• IT-Karriere:
  • Services:

Materiejets aus schwarzem Loch: Schneller als das Licht?

Das schwarze Loch stößt Materie mit einer Geschwindigkeit aus, die wie Überlichtgeschwindigkeit aussieht.

Ein Bericht von Andreas Lutter veröffentlicht am
MAXI J1820+070
MAXI J1820+070 (Bild: X-ray: NASA/CXC/Université de Paris/M. Espinasse et al.; Optical/IR:PanSTARRS)

Manche Beobachtungen in der Astronomie kommen nicht sehr häufig vor oder sind sogar einzigartig. Ein Team von Wissenschaftlern der Université de Paris unter der Leitung von Mathilde Espinasse hat mit dem weltraumgebundenen Röntgenteleskop Chandra einen solchen sehr seltenen Vorgang in einem Doppelsystem namens Maxi J1820+070 beobachtet. Das dort befindliche schwarze Loch ist acht Sonnenmassen schwer und arbeitet sich an seinem Begleiter, einem Stern, ab. Das Resultat: Das schwarze Loch stößt Jets mit scheinbarer Überlichtgeschwindigkeit aus.

Inhalt:
  1. Materiejets aus schwarzem Loch: Schneller als das Licht?
  2. Maxi J1820+070: Eine Frage der Perspektive

Das Objekt ist 10.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, es handelt sich um ein sogenanntes stellares schwarzes Loch. Der zweite Himmelskörper in diesem System ist ein Stern mit einer halben Sonnenmasse, er umkreist die Singularität. Wegen seiner starken Gravitation zieht das schwarze Loch Material von diesem stellaren Begleiter an sich. Dieses Material hat die Form einer Scheibe, rotiert um ein zentrales Objekt und bewegt sich in Richtung des schwarzen Lochs. In der Astronomie wird dieser Vorgang als Akkretion bezeichnet. Das Material wird während des Akkretionsvorgangs stark erhitzt und gibt Röntgenstrahlung ab.

Die Akkretion spielte sich in einem Zeitraum von 210 Tagen ab, der Vorgang wurde von November 2018 bis Juni 2019 in mehreren Bildern vom Chandra X-Ray Observatory aufgenommen und als Video bereitgestellt.

Akkretierende schwarze Löcher

Während ein Teil der Sternmaterie die Grenze überquert, die Ereignishorizont genannt wird, welchem sich wegen der starken Gravitation des schwarzen Lochs weder Materie noch Licht entziehen können, wird der andere Teil des stellaren Materials in Form von zwei Materiejets weggeschleudert. Die Materiestrahlen bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen und werden von außerhalb des Ereignishorizonts entlang extrem starker Magnetlinien ins Weltall abgefeuert.

Stellenmarkt
  1. slashwhy GmbH & Co. KG, Osnabrück
  2. Phoenix Contact Electronics GmbH, Bad Pyrmont

Das von den Astronomen auf Basis von Chandras Beobachtungen erstellte Video wiederholt vier Aufnahmen. Day 0, also Tag 0, entspricht dem ersten Tag der Beobachtung, die vier Monate nach dem Ausstoß der Materiestrahlen getätigt wurde. Das System Maxi J1820+070 stellt die helle Röntgenquelle in der Mitte des Bildes dar. Die aus ihm hervorgehenden Jets bewegen sich nach Norden und Süden vom schwarzen Loch weg, besitzen eine hohe Temperatur und können von Chandra im Röntgenbereich des elektromagnetischen Spektrums beobachtet werden. Der Jet in südlicher Richtung ist nur sehr schwach ausgeprägt, während der nördliche auffallend hell leuchtet.

Jets mit Überlichtgeschwindigkeit?

Doch wie schnell bewegen sich die Jets vom schwarzen Loch weg? Aus der Perspektive der Erde gesehen wird der nördliche Strahl mit 60 Prozent der Lichtgeschwindigkeit abgestoßen, während der südliche scheinbar mit Überlichtgeschwindigkeit ins Weltall schießt.

