Mate 9 im Hands On: Huaweis neues Mate mit doppelter Kamera kostet 700 Euro

Der chinesische Hersteller Huawei hat sein neues Android-Smartphone Mate 9 vorgestellt. Es ist der Nachfolger des Mate 8 und hat dementsprechend wieder ein 5,9 Zoll großes Display. Als erstes Huawei-Gerät kann es dank neuem Kirin-960-Prozessor von der Prozessorleistung auch im Grafikbereich mit anderen aktuellen Topgeräten mithalten.

Vom P9 hat Huawei beim Mate 9 die Dual-Kamera mit monochromem und RGB-Sensor übernommen, allerdings etwas verbessert. Golem.de konnte es sich vorab anschauen und einem ersten Kurztest unterziehen.










Auf den ersten Blick wirkt das Smartphone wie eine Mischung aus Mate 8 und Mate S . Auf der Rückseite hat es allerdings zwei Kameras statt nur einer: Wie beim P9 setzt Huawei auch beim Mate 9 auf zwei Kameras, die zusammenarbeiten und in Kooperation mit Leica entwickelt wurden. Entsprechend ist auch die Schrift in der Kamera-App wieder im Leica-Font gehalten - anders als beim Honor 8, das auch zwei Hauptkameras, aber kein Leica-Branding hat.
Zwei Kameras mit unterschiedlicher Auflösung
Der Farbsensor hat 12 Megapixel und einen optischen Bildstabilisator, der Schwarzweißsensor 20 Megapixel und keinen OIS. Anders als beim P9 oder auch beim Honor 8 haben also nicht beide Bildsensoren die gleiche Auflösung. Das Prinzip ist allerdings das gleiche: Bei Farbaufnahmen wird der monochrome Sensor als Unterstützung verwendet, um die Schärfe und die Ausleuchtung zu verbessern. Zudem dient die zweite Kamera als Mittel, um die Tiefe zu messen, was beim Autofokus verwendet wird. Insgesamt nutzt das Mate 9 eine Mischung aus Phasenvergleichs-, Laser-, Tiefen und Kontrastfokus und stellt schnell scharf.
Die Bildqualität wirkt vorerst sehr gut, ein abschließendes Urteil kann aber erst ein genauer Vergleich auf einem größeren Bildschirm bringen. Im Vorfeld spekulierten einige Medien über einen optischen Zoom; den gibt es aber nicht, stattdessen setzt Huawei auf einen verbesserten digitalen Zoom, wie ihn etwa auch Sony bei seinen Xperia-Smartphones einsetzt.
Qualitativ verbesserter zweifacher Digitalzoom
Der "optische Zoomeffekt" oder "Hybrid Zoom" , wie Huawei die Funktion nennt, bringt eine optisch ansprechendere zweifache digitale Vergrößerung. In der Zoom-Leiste ist dieser Bereich extra gekennzeichnet; bleiben wir bei der Vergrößerung innerhalb dieser Zone, sieht der Zoom tatsächlich qualitativ gut aus - zumindest auf dem Display. Erst wenn wir darüber hinaus zoomen, wird das Bild grobkörnig.
Videos kann das Mate 9 in 4K aufnehmen. Die Frontkamera hat 8 Megapixel, einem genaueren Test konnten wir sie noch nicht unterziehen. Interessant ist, dass Huawei auch bei der vorderen Kamera einen Autofokus verbaut; die meisten Hersteller verwenden hier einen Fixfokus.
Display bleibt bei Full-HD-Auflösung
Das IPS-Display ist 5,9 Zoll groß, das Smartphone ist dementsprechend eines der größeren Geräte auf dem Markt. Wie beim Mate 8 hat sich Huawei wieder für eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln entschieden, was eine Pixeldichte von 373 ppi ergibt. Bildinhalte werden noch scharf angezeigt, bei genauerem Hinsehen sind aber bereits einzelne Pixel auszumachen.
Bei VR-Anwendungen in einem Betrachter dürfte die Auflösung zu einem merklich pixeligen Bild führen. Der Vorteil liegt in der geringeren Leistungsausnahme der Display-Einheit, was den Akku schont.
Neues, leistungsfähiges System on a Chip
Im Inneren des Mate 9 arbeitet Huaweis neues Kirin-960-SoC , das aus vier A73-Kernen mit einer Taktrate von 2,4 GHz und vier A53-Kernen mit 1,8 GHz besteht. Die Kerne teilen sich die Arbeit nach dem Big-Little-Prinzip. Mit der Mali-G71-MP8 hat Huawei eine Grafikeinheit verbaut, mit der das SoC erstmals von der Leistung her mit den aktuellen Top-Chips von Qualcomm und Samsung mithalten soll.










