Was kostet die Welt?
Jetzt müssen wir nur noch die Finanzierung klären – wie, sehen wir in der nächsten Grafik, wieder doppelt-logarithmisch und mit dem analogen Aufbau wie Abbildung 4.
Wir sehen in Goldgelb die Extrapolation der Datenpunkte, die Konnektom-Modelle in Violett und Vergleichsdaten in Blau – etwa die gesamten Lebenshaltungs- und Ausbildungskosten von der Wiege bis zu einem ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Uniabschluss (einfach, weil diese Abschlüsse tendenziell die teuersten sind und eine AGI mindestens dieses Niveau bieten sollte).
Würden die weltweiten Rüstungsausgaben eingesetzt, wären wir in ein paar Tausend Jahren am ersten Meilenstein, dem 2. Konnektom-Modell. So viel weltweite Einsicht ist aber unwahrscheinlich ...
Wenn wir das Bruttoweltprodukt nutzen – also die gesamte Produktionskraft der Menschheit -, brauchen wir nur rund Hundert Jahre. Das scheitert allerdings daran, dass wir vorher alle verhungern oder – wahrscheinlicher – soziale Unruhen das Projekt kippen. Selbst das komplette globale Vermögen wäre unzureichend, auch wenn es uns ein gutes Stück voranbrächte.
Zeit für einen kreativen, disruptiven Ansatz: Das globale Vermögen ist recht ungleich verteilt(öffnet im neuen Fenster). Wenn die oberen 250.000 von ihrem Reichtum etwas spenden, können wir ohne große Schmerzen (außer natürlich bei Onkel Dagobert) 30 Prozent des globalen Vermögens nutzen.
Setzen wir dazu noch 20 Prozent der Weltproduktion ein, könnten wir die Voraussetzungen zur Erreichung des 2. Konnektom-Modells in gut 730 Jahren schaffen. Und mein oben skizzierter Mondplan hätte ja noch den Vorteil, dass die Energie nach dem Training der KI für elektromagnetische Katapulte genutzt werden kann, die uns erheblich nutzen würden, um das Sonnensystem zu besiedeln und in eine Ringwelt umzubauen.
Fazit
Wer also wegen der bevorstehenden Emergenz einer AGI die Luft anhält – sei es aus Sorge oder Vorfreude -, dem rate ich dringend: Weiteratmen! Aus ... ein ... aus ... ganz ruhig ...
Nein, im Ernst: Bloß, weil etwas ein gängiges SF-Motiv ist, ist es noch lange nicht zukünftige Realität. Niven hat durchaus sehr gute SF der Kategorie Hard Science-Fiction geschrieben – Inconstant Moon etwa. Und auch mein Mondplan ließe sich noch wohlwollend in diese Kategorie einordnen.
Die Ringwelt aber (so sehr ich sie mag!) – und IMNSHO auch eine menschenähnliche AGI – gehören klar in die SF-Kategorie Science-Fantasy.
Das Gefühl der Absurdität, das einen während der Fermi-Schätzung berechtigt beschleicht, ist die Absurdität des Emergenz- und AGI-Aberglaubens, die hier sichtbar wird.
Immerhin wissen wir jetzt: Die AGI steht nicht vor der Tür. Wir können in der nächsten Folge in Ruhe und entspannt die Leistungsgrenzen von KI und die prinzipielle (Un-)Möglichkeit einer AGI nüchtern im Licht der Theoretischen Informatik analysieren.
TL;DR
Der Hodscha sitzt am Ufer des Akşehir-Sees und wirft Joghurt hinein.
Jemand kommt vorbei und fragt erstaunt: »Was tust du denn da, Hodscha?«
»Ich setze Joghurt an«, erwidert dieser.
»Wie soll denn in dem See Joghurt entstehen, Hodscha?«
»Ich weiß«, meint der Hodscha, »du hast wohl recht. Aber was, wenn es doch klappt?«
P.R. Rhesia ist ein Pseudonym. Die Person hat einen Abschluss in Computer Science mit Bestnoten in der Theoretischen Informatik. Sie möchte ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Wissenschaftler und Techniker nachkommen und Aufklärung zum Thema KI leisten, ohne dafür mit emotionalen Debatten vor der Haustür "belohnt" zu werden und schreibt daher unter Pseudonym.
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