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Maßnahmen gegen die Klimakrise: Aerosole in der Atmosphäre und ein gigantischer Sonnenschirm

Das Weiße Haus und das Europäische Parlament begrüßen Überlegungen zur Verringerung der Sonneneinstrahlung. Dies könnte die Erderwärmung verlangsamen – aber auch unvorhersehbare Risiken bergen.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Ein künstlerisches Symbolbild zur Eindämmung von Sonnenstrahlen (Bild: Pixabay)

Vertreter der US-Regierung haben am 30. Juni 2023 einen Bericht veröffentlicht, der ein Konzept zur Verringerung der Sonneneinstrahlung beinhaltet. Konkret geht beispielsweise um das Hinzufügen von Aerosolen in der Atmosphäre oder die Errichtung eines gigantischen Sonnenschirms im Weltall. Das alles soll dabei helfen, die Erderwärmung zu entschleunigen.

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Die Erhöhung der Menge an Aerosole in der Stratosphäre ähnelt beispielsweise dem natürlichen Prozess nach einem großen Vulkanausbruch. Eine andere Methode bestünde darin, entweder die Wolkenbedeckung über den Ozeanen zu erhöhen oder die Menge der hochfliegenden Zirruswolken zu verringern, die die Sonnenstrahlung zurück zur Erde reflektieren.

Dennoch gebe es "keine Pläne für ein umfassendes Forschungsprogramm, das sich auf die Veränderung der Sonnenstrahlung konzentriert", heißt es in dem etwa 40 Seiten langen Bericht. Zudem sei nicht sicher, ob die Modifizierung der Sonneneinstrahlung (SRM; solar radiation modification) auch unbekannte Nebenwirkungen haben könnte, die sich aus der Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre ergäben.

Jede Form der Veränderung der Sonneneinstrahlung birgt dem Bericht zufolge Risiken, die sich auf die menschliche Gesundheit, die biologische Vielfalt und die Geopolitik auswirken können.

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Umstrittener Bericht oder Startschuss für weitere Forschungsprojekte?

Dennoch könnten SRM-Maßnahmen "den Planeten auf einer Zeitskala von wenigen Jahren erheblich abkühlen". Dieser Prozess wird manchmal auch mit dem Begriff Geoengineering umschrieben.

Unabhängig von den Vor- oder Nachteilen der möglichen Modifizierung zeigte sich Shuchi Talati gegenüber dem Politik-Nachrichtenmagazin Politico positiv von dem Bericht überrascht: "Die Tatsache, dass es diesen Bericht überhaupt gibt, ist wahrscheinlich die folgenreichste Komponente dieser Veröffentlichung." Talati ist Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation Allianz für eine gerechte Debatte über Solar-Geoengineering DGS (Alliance for Just Deliberation on Solar Geoengineering).

Jedes Einschreiten sei dennoch mit Vorsicht zu genießen. Immerhin könnten auch gegenläufige Prozesse aktiviert werden. Statt die Erderwärmung zu bremsen, könne sie beschleunigt werden. Zudem würden Luftverschmutzung oder Umweltbelastung durch den Verbrauch von fossilen Brennstoffen dadurch nicht eingedämmt.

Auch in Europa ein Thema

Fast zeitgleich zur Veröffentlichung des US-Berichts wurde auch in Europa über die Eindämmung der Sonneneinstrahlung diskutiert. Politische Entscheidungsträger in der Europäischen Union signalisierten ihre Bereitschaft zu internationalen Diskussionen darüber, ob und wie die Menschheit die Erwärmung durch die Sonne begrenzen könnte.

"Geleitet vom Vorsorgeprinzip wird die EU die internationalen Bemühungen um eine umfassende Bewertung der Risiken und Unsicherheiten von Klimaeingriffen einschließlich der Veränderung der Sonneneinstrahlung unterstützen", heißt es in einem am 28. Juni 2023 veröffentlichten Bericht des Europäischen Parlaments. Dabei sollen auch forschungsbezogene Aspekte gefördert werden.

Laut der US-Regierung hat der Klimawandel "bereits jetzt tiefgreifende Auswirkungen auf die physische und natürliche Welt sowie auf das menschliche Wohlergehen, und diese Auswirkungen werden mit der Zunahme der Treibhausgaskonzentrationen und der weiteren Erwärmung noch größer werden". Die Betrachtung von SRM-Maßnahmen sei daher wichtig. Gleichzeitig sei dies aber keine Alternative zu Maßnahmen auf der Erde, um den Klimawandel einzudämmen. Vielmehr sei die Geotechnologie eine Zusatzmaßnahme.

Unabhängig von diesen Berichten arbeiten internationale Forschungsteams auch an anderen Ideen, wie der Klimawandel vom Weltraum aus verlangsamt werden kann. Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von Mondstaub, der zwischen Erde und Sonne geschossen werden könnte. Zwar sind nicht alle Ideen realistisch umsetzbar, jedoch könnten bereits Ansätze davon positive Auswirkungen mit sich bringen.