Vom Hersteller präsentierte Benchmark-Ergebnisse legen diesen Schluss nahe. Genaueres können wir aber erst nach eigenen Tests sagen. Die Benutzeroberfläche läuft während unseres Hands On flüssig, Apps starten sehr schnell. Auf dem Mate 9 läuft Emotion UI 5.0, das auf Android 7.0 alias Nougat basiert. Das Smartphone ist Daydream-Ready, unterstützt also Googles neue VR-Plattform.
EMUI 5.0 und 4 GByte Arbeitsspeicher
Huawei hat die Oberfläche eigenen Angaben zufolge entschlackt und auf ein unauffälligeres Design gesetzt. 90 Prozent der Funktionen sollen jetzt in maximal drei Schritten erreichbar sein. Während unseres Hands On konnten wir dies noch nicht genau überprüfen; der erste Eindruck des UI ist aber gut, insgesamt wirkt es etwas gesetzter und weniger verspielt als vorher.
Huawei hat 4 GByte Arbeitsspeicher verbaut, der eingebaute Flash-Speicher ist 64 GByte groß und unterstützt UFS 2.1. Zusammen mit einem besseren Filemanagement-System soll gesichert werden, dass Zugriffe auf den Speicher auch nach mehreren Monaten nicht langsamer werden.
Das Mate 9 unterstützt Cad13-LTE, das in Deutschland allerdings noch nicht nutzbar ist. Nutzer können mit dem Mate 9 zwei Nano-SIM-Karten verwenden; dann kann allerdings keine Micro-SD-Karte genutzt werden, da diese sich den Steckplatz mit der zweiten SIM-Karte teilt. WLAN beherrscht das Smartphone nach 802.11ac, Bluetooth läuft in der Version 4.2. Ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut.
Eigenes Schnellladesystem lädt 100 Prozent in 90 Minuten
Der nicht ohne Weiteres wechselbare Akku hat eine Nennladung von 4.000 mAh und soll weit über einen Tag intensiver Nutzung reichen. Innerhalb von 90 Minuten soll er über ein spezielles Netzteil wieder voll aufgeladen werden können. Huawei nennt seine Schnellladetechnik "Supercharge". Geladen wird das Smartphone über einen USB-Typ-C-Stecker.
Auf der Rückseite des gut verarbeiteten Metallgehäuses ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut. Dieser ermöglicht nicht nur, das Smartphone zu entsperren, sondern bietet auch einige Extrafunktionen. So können Nutzer damit unter anderem Anrufe annehmen, die Benachrichtigungsleiste ausklappen oder Fotos in der Galerie-App durchblättern.
Das Mate 9 misst 156,9 x 78,9 x 7,9 mm und wiegt 190 Gramm. Huawei hat auch eine zweite Version des Smartphones zusammen mit Porsche Design vorgestellt, die 6 GByte RAM und 256 GByte Flash-Speicher haben wird. Das Porsche Design Huawei Mate 9 ist 5,5 Zoll groß und hat ein 1440p-Display mit abgerundeten Rändern.
Fazit
Unser erster Eindruck vom Mate 9 ist gut. Die Verarbeitung ist tadellos, gut gefallen uns die vom Mate S übernommenen Designelemente. Huawei hat auch bei seinem neuen Smartphone die Dual-Kamera des P9 eingebaut und noch etwas verbessert.
Es ist das erste Topgerät von Huawei, das von der reellen Prozessorleistung her auf einem vergleichbaren Stand wie die Konkurrenz von Qualcomm und Samsung liegt. Dafür verantwortlich ist vor allem die stark verbesserte Grafikeinheit, die in der Vergangenheit die Benchmark-Ergebnisse von Huawei-Geräten nach unten drückte.
Interessant ist das Smartphone vor allem aufgrund des neuen Chipsets, das merklich stärker als die bisherigen SoCs Huaweis ist, sowie der Kamera und den allgemeinen Detailverbesserungen. Nach dem Ausfall des Galaxy Note 7 von Samsung erscheint uns das Mate 9 dadurch als eines der interessantesten Geräte mit einer Displaydiagonale größer als 5,5 Zoll. Das Smartphone soll ab Mitte November 2016 erhältlich sein und 700 Euro kosten. Die Porsche-Edition soll 1.400 Euro kosten.



