Abo
  • Services:

Mathematik: Er denkt nur an 2, 3, 5, 7, 11, 13

James Maynard, 29, wird gerade für seine Forschung zu Primzahlen gefeiert. Ehrfurcht? Bremst einen nur. Warum junge Mathematiker mit uralten Problemen besser klarkommen.

Artikel von Andreas Loos/Zeit Online veröffentlicht am
Ein Rechenschieber, wie er früher verwendet wurde.
Ein Rechenschieber, wie er früher verwendet wurde. (Bild: Roger McLassus/Wikipedia/CC-BY-SA 3.0)

"Wer schlechte Erfahrungen mit Mathematik gemacht hat, der hat noch gar keine Erfahrung mit Mathematik gemacht." Das sagt James Maynard, 29, Brite, Mathematiker und gerade ziemlich erfolgreich. Letzte Woche hat er einen der renommiertesten Mathepreise Europas abgeräumt: Für die Jury der Europäischen Mathematischen Gesellschaft zählt Maynard zu den zehn Besten unter 35 Jahren. Sein Forschungsfeld sind Primzahlen. Zur Erinnerung: Das sind die Zahlen größer als 1, die sich nur durch sich selbst oder eins teilen lassen.

Inhalt:
  1. Mathematik: Er denkt nur an 2, 3, 5, 7, 11, 13
  2. Ehrfurcht war gestern

Das weiße Hemd aufgeknöpft, Ärmel hochgekrempelt, am Handgelenk eine Retro-Digitaluhr - so treffen wir Maynard, der auch locker als 19-Jähriger durchgehen würde, vor ein paar Tagen auf Europas größtem Mathekongress, der dieses Mal in Berlin stattfand. Wie kann man sich so jemanden bei der Arbeit an großen Mathematikproblemen vorstellen?

Maynard: "Naja, das Image vom Mathematiker, der alleine im Büro sitzt und vor sich hinarbeitet, ist ja falsch. Mit Kollegen zu reden, ist ungeheuer wichtig. Wir schubsen uns die ganze Zeit Ideen zu. Ich sage, hey, ich habe an dieser Sache gearbeitet, was denkst du darüber? Und der Kollege sagt, nee, aber warte, das könnte gehen … Nur ein ganz kleiner Teil passiert im Büro. Das Schöne an der Mathematik ist ja, dass die meiste Arbeit einfach aus Nachdenken besteht. Das kann man auch im Zug machen."

Maynard, der gerade in Oxford forscht, denkt in solchen Situationen an Primzahlen. 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17 … so geht sie los, die Reihe. Zwei aufeinander folgende Primzahlen heißen Nachbarn. Wenn die Differenz (manchmal auch Abstand genannt) solcher Nachbarn zwei beträgt, nennen Mathematiker sie Primzahlzwillinge. Fünf und sieben sind also Primzahlzwillinge. Elf und 13 auch. Sie kommen auch viel weiter hinten in der Kette der Primzahlen vor; ein Beispiel: 18.409.199 und 18.409.201. Und sie haben mysteriöse Eigenschaften.

Unendlich viel - Tendenz gegen null?

Stellenmarkt
  1. brandung GmbH & Co. KG, Köln-Ehrenfeld
  2. SCHOTT AG, Mainz

Der französische Mathematiker Alphonse de Polignac hatte schon vor 150 Jahren die Vermutung, es müsse von Primzahlen fast jeden Abstands unendlich viele geben. Also zum Beispiel unendlich viele Primzahlzwillinge. Und das obwohl die Primzahlen immer dünner gesät sind, je weiter man auf dem Zahlenstrahl in Richtung großer Zahlen wandert. Beweisen konnte Polignac seine Vermutung nie. Heute ist er vergessen. Menschen wie James Maynard arbeiten weiter daran, endlich zu belegen, was der Franzose schon vermutete.

Seit einigen Jahren ist nun etwas Bewegung in der Sache. Den Anfang machte Yitang Zhang im Jahr 2013. Der hatte schon 1991 eine Doktorarbeit an der Purdue University in Indiana geschrieben und danach in Chinarestaurants gekellnert, um als junger Mathematiker in den USA über die Runden zu kommen. Nebenher hatte er einen Beweis dafür ausgearbeitet, dass es unendlich viele Primzahlpaare gibt, die einen Abstand von 70 Millionen haben. Schlagartig wurde er damit berühmt und arbeitet inzwischen als Professor an der University of California in Santa Barbara.

