Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Maßnahmen gegen Konten-Sharing: Es hakt noch, wenn ein Netflix-Unterkonto eröffnet wird

Die größeren Probleme fangen immerhin erst an, nachdem das Unterkonto für Netflix unkompliziert erstellt wurde.
/ Ingo Pakalski
33 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Netflix erlaubt Unterkonten - wir haben eines angelegt und dabei einiges erlebt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Netflix erlaubt Unterkonten - wir haben eines angelegt und dabei einiges erlebt. Bild: Martin Wolf/Golem.de

Seit kurzem gibt es bei Netflix das Modell Zusatzmitglied rund um Konten-Sharing. Gegen einen Aufpreis von 4,99 Euro pro Monat können damit Personen aus verschiedenen Haushalten ein Netflix-Konto teilen , indem sie ein Unterkonto mit eigenen Zugangsdaten bekommen. Wir fügten ein Zusatzmitglied zu einem bestehenden Netflix-Konto hinzu und bemerkten dabei einige lästige Probleme.

Vor sechs Jahren warb Netflix auf Twitter(öffnet im neuen Fenster) noch mit folgenden Worten: "Liebe bedeutet, ein Passwort zu teilen." (Original: Love is sharing a password). Doch in den Nutzungsbedingungen von Netflix(öffnet im neuen Fenster) ist es seit Jahren untersagt, ein Konto mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts zu teilen. Mit der Zusatzmitgliedschaft wird dies offiziell erlaubt.

Unterkonten lassen sich überhaupt erst ab dem Netflix-Abo der Preisstufe Standard anlegen. Beim Standardabo ist nur ein Unterkonto erlaubt. Wer dieses Abo aufgrund der zwei erlaubten Parallelstreams mit jemandem aus einem anderen Haushalt teilt, kann dies also machen wie bisher. Das Ganze wird jedoch teurer, denn zu den normalen monatlichen Abokosten für Netflix kommen dann noch die Gebühren für das Zusatzmitglied.

Preisfrage: Wie viele gleichzeitige Netflix-Streams sind auf einem Gerät mit einem Unterkonto möglich?

Beim Premiumabo von Netflix gibt es 4K-Auflösung und vier parallele Streams; in diesem Abo sind maximal zwei Unterkonten zugelassen. Wer sich das Premiumabo also bisher mit drei anderen Personen teilt, kann es durch die Zusatzmitgliedschaften nur noch mit maximal zwei anderen Personen nutzen. Mit zwei Unterkonten steigen die monatlichen Kosten um knapp 10 Euro. Über die preiswerteren Netflix-Abos lassen sich keine Unterkonten erstellen.

Wer Netflix etwa als Paket mit einem Telekom-, Vodafone- oder Waipu-TV-Vertrag gebucht hat, kann keine Unterkonten anlegen. Es gibt derzeit keinen Hinweis darauf, dass sich daran später einmal etwas ändern wird. Das Anlegen von Zusatzmitgliedern erlaubt Netflix nur zahlenden Abonnenten, die direkt bei Netflix gebucht haben. So viel zu den Voraussetzungen.

In unserem Fall eröffneten wir das Unterkonto aus einem Premiumabo. Das ist ausschließlich vom Hauptkonto aus möglich. Im Rahmen der Prozedur stießen wir auf eine absonderliche Formulierung: Netflix weist darauf hin, dass ein Unterkonto auf "jeweils 1 Gerät gleichzeitig" genutzt werden kann. Das ist natürlich Blödsinn, weil eine gleichzeitige Nutzung mindestens zwei Geräte erfordern würde. Im Klartext: Das Unterkonto erlaubt keine parallelen Streams.

Damit wir für jemand anderen ein Unterkonto erstellen können, müssen wir die E-Mailadresse der Person kennen. Unter dieser E-Mailadresse wird das Netflix-Unterkonto angelegt.

Netflix-Profil lässt sich auf Unterkonto übertragen

Beim Anlegen des Unterkontos müssen wir festlegen, ob Profildaten einer anderen Person aus dem Netflix-Konto übernommen werden soll. Wir entscheiden uns in diesem Fall für eine Profilübertragung und müssen dafür das entsprechende Profil markieren. Dabei werden wir darauf hingewiesen, dass dieses Profil aus dem bisherigen Netflix-Konto verschwinden wird.

