Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Masterplan Ladeinfrastruktur II: Wissing will kostenloses Laden mit Solarstrom ermöglichen

68 Maßnahmen sollen den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos beschleunigen. Das Ziel von 1 Million Ladepunkte bis 2030 wird dabei zweitrangig.
/ Friedhelm Greis
9 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die Ladeinfrastruktur soll vorauslaufend aufgebaut werden. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
Die Ladeinfrastruktur soll vorauslaufend aufgebaut werden. Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Die Bundesregierung will mit ihrem neuen Masterplan Ladeinfrastruktur II das Laden von Millionen zusätzlichen Elektroautos sicherstellen. Für den erwarteten exponentiellen Anstieg der Zulassungszahlen werde ein vorauslaufender Ausbau der Infrastruktur benötigt, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing bei der Vorstellung des Plans am 19. Oktober 2022 in Berlin. Das Laden müsse so einfach werden wie das Tanken, sagte der FDP-Politiker. Eine gute Netzintegration der Ladesäulen und eine umfassende Digitalisierung des Angebots seien dazu erforderlich.

Der neue Masterplan (PDF)(öffnet im neuen Fenster) sieht 68 konkrete Maßnahmen vor, wozu allerdings auch zahlreiche Prüfaufträge zählen. Im Vergleich zu einer früheren Version hat die Bundesregierung jedoch ihre Ausbaupläne abgeschwächt. So will die Regierung nicht mehr die Ausschreibung von 5.000 weiteren öffentlichen Schnellladepunkten prüfen. "Die genaue Anzahl wird in der Bedarfsanalyse ermittelt", heißt es in dem 44-seitigen Papier.

Anreize für private Stromerzeugung

Ebenfalls gestrichen wurde die Formulierung, wonach "ein Programm für die Förderung eines Pakets aus PV-Anlage, Zwischenspeicher und einer steuerbaren und idealerweise bidirektionalen Wallbox angestrebt" werde. Nun soll bis Anfang 2023 geprüft werden, "wie die Nutzung selbst erzeugten erneuerbaren Stroms für das eigene Elektrofahrzeug bzw. die eigene Elektrofahrzeug-Flotte beim Ausbau privater Ladeinfrastruktur am wirksamsten ermöglicht werden kann".

Dabei sollen "bestehende bzw. neue Maßnahmen zum weiteren Ausbau von PV-Anlagen (inkl. Speicher) berücksichtigt" werden. Die Regierung wolle damit "Anreize zur dezentralen Energieerzeugung setzen", sagte Wissing. Besitzer von Photovoltaikanlagen sollten "im Idealfall eine kostenfreie Möglichkeit haben, diesen Strom zum Laden des eigenen Fahrzeugs zu nutzen". Bislang muss der Eigenverbrauch in vielen Fällen versteuert werden(öffnet im neuen Fenster).

Generell setze die Regierung beim Ausbau des Ladenetzes auf die Privatwirtschaft, sagte Wissing. "Wo kein flächen- und bedarfsdeckendes Angebot entsteht, sorgen wir mit regulatorischen Instrumenten und finanziellen und koordinierenden Unterstützungsangeboten dafür, dass Versorgungs- und damit auch Mobilitätslücken frühzeitig vermieden werden", sagte der Minister. Bis zum Jahr 2025 wolle der Bund den Ausbau mit 6,3 Milliarden Euro fördern.

Nicht nur Ladepunkte zählen

Dabei rückten sowohl Wissing als auch der Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur Johannes Pallasch mehr oder weniger offen von dem Ziel ab, dass bis zum Jahr 2030 in Deutschland eine Million öffentlicher Ladepunkte bereitstehen sollen. Das "reine Zählen von Ladepunkten" werde nicht helfen, da eine normale Wechselstromladesäule nicht so viel wert wie eine Schnellladesäule sei, sagte Pallasch und fügte hinzu: "Wir werden nicht nur Ladepunkte zählen, sondern auch gucken, wie viel installierte Leistung gibt es denn in den jeweiligen regionalen Einheiten."

