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Raumfahrt wird immer internationaler

Dieser Tage macht sich Maurer auf den Weg in den US-Bundesstaat Texas, um tauchen zu gehen. Er wird im Neutral Buoyancy Laboratory (NBL), einer Einrichtung der US-Raumfahrtbehörde Nasa, für Außenarbeiten an der ISS üben. Das Training für die Arbeit an der Außenhaut der Raumstation ist eines der letzten, die Maurer in seiner Ausbildung durchläuft. Wasser eigne sich, um Schwerelosigkeit zu simulieren, sagt Maurer. "Man muss das Arbeiten in Schwerelosigkeit erst einmal neu erlernen. Wenn ich einen Knopf drücke, drücke ich nicht den Knopf, sondern der Knopf drückt mich. Oder ich drehe eine Schraube und eigentlich drehe ich die Schraube nicht, sondern ich drehe mich." Daher müsse man mit einer Hand oder einem Fuß in einer dafür vorgesehenen Halterung für die nötige Stabilität sorgen, bevor das Werkzeug angesetzt wird.

  • Astronaut Matthias Maurer im Gespräch mit Golem.de. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das Gespräch fand in einem Mockup der ISS bei der Esa in Köln statt, ... (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • ... im Modul Harmony, das mehrere Module verbindet. Rechts geht es ins japanische Modul Kibo. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • In Harmony gibt es auch Unterkünfte für vier Astronauten. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Ein Blick von Harmony in das europäische Modul Columbus ... (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... und in die umgekehrte Richtung. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Columbus ist ein Labor. In der Microgravity Science Glovebox werden Experimente durchgeführt.(Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der Ausbildung lernen die Astronauten die Station kennen. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Wichtig ist, sich vor der Arbeit mit dem Fuß in der Halterung zu sichern. Sonst, sagt Maurer, "drücke ich nicht den Knopf, sondern der Knopf drückt mich." (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Auch das Fenster zur Erde fehlt nicht. Da im Mockup keine Schwerelosigkeit herrscht, ist es zerkratzt. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Voraussichtlich zwischen 2020 und 2022 wird Maurer zur ISS fliegen. (Foto: Nasa)
  • Sein Traumziel ist jedoch der Mond. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
Columbus ist ein Labor. In der Microgravity Science Glovebox werden Experimente durchgeführt.(Foto: Martin Wolf/Golem.de)
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Seit 2015 ist Maurer acht Stunden am Tag im Dienste der Esa unterwegs. Unterrichtsgegenstand sind die Grundlagen der Raumfahrt: Wie ist die Station aufgebaut, wie funktionieren ihre einzelnen Systeme, welche Aufgaben erwarten die Astronauten?" Das heißt: Jedes Detail, was einen Weltraumflug betrifft, wird durchgesprochen, vom Groben bis hin zu einem ganz spezifischen Teil."

Wie wird die ISS repariert?

Erst findet das alles in der Theorie statt. Dann müssen die angehenden Astronauten das Gelernte in Mockups wie dem in Köln anwenden. Dort üben sie beispielsweise, den Handschuhkasten, die Microgravity Science Glovebox, im Columbus-Modul zu bedienen, in der wissenschaftliche Experimente durchgeführt werden. Oder sie gehen bestimmte Prozeduren Schritt für Schritt durch. Das sind vorgegebene Handlungsabläufe, nach denen ein System, das nicht funktioniert, wieder in Gang gebracht wird, etwa eines der Systeme im Harmony-Modul, die die Station mit Luft, Elektrizität und Wasser versorgen.

Hinzu kommen körperliches Training, darunter verschiedene Überlebenstrainings, etwa in winterlichen Gebieten oder auf See, Sprachausbildung in Englisch, Russisch und Chinesisch sowie interkulturelles Training - Raumfahrt wird ja heute nicht mehr auf nationaler, sondern auf internationaler Basis betrieben.

Die Esa kooperiert mit der chinesischen Raumfahrtagentur

Ein wichtiger neuer Akteur ist China. 2015 haben die Esa und die China National Space Administration eine Zusammenarbeit vereinbart. Das eröffnet europäischen Raumfahrern neue Möglichkeiten: Die Chinesen bauen eine eigene Weltraumstation, die 2022 fertig sein soll. 2023 könnten erstmals auch europäische Astronauten zur Besatzung gehören - und Maurer könnte einer von ihnen sein.

Er hat bereits mit den chinesischen Kollegen trainiert, beim Überlebenstraining auf See. Zwar landen die russischen Sojus-Kapseln, mit denen die Astronauten von der ISS zur Erde zurückkehren, meist irgendwo in der kasachischen Steppe, doch die Sojus kann außerplanmäßig einmal im Wasser aufsetzen, das ist schon vorgekommen. Deshalb sei es wichtig zu wissen, was dann zu tun ist, sagt Maurer.

Das gemeinsame Hochseetraining war eine Premiere: "Im Sommer war ich einer der ersten ausländischen Astronauten, die überhaupt jemals in China gemeinsam mit chinesischen Astronauten trainiert haben", sagt Maurer. Vielleicht wird er ja nicht nur der erste, der mit ihnen trainiert, sondern auch der erste, der mit ihnen fliegt.

 Meeresforschung für den MarsTraumziel Mond 
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