Als wir später das Unterkonto anlegen, sind wir allerdings nicht verpflichtet, das markierte Profil zu verwenden. Das Zusatzmitglied kann das Unterkonto auch mit einem neuen Profil anlegen. Wer sich für die Profilübertragung entscheidet, kann nur das eine Profil nehmen, das vom Hauptkontobesitzer markiert wurde, also kein anderes vorhandenes auswählen. Nach der Profilübertragung finden wir den Weiterschauen-Bereich, die Merkliste und weitere Einstellungen im Unterkonto wieder.

Das Unterkonto wird gebucht, indem auf eine Schaltfläche mit folgendem Text getippt wird: "Zusatzmitglied starten" . Ob diese Formulierung rechtlich zulässig ist, bleibt abzuwarten. Nach der gesetzlichen Regelung darf ein Bestellbutton nur mit den Worten "zahlungspflichtig bestellen" oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung beschriftet sein. Vor drei Jahren verlor Netflix vor Gericht , weil Verbraucherschützer bemängelten, dass die normale Abobuchung eine nicht rechtskonforme Beschriftung getragen hatte.

Klar ist: Jede Zusatzmitgliedschaft macht das Netflix-Abo teurer.

Zusatzmitglieder dürfen Unterkonten nicht selbst bezahlen

Wer bisher ein Netflix-Konto teilte, dürfte dies zum Teil auch aus Kostengründen getan haben. Dann teilten sich mehrere Personen die Kosten des Netflix-Abos, auch wenn das eigentlich nicht erlaubt war. Mit der Einführung der Unterkonten werden solche Szenarien nur unzureichend abgedeckt.

Denn die Kosten für die Zusatzgebühr von monatlich 4,99 Euro können nur vom Netflix-Hauptkonto abgebucht werden. Netflix erlaubt es nicht, die Zusatzgebühr vom Inhaber des Unterkontos bezahlen zu lassen. Auch ist es nicht möglich, für das Unterkonto ein anderes Zahlungsmittel zu hinterlegen. Kleines Detail am Rande: Egal, wann das Unterkonto angelegt wird, die Zusatzgebühr wird an dem Tag abgebucht, an dem auch die normalen Abogebühren fällig werden.

Sobald die Einladung für das Unterkonto verschickt wurde, gibt es im Netflix-Konto die Möglichkeit, dieses Zusatzmitglied bereits zu verwalten. Hier kann eine Einladung bei Bedarf widerrufen oder die Zusatzmitgliedschaft gekündigt werden. Im Fall von Netflix Premium könnten wir noch ein weiteres Unterkonto anlegen.

Das ist bei Kündigung einer Zusatzmitgliedschaft zu beachten

Bei der Kündigung sollte bedacht werden, dass pro Abrechnungszeitraum maximal zweimal die Zusatzmitgliedschaft geändert werden darf. Der Abrechnungszeitraum ist einen Monat lang und die exakte Laufzeit hängt davon ab, wann das Abo gebucht wurde. Falls eine bereits aktivierte Zusatzmitgliedschaft gekündigt wird, kann diese noch bis zum Ende des aktiven Abrechnungszeitraums genutzt werden. Laut Netflix müssen dabei keine Fristen eingehalten werden.

Das Unterkonto lässt sich nur über die E-Mailadresse aktivieren, an die eine entsprechende Einladung gegangen ist. Die Einrichtung des Kontos ist unkompliziert nach Eingabe eines vom Zusatzmitglied gewählten Kennworts erledigt. Wurde ein Netflix-Konto bisher geteilt, gibt es einen Unterschied: Das Unterkonto bekommt nun eigene Zugangsdaten, die nichts mit dem Hauptkonto zu tun haben.

Phishing-E-Mails im Umlauf

Eine solche Einladung lässt sich auch ablehnen. Vorsicht bei Netflix-Einladungen: Derzeit kursieren viele Phishing-E-Mails rund um Netflix . Also genau auf den Absender achten - der heißt bei einer korrekten Einladung info@account.netflix.com. Falls das Einrichten des Unterkontos nicht vorher abgesprochen wurde, ist es ratsam, zur Sicherheit bei der Person nachzufragen, von der die Einladung angeblich kommt.

