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Massenüberwachung: Machtzentrale Palantir

Wir erklären, was Palantir genau ist und wie es als Betriebssystem Sicherheitsbehörden weltweit zum Aufbau von Machtzentralen dient.
/ Manuel Atug
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Palantir-CEO Alex Karp (Bild: Vincent Feuray / Hans Lucas via Reuters Connect)
Palantir-CEO Alex Karp Bild: Vincent Feuray / Hans Lucas via Reuters Connect
Inhalt
  1. Massenüberwachung: Machtzentrale Palantir
  2. Rasterfahndung by Design und Default
  3. Verheißungsvolle Angebote für Politik und Verwaltung
  4. Wo überall Palantir-Software eingesetzt wird
  5. Warum gerade Palantir?

Was wäre, wenn eine Behörde mit wenigen Mausklicks Bewegungsprofile, Kennzeichenscans, Standortdaten aus Wetter-Apps, biometrische Daten, Social-Media-Konten, Reiseinformationen und Polizeibehördendaten zu jeder beliebigen Person individuell zusammenführen könnte? Genau dafür wurde Palantir entwickelt. Die Plattform verspricht Ermittlern, Geheimdiensten und dem Militär, Informationen aus Hunderten Datenquellen in einem gemeinsamen Überwachungslagebild nahezu in Echtzeit und permanent aktualisiert zusammenzuführen und dabei Zusammenhänge sichtbar zu machen, die zuvor verborgen geblieben wären.

Was zunächst wie eine leistungsfähige Datenanalyse klingt, verändert jedoch die Arbeitsweise von Sicherheitsbehörden grundlegend und unterwandert Grundgesetz, Verfassung und Polizeigesetze. Palantir ist längst mehr als eine Software für Ermittlungen. Die Plattform entwickelt sich zum Betriebssystem der zukünftigen Polizei-, Geheimdienst- und Militärarbeit: Sie verbindet Datenbanken, automatisiert Analysen, treibt (teil)automatisierte Entscheidungen voran und macht aus bislang getrennten Informationsbeständen ein gemeinsames System. Sie ist eine Machtzentrale, die alles zusammenführt.

Behörden binden sich an Palantir

Deshalb setzen inzwischen nicht nur US-Geheimdienste und die Einwanderungsbehörde ICE auf Palantir – wie genau, zeigt der erste Teil dieser Artikelreihe(öffnet im neuen Fenster) sehr detailliert. Auch verschiedene Polizeibehörden, Geheimdienste und Militärorganisationen aus Deutschland, Israel und der Ukraine nutzen die Technologie bereits oder bereiten ihren Einsatz vor.

Der eigentliche Wandel liegt dabei weniger in einzelnen Funktionen als in der Idee hinter der Software – einer Ontologie, die unterschiedlichste Daten in ein gemeinsames Modell überführt und so neue Formen der Rasterfahndung und automatisierten Analyse ermöglicht. Konzepte, Objekte, Entitäten, Eigenschaften und Beziehungen werden formal beschrieben, anschließend über Data-Pipelines vereinheitlicht und eingespeist, kontextualisiert und analysierbar gemacht.

Mit der Einführung von Palantir entscheidet sich eine Behörde nicht nur für eine Software, sondern bindet zentrale Arbeitsabläufe langfristig an die Plattform des US-Anbieters. Ein späterer Wechsel ist deshalb mit erheblichem Aufwand verbunden. Zwar lässt sich Palantir über zahlreiche Schnittstellen an bestehende Fachverfahren und Datenquellen anbinden, die innerhalb der Plattform aufgebauten Modelle und Analyseprozesse können jedoch nicht ohne Weiteres auf andere Systeme übertragen werden. Exportieren lassen sich zwar Teile der Datenbestände, nicht jedoch die eigentlichen Wissens- und Verarbeitungsstrukturen. Semantische Modelle, Datenflüsse, Auswertungslogiken und andere zentrale Komponenten sind eng mit der Palantir-Plattform verknüpft und außerhalb dieser Umgebung nicht nutzbar.

Wer steht hinter Palantir?

Palantir wurde 2003 von Peter Thiel, Alex Karp, Stephen Cohen, Joe Lonsdale und Nathan Gettings ins Leben gerufen und ging erst 17 Jahre später an die Börse. Der US-amerikanische Investor, Tech-Unternehmer und Milliardär Peter Thiel tritt als Libertärer deutscher Herkunft auf, der in kontroverse Konzerne wie Stark Defence(öffnet im neuen Fenster) oder Anduril(öffnet im neuen Fenster) oder auch 50 Millionen Euro in einen Kapitalfonds des Sohnes von Springer-CEO Mathias Döpfner(öffnet im neuen Fenster) investiert. Thiel gilt auch als Königsmacher der US-Regierung(öffnet im neuen Fenster), da er den heutigen US-Vizepräsidenten J. D. Vance gefördert hat.

Dabei kann er sich offenbar nicht so richtig entscheiden, ob er überhaupt will, dass Menschen existieren oder nicht(öffnet im neuen Fenster), und macht durch die Beschäftigung mit theologischen Denkformen Begriffe wie die Apokalypse oder den Antichristen(öffnet im neuen Fenster) salonfähig.

Theologen warnen vor ihm und seinen Vorstellungen(öffnet im neuen Fenster), dem "Antichrist" in Gestalt von Greta Thunberg oder sogar in der Gestalt von staatlicher Regulierung. Daher forderte der Papst in seiner ersten Enzyklika(öffnet im neuen Fenster) die demokratische Kontrolle der KI. Denn ihm, dem Papst, gehe es "um etwas anderes als den Unternehmen, die ihre Börsenbewertungen durch Endzeiterzählungen von Frankensteinscher Art, seien sie utopisch-chiliastisch oder dystopisch, in die Höhe treiben."

Thiel ist offen antidemokratisch(öffnet im neuen Fenster) und investiert infolge dessen auch gemeinsam mit Marc Andreessen in die erste demokratiefreie Privatstadt Próspera(öffnet im neuen Fenster).

Alex Karp ist der CEO von Palantir. Er sagt über das Unternehmen(öffnet im neuen Fenster): "Unser Produkt wird gelegentlich zum Töten von Menschen verwendet." Wie ehrlich er an der Stelle ist, zeigt dieser Golem-Artikel in aller Ausführlichkeit(öffnet im neuen Fenster).

Der Informatiker und Unternehmer Stephen Cohen ist ein Schützling von Thiel(öffnet im neuen Fenster), war als Mitbegründer der Präsident von Palantir und tritt jetzt als Entrepreneur auf.

Joe Lonsdale, Risikokapitalinvestor und ebenfalls Mitgründer von Palantir, sprach sich 2025 dafür aus, gewalttätige Kriminelle öffentlich zu hängen(öffnet im neuen Fenster). Zudem wolle er "maskuline Führung" zurückbringen. Der Softwareentwickler Nathan Gettings war ebenfalls Mitbegründer(öffnet im neuen Fenster), er hält sich öffentlich sehr zurück.

Palantir bietet nicht nur Software oder Datenanalyse an, sondern verschiedene modular aufgebaute Betriebsplattformen, die ineinander integriert und ergänzt werden können.


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