Abo
  • IT-Karriere:

Massenüberwachung: BND speichert 220 Millionen Telefondaten - jeden Tag

Der Auslandsgeheimdienst sammelt in großem Stil Metadaten und liefert sie an die NSA. Das erfuhr Zeit Online. Die Amerikaner nutzen solche Daten zum Töten.

Artikel veröffentlicht am , Kai Biermann/Zeit Online
Der Bundesnachrichtendienst hilft der NSA und der CIA, Metadaten zu sammeln.
Der Bundesnachrichtendienst hilft der NSA und der CIA, Metadaten zu sammeln. (Bild: Michael Dalder/Reuters)

Metadaten helfen Amerikas Geheimdiensten beim Töten. Und der Bundesnachrichtendienst hilft der NSA und der CIA, genau solche Metadaten zu sammeln. Nicht gezielt, sondern massenhaft. Viele Millionen Metadaten fischt der BND ab und reicht sie an die amerikanischen Dienste weiter. Genauer: 220 Millionen jeden Tag.

Inhalt:
  1. Massenüberwachung: BND speichert 220 Millionen Telefondaten - jeden Tag
  2. Daten werden zehn Jahre lang gespeichert
  3. Informationen werden nur 'reaktiv' preisgegeben

Im deutschen Auslandsgeheimdienst vollzieht sich ein Paradigmenwechsel. Statt einzelnen Verdächtigen nachzuforschen, setzt der BND auf Massenüberwachung. Recherchen von Zeit Online zeigen nun zum ersten Mal, wie umfangreich dieser Umbau ist und wie problematisch.

Früher belauschten Spione Menschen, sie kopierten heimlich Briefe und hörten Telefonate ab. Sie wollten wissen, was die Leute sagen, was sie miteinander verabreden und sich gegenseitig weitererzählen. Bis heute bestimmt der mithörende Agent mit den Kopfhörern auf den Ohren die Vorstellung davon, wie Überwachung funktioniert. Doch das ist die Vergangenheit.

Die Spione der Gegenwart interessieren sich für ganz andere Spuren: Metadaten. Aus ihnen können die Geheimdienste herauslesen, wer wann wo mit wem und wie lange kommunizierte. Jede E-Mail trägt solche Metadaten, jede SMS, jedes digitale Bild, jede Whatsapp-Nachricht. Wer sie interpretieren kann, weiß nicht nur, was Menschen einander erzählen. Metadaten verraten viel mehr: Wo Menschen gerade sind, woher sie kamen, was sie im Moment tun, sogar was sie planen. Sie enttarnen jedes Versteck und jeden heimlichen Kontakt. "We kill people based on metadata", sagte der frühere NSA- und CIA-Chef Michael Hayden 2014. Wer die passenden Metadaten kennt, weiß, wohin er die tödliche Drohne schicken muss.

"Menschliche Ziele" werden mit Metadaten ermittelt

Stellenmarkt
  1. InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG, Burgkirchen an der Alz
  2. ITC ENGINEERING GMBH & CO. KG, Stuttgart

Genau so gehen NSA und CIA vor. Die menschlichen Ziele, auf die amerikanische Drohnen im Jemen, in Somalia oder Afghanistan ihre Hellfire-Raketen abschießen, werden mit ebensolchen weltweit mitgeschnittenen Metadaten ermittelt - mit GPS-Standortkoordinaten, mit Kommunikationsmustern, mit Kennungen von Mobiltelefonen. Anhand dieser Informationen lassen sich auch Profile erstellen und Muster im Verhalten der Zielperson erkennen. So können die Geheimdienste mit großer Sicherheit voraussagen, was eine bestimmte Person als Nächstes tun wird, wo sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt aufhalten wird. Für die NSA sind Metadaten eine der wichtigsten Informationsquellen.

Auch im BND weiß man schon lange um die Macht der Metadaten. Seit dem 11. September 2001 wird dort überlegt, die Arbeit stärker auf solche Daten zu stützen. Seit 2002 nahmen diese Überlegungen Kontur an, belegen Aktenvermerke des Dienstes. Sie zeigen auch, dass der BND inzwischen große Teile seiner Überwachung auf die Auswertung von Metadaten umgestellt hat.