In der Einladung weist Netflix deutlich darauf hin, dass für denjenigen, der das Unterkonto aktiviert, keine Kosten anfallen. Bei der Aktivierung kann - wie erwähnt - entschieden werden, ob ein bestehendes Profil übernommen oder ein neues angelegt wird. Dann will Netflix noch wissen, auf welchen Gerätetypen das Abo voraussichtlich verwendet wird; nach der Festlegung der üblicherweise genutzten Sprachen ist das Unterkonto einsatzbereit.

Anmeldung in der Netflix-App kann schwierig werden

Da es sich um ein Unterkonto eines Premiumabos handelt, können wir Inhalte in 4K-Qualität abspielen. Wenn ein Unterkonto über ein Standard-Netflix-Abo angelegt wird, stehen Inhalte maximal in Full-HD-Auflösung zur Verfügung. In den Eigenschaften des Unterkontos gibt es keine Information dazu, welchen Abotyp das Hauptkonto hat.

Wir erstellten das Netflix-Konto im Browser. Nach dem Anlegen des Unterkontos müssen wir uns mit diesen Zugangsdaten noch in den Netflix-Apps auf dem Streaminggerät, auf dem Smartphone, dem Tablet und anderen Geräten anmelden, auf denen wir Netflix nutzen wollen. Wenn hierbei bisher etwa das Hauptkonto von Netflix verwendet wurde, kann es kompliziert werden, denn wir müssen uns in der Netflix-App erst aus dem Hauptkonto abmelden.

Das Abmelden aus einem bestehenden Netflix-Konto macht der Anbieter besonders schwierig.

Such den Ausloggen-Button, such!

Auf dem Smartphone oder dem Tablet ist das relativ schnell erledigt. Nach ein wenig Sucherei finden wir den Button zum Ausloggen in der Profilverwaltung. Besonders intuitiv ist die Position nicht, aber wir ahnten nicht, dass es noch schlimmer kommt.

In Streaming-Apps war es noch kniffliger: Wir suchten zuerst in den Profil-Einstellungen, danach in den App-Einstellungen - nirgends fanden wir eine Möglichkeit zum Ausloggen. Wir waren kurz davor, die Netflix-App zu deinstallieren, um uns neu einloggen zu können, als wir doch noch fündig wurden. Der Ausloggen-Button war versteckt im Hilfebereich der App. Was sich Netflix dabei gedacht hat - unklar.

In unserem Fall erhielten wir nach der Aktivierung des Unterkontos den Hinweis, dass wir noch weitere Profile anlegen könnten. Das überraschte uns, weil wir wussten, dass das bei einem Netflix-Unterkonto nicht angeboten wird. Der Hinweis in der Netflix-App war falsch: Tatsächlich gibt es maximal ein Netflix-Profil - und genau das führt zu gewissen Unannehmlichkeiten.

Die Profilauswahl muss weg

Denn wenn wir die Netflix-App starten, erscheint bei Unterkonten die typische Profilauswahl. Was bei anderen Netflix-Abos sinnvoll ist, ist für Unterkonten überflüssig und störend. Diesen Fehler sollte Netflix schleunigst korrigieren.

In einem Profil können wir einstellen, welche Titel bis zu welcher FSK-Freigabe im Abo angezeigt und geschaut werden können. Ein Kinderprofil lässt sich in einer Zusatzmitgliedschaft aber nicht anlegen.

Aus einem Netflix-Unterkonto kann bei Bedarf zu einem eigenständigen Netflix-Abo gewechselt werden. Dabei will Netflix den Wechsel möglichst angenehm machen, indem das Profil zum eigenen Abo übertragen wird. Wer zu einem eigenständigen Abo wechselt, erhält vor allem bei den Profilfunktionen mehr Möglichkeiten, falls er bei einem Abo bleibt, das keine parallelen Streams erlaubt.

Es ist erfreulich, dass das eigentliche Anlegen eines Netflix-Unterkontos unkompliziert möglich ist und von Netflix gut unterstützt wird. Aber bei der Nutzung eines Unterkontos muss Netflix noch einiges optimieren.


Relevante Themen