Denn eine Schnellladesäule könne in derselben Zeit deutlich mehr Fahrzeuge bedienen. Das System müsse daher über andere Kennmerkmale definiert werden. Mit diesen Aussagen nähert sich die Regierung stärker der Position der Energiewirtschaft an, die seit Jahren das Ziel von einer Million öffentlichen Ladepunkten als überzogen kritisiert.

Anzeige

Elektromobilität: Theorie und Praxis zur Ladeinfrastruktur (de-Fachwissen)

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

In einer Stellungnahme zum Kabinettsbeschluss schrieb der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) daher: "Und es ist auch an der Zeit, dass die Bundesregierung endlich ihr veraltetes Ziel von einer Million Ladepunkten zugunsten einer realistischeren Bedarfseinschätzung korrigiert."

Laut Wissing will die Regierung das Laden vor allem dort ermöglichen, "wo es in den Alltag der Menschen passt". Dazu setze man einen Schwerpunkt auf das Errichten von Ladepunkten in Quartieren und an Tankstellen.

Netzintegration schwierigste Aufgabe

Als "wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe" bezeichnete Wissing den Ausbau der Stromnetze und der Ladeinfrastruktur miteinander zu koordinieren. "Dazu müssen wir eine sehr gute Prognose haben, wie der Hochlauf sich entwickelt", sagte der Minister. Sonst werde die Integration der Infrastruktur nicht gelingen.

Letzteres gelte vor allem beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für Lkw. Das angekündigte initiale Ladenetz für Lkw bedeute "enorme Herausforderungen", sagte Pallasch und fügte hinzu: "Wir werden Standorte an den großen Achsen in Deutschland haben, die werden mittelfristig mit Hochspannung anschließen müssen." Das müsse "heute schon vorausschauend möglich gemacht werden".

Manche Regionen machen zu wenig

Offen blieb allerdings die Frage, wie Regionen mit bislang wenig Ladeinfrastruktur ihre Defizite am besten aufholen können. "Es gibt immer wieder Kommunen und ländliche Gegenden, wo einfach zu wenig passiert", sagte Pallasch. Dort müsse sichergestellt werden, "dass die Lücken auf Dauer nicht bleiben". Auch nach Ansicht von Wissing gibt es in den Kommunen "große Probleme".

Nach Angaben Pallaschs ist es beispielsweise völlig unklar, in welchem Mischungsverhältnis in den Kommunen Normal- und Schnelllader installiert werden. Das sei Aufgabe der Kommunen, dies festzulegen. Dem Masterplan zufolge soll die NLL beispielsweise ein Muster für lokale Masterpläne für den Ladeinfrastrukturaufbau zur Verfügung stellen. Auf dieser Basis sollen die Kommunen möglichst bis Ende 2023 ihre eigenen Masterpläne erstellen.

Darüber hinaus soll geprüft werden, ob die Bundesländer gesetzlich verpflichtet werden können, "ein Mindestangebot lokaler Gesamtladeleistung sicherzustellen, wenn trotz Flächenangebots keine ausreichenden privatwirtschaftlich tragbaren Ladeangebote absehbar sind". Weitere Tools für Genehmigungsverfahren sowie Ausschreibungsmuster sollen ebenfalls bereitgestellt werden.

Anzeige

Elektromobilität: Theorie und Praxis zur Ladeinfrastruktur (de-Fachwissen)

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Trotz gewisser Änderungen zum früheren Entwurf sieht der BDEW in dem Masterplan weiterhin nur eine "teure Schaufensterpolitik". Verbandschefin Kerstin Andreae sagte: "Ob die 68 Maßnahmen des Masterplans und damit vor allem mehr staatliche Planung und Steuerung den Ausbau effizient voranbringen, bezweifeln wir." Der Bund solle seine Flächen endlich für Ladeinfrastruktur zugänglich machen. "Gleichzeitig brauchen wir mehr Tempo bei den Genehmigungen und deutlich weniger Bürokratie bei den Förderprogrammen", sagte Andreae.


Relevante Themen