Überlichtgeschwindigkeit klingt nach Science-Fiction, ist doch nach jetzigem Wissensstand die Lichtgeschwindigkeit als Naturkonstante die Obergrenze für jede Geschwindigkeit im Universum. Das Phänomen wird von Astronomen jedoch häufiger beobachtet: bei Radiogalaxien, sehr aktiven galaktischen Kernen und bei Quasaren und Mikroquasaren.

Maxi J1820+070 zählt zur Kategorie der Mikroquasare, da das schwarze Loch in diesem System ein paar Sonnenmassen hat. Die Überlichtgeschwindigkeit ist aber nur eine scheinbare: Sie tritt auf, wenn schwarze Löcher mit im Spiel sind, Materie verschlingen und Jets mit sehr hoher Geschwindigkeit in Richtung eines Beobachters ausstoßen. In Wirklichkeit werden beide Materiejets mit 80 Prozent der Lichtgeschwindigkeit oder 804 Millionen km/h ins Weltall ausgestoßen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Maxi J1820+070: Eine Frage der Perspektive 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  2. 369,45€ (Bestpreis!)
  3. täglich neue Deals bei Alternate.de

interlingueX 01. Jul 2020 / Themenstart

Quatsch. Die Bild hätte Schneller als das Licht! getitelt.

schueppi 30. Jun 2020 / Themenstart

Ich mag Harald auch. Würde gerne mal mit ihm ein paar Diskussionen beginnen... Ich...

Axel Stolle 29. Jun 2020 / Themenstart

Ich glaube im Artikel wurden die Zahlenbegriffe aus dem Englischen falsch übersetzt. In...

AllDayPiano 29. Jun 2020 / Themenstart

Der Informationsaustausch über Verschränkung ist ein Mythos.

TöffTöff 29. Jun 2020 / Themenstart

Nein, nicht auf dem Holzweg! Entsteht aus einer Kombination von Dopplereffekt und...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Neue Funktionen in Android 11 im Überblick

Wir stellen die neuen Features von Android 11 kurz im Video vor.

Neue Funktionen in Android 11 im Überblick Video aufrufen
Alloy Elite 2 im Test: Voll programmierbare Tastatur mit Weihnachtsbaumbeleuchtung
Alloy Elite 2 im Test
Voll programmierbare Tastatur mit Weihnachtsbaumbeleuchtung

HyperX verbaut in seiner neuen Gaming-Tastatur erstmals eigene Schalter und lässt der RGB-Beleuchtung sehr viel Raum. Die Verarbeitungsqualität ist hoch, der Preis angemessen.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Ergonomische Tastatur im Test Logitech erfüllt auch kleine Wünsche
  2. Keyboardio Atreus Programmierbare ergonomische Mini-Tastatur für unterwegs
  3. Keychron K6 Kompakte drahtlose Tastatur mit austauschbaren Switches

Kumpan im Test: Aussehen von gestern, Technik von morgen
Kumpan im Test
Aussehen von gestern, Technik von morgen

Mit der Marke Kumpan Electric wollen drei Brüder aus Remagen den Markt für elektrische Roller erobern. Sie setzen auf den Look der deutschen Wirtschaftswunderjahre, wir haben ein Modell getestet.
Ein Praxistest von Dirk Kunde

  1. Venturi Wattman Rekordversuch mit elektrischem Motorrad mit Trockeneis
  2. Mobility Swapfiets testet Elektroroller im Abo
  3. Elektromobilität Volabo baut Niedrigspannungsmotor in Serie

Ultima 6 - The False Prophet: Als Britannia Farbe bekannte
Ultima 6 - The False Prophet
Als Britannia Farbe bekannte

Zum 30. Geburtstag von Ultima 6 habe ich den Rollenspielklassiker wieder gespielt - und war überrascht, wie anders ich das Spiel heutzutage wahrnehme.
Ein Erfahrungsbericht von Andreas Altenheimer

  1. Pathfinder 2 angespielt Abenteuer als wohlwollender Engel oder rasender Dämon
  2. 30 Jahre Champions of Krynn Rückkehr ins Reich der Drachen und Drakonier
  3. Dungeons & Dragons Dark Alliance schickt Dunkelelf Drizzt nach Icewind Dale

    •  /