Monstermind: NSA-Programm soll im Cyberkrieg zurückschießen

Die NSA will laut Edward Snowden mit einem geheimen Programm Cyberattacken entdecken und bekämpfen. Der Whistleblower erklärte sich in einem Interview bereit, für seine Enthüllungen ins Gefängnis zu gehen.

Artikel veröffentlicht am ,
Edward Snowden zeigt sich in der Wired als amerikanischer Patriot.
Edward Snowden zeigt sich in der Wired als amerikanischer Patriot. (Bild: wired.com/Screenshot: Golem.de)

In einem umfangreichen Interview mit dem US-Magazin Wired hat Edward Snowden die Existenz eines unbekannten NSA-Programms enthüllt. Das Programm Monstermind sei konzipiert worden, um ausländische Cyberattacken automatisch erkennen und bekämpfen zu können, sagte Snowden. Das Programm sei permanent auf der Suche nach bekannten oder neuen Angriffsmustern. Wenn ein Angriff entdeckt werde, werde er sofort blockiert.

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Monstermind gehe jedoch noch weiter: Das Programm starte automatisch einen Gegenangriff, ohne menschliches Zutun. Nach Ansicht Snowdens ist dies ein Problem, da die Angriffe häufig über unbeteiligte Drittstaaten geroutet werden und der eigentliche Ausgangspunkt oft gar nicht zu erkennen ist. "Jemand kann beispielsweise in China sitzen und so tun, als gehe der Angriff von Russland aus. Und am Ende feuern wir dann auf ein russisches Krankenhaus zurück. Was kommt als nächstes?", fragte Snowden.

"Ultimative Bedrohung der Privatsphäre"

Zudem sei ein Programm wie Monstermind die "ultimative Bedrohung der Privatsphäre". Denn die NSA müsse sich dazu den heimlichen Zugriff auf den gesamten Datenverkehr vom Ausland in die USA verschaffen. Wenn der gesamte Traffic analysiert werde, bedeute dies einen Verstoß gegen die US-Verfassung, erklärte Snowden.

Nach Darstellung des Kryptologen Matt Blaze ähnelt die Beschreibung von Monstermind den bereits bekannten Detektionsprogrammen Einstein 2 und Einstein 3. Diese benutzten ebenfalls Netzwerksensoren, um Angriffe auf US-Regierungsstellen aufzuspüren. Sollte dieses System heimlich auf die ganze USA ausgedehnt werden, sei das bedenklich, so Blaze. Laut Wired lässt sich Monstermind eher mit dem Cyberkriegsprogramm Plan X der Militärforschungsbehörde Darpa vergleichen. Die Washington Post hatte vor zwei Jahren über das Forschungsprojekt berichtet, das sich das US-Verteidigungsministerium 110 Millionen Dollar habe kosten lassen. Dieses Programm sollte dem Bericht zufolge in der Lage sein, das Internet komplett abzubilden und automatisch Gegenangriffe auszuführen.

Syrien vom Internet getrennt

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In dem Gespräch mit Wired berichtete Snowden zudem über den missglückten Versuch der NSA, einen Zugriff auf einen zentralen Router in Syrien zu erlangen. Da der Router dabei "geschrottet" worden sei, sei Syrien komplett vom Internet abgeschnitten gewesen. In der verantwortlichen NSA-Abteilung TAO (Tailored Access Operations) sei Panik ausgebrochen, doch der Router sei nicht mehr zu retten gewesen. In der Abteilung habe man daraufhin den Witz gemacht: "Wenn wir erwischt werden, können wir es Israel in die Schuhe schieben."

Snowden warf seinen Ex-Kollegen vor, angesichts des permanenten Umgangs mit illegalen Überwachungsmethoden abgestumpft zu sein. Snowden verwies auf die "Banalität des Bösen", mit der die Philosophin Hannah Arendt die Mittäterschaft des SS-Offiziers Adolf Eichmann an der Massenvernichtung der Juden charakterisiert hatte. Für US-Geheimdienstchef James Clapper sei es normal, die Bevölkerung zu belügen, meinte Snowden. Dabei könne er sicher sein, nicht dafür belangt zu werden, wenn er dem Kongress die Unwahrheit sage.

Bereit fürs Gefängnis

Dem Interview zufolge ist Snowden bereit, wegen seiner Enthüllungen ins Gefängnis zu gehen: "Ich sagte der Regierung, ich gehe freiwillig ins Gefängnis, solange es dem richtigen Zweck dient", sagte Snowden. "Ich sorge mich mehr um das Land als darum, was mir passieren kann. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass das Recht als politische Waffe benutzt wird. Auch können wir nicht zustimmen, dass Menschen davon abgeschreckt werden, für ihre Rechte einzustehen, egal wie gut die Vereinbarung ist. Da mache ich nicht mit." Die russischen Behörden gewährten dem 31-Jährigen in der vergangenen Woche einen dreijährigen Aufenthalt. Eine Rückkehr in die USA scheint derzeit ausgeschlossen.

Snowden erklärte zum wiederholten Male, keine Dokumente mit nach Russland genommen zu haben. Die von den US-Behörden kolportierte Zahl von 1,7 Millionen kopierten Dokumenten sei zudem deutlich übertrieben. Snowden wunderte sich darüber, dass die US-Geheimdienste offenbar nicht in der Lage seien, die von ihm absichtlich hinterlassenen Spuren auszuwerten. Daraus lässt sich seiner Meinung nach schließen, welche Dokumente nur "berührt" und welche tatsächlich kopiert wurden. Wegen ihres Unwissens fürchte die Regierung, dass in dem Fundus noch Material auftauchen könnte, das für sie den politischen Tod bedeuten könnte.

In dem Beitrag inszeniert sich Snowden als amerikanischer Patriot und posiert auf dem Cover von Wired mit der amerikanischen Flagge. Der Journalist James Bradford hatte sich für den Text an mehreren Tagen mit Snowden in Moskau getroffen. Der griechischstämmige Fotograf Platon machte eine Serie von Schwarz-Weiß-Aufnahmen für den Text. Bei seinen Recherchen hatte Bradford nach eigenen Angaben vollständigen Zugriff auf den Snowden-Fundus, ohne jedoch anzugeben, welches Medium dies erlaubt hatte. Ein besonderes Fundstuck grub Bradford bei seinen Recherchen aus: Ein Foto, das Snowden im Jahr 2011 mit dem früheren NSA- und CIA-Chef Michael Hayden zeigt. Er sieht darauf nicht besonders unglücklich aus.

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Nerd_vom_Dienst 14. Aug 2014

Falsch, den Artikel einmal richtig lesen. Wäre dem so dann kannst dir sicher sein, das...

Nerd_vom_Dienst 14. Aug 2014

Richtig, immer schön in die Kamera lächeln und bloß Nichts anmerken lassen...

dabbes 14. Aug 2014

die Einstellung von vielen Menschen hat sich geändert. US-Konkurrenten verkaufen mehr...

epos 13. Aug 2014

(kwt)



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