Material- und Fachkräftemangel: Verzögerungen bei vielen KI-Rechenzentren
Dutzende Gigawatt an Rechenzentren sollen in den USA neu entstehen. 2026 sollen Projekte mit über 20 Gigawatt Leistung fertiggestellt werden, für 2027 ist rund das Doppelte geplant. Der Großteil davon ist für KI geplant. Ein großer Teil der Projekte wird aber wohl erst mit Verspätung fertig, wie die Financial Times(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf Daten der Analysten von Synmax(öffnet im neuen Fenster) berichtet.
Im laufenden Jahr 2026 sei bei rund 40 Prozent der Projekte mit einer Verzögerung von mehr als drei Monaten zu rechnen. Für 2027 schätzt Synmax aktuell, dass sogar über 60 Prozent der Projekte ihren Zeitplan nicht einhalten können. Die Verzögerungen sind in erster Linie problematisch für Nutzer wie Microsoft oder OpenAI, die Bau und teils auch Betrieb meist an Dienstleister auslagern. Sie bedeuten, dass es länger dauert, bis das für die Rechenzentren veranschlagte Kapital Umsatz erwirtschaftet.
Für seine Auswertungen greift Synmax in erster Linie auf Satellitenbilder der jeweiligen Standorte zurück. Anhand derer wird der Baufortschritt beurteilt – ein Verfahren, das die Analysten zuvor für Kraftwerke anwandten. Die Bilder zeigen etwa, dass bei mehr als der Hälfte der für 2027 geplanten Rechenzentren noch keine Bauaktivitäten erkennbar sind.
Auch der CEO des Rechenzentrumsbetreibers Applied Digital, Wes Cummins, rechnet mit Verzögerungen und möglicherweise sogar platzenden Projekten im Jahr 2027, wie er der Financial Times sagte.
Fertige Rechenzentren laufen teils auf Sparflamme
Einige bereits fertiggestellte Rechenzentren überflog Synmax zudem mit Drohnen, um Infrarotaufnahmen anzufertigen. Die zeigen etwa, dass ein Rechenzentrum, das der Neocloud-Anbieter Nebius in Vineland, New Jersey, für Microsoft gebaut hat, zwar fertiggestellt, aber noch nicht in Betrieb ist.
Die Gründe für die Verzögerungen sind nach Angaben aus der Branche vielfältig. Zunächst fehlen Fachkräfte, insbesondere im Bereich Sanitär- und Elektroinstallation. Teils konkurrierten verschiedene Projekte eines Betreibers um die Arbeitskräfte. Entsprechend steigen die Lohnkosten. Daneben führen bekannte Knappheiten bei Gasturbinen und Transformatoren zu Verzögerungen.
Daneben dauern aber auch Genehmigungsverfahren teils länger als erwartet. Dies soll der Grund für die Verzögerung des Microsoft-Rechenzentrums in Vineland sein. Hier gibt es Widerstand von Anwohnern, die eine zusätzliche öffentliche Kommentierung durchsetzten, welche das Genehmigungsverfahren in die Länge zieht.
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