommt das Auto auf einen Verbrauch von 25 kWh/100 km – für die niedrigen Temperaturen ist das ein ordentlicher Wert.

Die Reichweite liegt dann bei 275 km. Im Bereich zwischen 80 und 10 Prozent ergibt das eine Reichweite von 193 km. Das ist angesichts des kleineren Akkus ein anständiger Wert, vor allem wenn man bedenkt, dass es kalt war. Bleiben wir bei unter 150 km/h, liegt der Verbrauch eher bei 23 kWh/100 km, was eine Reichweite von 299 km bzw. 209 km bedeutet.

Mein Testwagen lädt mit bis zu 165 kW, was ihn Mazda zufolge in 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent Akkustand bringen soll. Ich habe es in meinem Test nicht geschafft, den Wagen mit einer derartigen Geschwindigkeit zu laden. Das kann viele Gründe haben, die nichts mit dem Fahrzeug an sich zu tun haben müssen. So ist eine Shell-Station bei mir um die Ecke bekannt dafür, dass sie in der Regel nie die maximal mögliche Leistung ausgibt.

Maximale Ladeleistung habe ich nicht erreicht

Auch das Wetter hat natürlich einen Einfluss auf das Laden. Mazda zufolge hat der 6e eine automatische Vorkonditionierung, wenn man über das Navi eine Ladesäule ansteuert. Manuell aktivieren lässt sich die Akkuvorwärmung leider nicht, was das Problem bei meinen Ladevorgängen gewesen sein könnte.

Ich komme bei meinen Ladeversuchen auf maximal 103 kW Leistung – die Ladekurve ist dabei aber konstant, weshalb die durchschnittliche Ladeleistung bei 98 kW liegt. Damit ist der Akku in 32 Minuten von 18 auf 81 Prozent geladen. Das ist nicht so gut, wie der Mazda es eigentlich kann, aber brauchbar. An AC-Ladesäulen lädt der Wagen dreiphasig mit 11 kW.

Mazda 6e: Verfügbarkeit und Fazit

Der Mazda 6e(öffnet im neuen Fenster) kostet als Standard-Range-Version in der Einstiegsvariante Takumi 44.900 Euro. In der getesteten Variante Takumi Plus kostet das Fahrzeug 46.900 Euro. Die Long-Range-Versionen kostet jeweils 46.500 bzw. 48.500 Euro.

Fazit

Mazda macht bei seinem neuen Elektroauto sehr viel richtig. Der 6e ist ein überraschend komfortables und hochwertig verarbeitetes Coupé, das sich dank der bequemen Sitze, einem bis auf die Sprachausgabe gutem Navi und ruhiger Fahrt auch sehr gut für längere Strecken eignet.

Das trifft auch auf die getestete Version mit kleinerem Akku zu: Dank einer Ladeleistung von 165 kW (die der Wagen auch erreicht, wie andere Tester zeigen) sind die Ladestopps noch ausreichend kurz, um den Wagen auch für längere Touren zu nutzen. Und wenn es doch länger dauert, kann man im Ruhemodus entspannen.

Bei der Reichweite hilft natürlich auch der gute Verbrauch, der angesichts der schon kühleren Temperaturen in Berlin positiv überrascht. Im Sommer dürfte der Wagen mit einer Akkuladung noch ein gutes Stück weiter kommen als jetzt im Herbst.

Die angesichts des Preises sehr gute Ausstattung mit zahlreichen Extras, für die andere Hersteller Aufpreise verlangen, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Auto nicht perfekt ist. Mir sind vor allem die Sprachsteuerung und Sprachausgabe negativ aufgefallen. Dabei ist das Navi an sich sehr gut und hat eine sehr gute Ladeplanung.

Der Lenkassistent macht seinen Job, es gibt aber bessere Systeme bei günstigeren Fahrzeugen – etwa Hyundais Autobahnassistent im Inster , der die Hälfte des Mazda 6e kostet. Der Inster ist dafür aber halt auch keine Komfort-Limousine mit allem Pipapo, den man sich wünschen kann.

Unterm Strich ist der Mazda 6e gerade auch für den Preis ein sehr gutes Auto. Angesichts der Ausstattung könnte ich mit den Unzulänglichkeiten leben – Mazda sollte aber zumindest die Sprachausgabe verbessern, was mit einem Update einfach sein dürfte. Für unter 47.000 Euro muss man suchen, um ein vergleichbar gut ausgestattetes und hochwertig verarbeitetes Elektroauto zu finden.


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