Eine neue Generation von Mathematikern

Während die Fachwelt noch die Arbeit Zhangs bestaunte und verbesserte, meldete sich James Maynard, damals erst 26, in Sachen Polignac-Vermutung zu Wort. Seine Doktorarbeit Themen in analytischer Zahlentheorie enthielt Ideen, mit denen man auch das Primzahlpaarproblem angehen kann - und die funktionierten noch besser als Zhangs Ansatz. Sofort begannen Kollegen, auch Maynards Methoden zu frisieren, und es stellte sich heraus: Die 70-Millionen-Schranke kann damit deutlich gesenkt werden. Es gibt sogar unendlich viele Primzahlnachbarn mit einem Abstand von 246. Auch Maynard ist seither eine Berühmtheit in der Fachwelt. Er ist mittlerweile Fellow des amerikanischen Clay-Instituts, das seit dem Jahr 2000 Preise in Höhe von je einer Million Dollar auslobt für Forscher, die Lösungen mathematischer Riesenprobleme finden. Und er hat sogar noch elf Jahre Zeit für eine Fields-Medaille, den Ersatznobelpreis der Mathematik, den man nur bis 40 bekommen kann.

So jung er ist, konnte er bereits eine ganze Reihe von Durchbrüchen in der Mathematik miterleben. In den letzten zehn Jahren wurden mehr große Probleme geknackt als in den 100 Jahren zuvor. Warum?

Ehrfurcht war gestern 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 99,99€
  2. 19,99€
  3. (-58%) 24,99€

david_rieger 26. Jul 2016

Genau dieser Wikipediaeintrag enthält im Englischen noch folgenden Satz: Also da sollte...

sofries 25. Jul 2016

Tatsächlich gibt es Ratschläge Mathematische Berechnungen durchzuführen, damit man länger...

Hatt 24. Jul 2016

Wie soll denn die Zahlenschlange in dem Würfel oder Pyramide fortlaufen?

werredetwirdged... 23. Jul 2016

also wird das doch schon so gemacht, wie ich dachte.


Folgen Sie uns
       


Kabellose Bluetooth-Ohrstöpsel - Test

Wir haben vier komplett kabellose Bluetooth-Ohrstöpsel getestet. Mit dabei sind Apples Airpods, Boses Soundsport Free, Ankers Zolo Liberty Plus sowie Googles Pixel Buds. Dabei bewerteten wir die Klangqualität, den Tragekomfort und die Akkulaufzeit sowie den allgemeinen Umgang mit den Stöpseln.

Kabellose Bluetooth-Ohrstöpsel - Test Video aufrufen
Thermalright ARO-M14 ausprobiert: Der den Ryzen kühlt
Thermalright ARO-M14 ausprobiert
Der den Ryzen kühlt

Mit dem ARO-M14 bringt Thermalright eine Ryzen-Version des populären HR-02 Macho Rev B. Der in zwei Farben erhältliche CPU-Kühler leistet viel und ist leise, zudem hat Thermalright die Montage etwas verbessert.
Ein Hands on von Marc Sauter


    Datenschutz: Der Nutzer ist willig, doch die AGB sind schwach
    Datenschutz
    Der Nutzer ist willig, doch die AGB sind schwach

    Verbraucher verstehen die Texte oft nicht wirklich, in denen Unternehmen erklären, wie ihre Daten verarbeitet werden. Datenschutzexperten und -forscher suchen daher nach praktikablen Lösungen.
    Ein Bericht von Christiane Schulzki-Haddouti

    1. Datenskandal Bundesregierung erwägt strenge Facebook-Regulierung
    2. Quartalsbericht Facebook macht fast 5 Milliarden US-Dollar Gewinn
    3. Soziales Netzwerk Facebook ermöglicht Einsprüche gegen Löschungen

    NUC8i7HVK (Hades Canyon) im Test: Intels Monster-Mini mit Radeon-Grafikeinheit
    NUC8i7HVK (Hades Canyon) im Test
    Intels Monster-Mini mit Radeon-Grafikeinheit

    Unter dem leuchtenden Schädel steckt der bisher schnellste NUC: Der buchgroße Hades Canyon kombiniert einen Intel-Quadcore mit AMDs Vega-GPU und strotzt förmlich vor Anschlüssen. Obendrein ist er recht leise und eignet sich für VR - selten hat uns ein System so gut gefallen.
    Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

    1. Crimson Canyon Intel plant weiteren Mini-PC mit Radeon-Grafik
    2. NUC7CJYS und NUC7PJYH Intel bringt Atom-betriebene Mini-PCs
    3. NUC8 Intels Mini-PC hat mächtig viel Leistung

      •  /