Fünf BND-Dienststellen sammeln Metadaten

Zeit Online hat von geheimen Akten des Auslandsnachrichtendienstes erfahren, aus denen hervorgeht, dass fünf Dienststellen daran beteiligt sind, Metadaten in großem Stil zu sammeln. In den BND-Außenstellen in Schöningen, Reinhausen, Bad Aibling und Gablingen laufen in aller Welt abgesaugte Metadaten ein, 220 Millionen davon an jedem einzelnen Tag. Zwischen einer Woche und sechs Monaten werden sie dort gespeichert und nach bislang unbekannten Kriterien sortiert. Die Daten werden aber nicht nur gesammelt. Sie werden auch genutzt, um Verdächtige zu beobachten und zu verfolgen.

Woher der BND die Daten genau bezieht, ist noch unklar. Der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages hat aufgedeckt, dass der Geheimdienst sowohl Satellitenkommunikation als auch Internetkabel abhört. Die 220 Millionen Metadaten sind nur ein Teil dessen, was bei diesen Abhöraktionen anfällt. Sicher ist, dass die Metadaten allein aus "ausländischen Wählverkehren" stammen, also aus Telefonaten und SMS, die über Mobilfunk und Satelliten geführt und verschickt wurden.

Daten werden zehn Jahre lang gespeichert 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 4,99€
  2. 59,99€ für PC/69,99€ für PS4, Xbox (Release am 4. Oktober)
  3. 1,24€
  4. 3,99€

gr0m 01. Feb 2015

Dann machen SIE bitte den Anfang!

Jasmin26 01. Feb 2015

Für sich isoliert auf deutschland bezogen mag das stimmen, nur wenn man all die...

WachtEndlichAuf! 31. Jan 2015

Wie bekommt man eine Masse auf seiner Seite?! Verbreite Angst.

bla 31. Jan 2015

Vielleicht speichern se das Gesagte ja als Strings ab und nennen das dann die Metadaten.

Klerrar 31. Jan 2015

Macht man ja auch aus Prinzip. Wird der Welt schon nicht sonderlich schaden, aber...


Folgen Sie uns
       


Fernsteuerung für autonome Autos angesehen

Das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme zeigt die Fernsteuerung von Autos über Mobilfunk.

Fernsteuerung für autonome Autos angesehen Video aufrufen
Bandlaufwerke als Backupmedium: Wie ein bisschen Tetris spielen
Bandlaufwerke als Backupmedium
"Wie ein bisschen Tetris spielen"

Hinter all den modernen Computern rasseln im Keller heutzutage noch immer Bandlaufwerke vor sich hin - eine der ältesten digitalen Speichertechniken. Golem.de wollte wissen, wie das im modernen Rechenzentrum aussieht und hat das GFZ Potsdam besucht, das Tape für Backups nutzt.
Von Oliver Nickel


    DIN 2137-T2-Layout ausprobiert: Die Tastatur mit dem großen ß
    DIN 2137-T2-Layout ausprobiert
    Die Tastatur mit dem großen ß

    Das ẞ ist schon lange erlaubt, aber nur schwer zu finden. Europatastaturen sollen das erleichtern, sind aber ebenfalls nur schwer zu finden. Wir haben ein Modell von Cherry ausprobiert - und noch viele weitere Sonderzeichen entdeckt.
    Von Andreas Sebayang und Tobias Költzsch

    1. Butterfly 3 Apple entschuldigt sich für Problem-Tastatur
    2. Sicherheitslücke Funktastatur nimmt Befehle von Angreifern entgegen
    3. Azio Retro Classic im Test Außergewöhnlicher Tastatur-Koloss aus Kupfer und Leder

    Doom Eternal angespielt: Die nächste Ballerorgie von id macht uns fix und fertig
    Doom Eternal angespielt
    Die nächste Ballerorgie von id macht uns fix und fertig

    E3 2019 Extrem schnelle Action plus taktische Entscheidungen, dazu geniale Grafik und eine düstere Atmosphäre: Doom Eternal hat gegenüber dem erstklassigen Vorgänger zumindest beim Anspielen noch deutlich zugelegt.

    1. Sigil John Romero setzt Doom fort

      •  /