Ham'se mal ein Kilo Watt?
Wir können unsere Fermi-Schätzung jetzt also wohlbegründet grafisch anschaulich aufbereiten.
Wieder auf einem doppelt-logarithmischen Graphen tragen wir den Strombedarf gegen die KNN-Parameter auf, insbesondere die Extrapolation. Violett sind die verschiedenen Konnektome (und deren Schätzungsspannbreite) an der ihnen entsprechenden Parameteranzahl eingetragen. Ihre y-Position schneidet zur besseren Zuordnung die Extrapolation.
In Blau sind zur Orientierung verschiedene Vergleichswerte eingetragen – so liegt etwa der Energiebedarf eines menschlichen Gehirns (20 W) von der Wiege bis zum geplanten Rentenalter 70 um 21 Größenordnungen unter jenem, der nötig wäre, um ein KNN äquivalent zum 4. Konnektom-Modell zu trainieren.
Es sieht nicht gut aus: Um auch nur das 2. Konnektom-Modell zu erreichen – also eine realistische Näherung des synaptischen Konnektoms mit biologisch plausiblem Verhalten und damit dem Hauch einer Chance auf Emergenz – bräuchten wir mehrere Hundert Jahre der weltweiten Stromerzeugung von 2024.
Wir brauchen also sehr viel mehr Energie und müssen groß und disruptiv denken. Glücklicherweise – für Mensch und Ökosysteme – ist es effizienter, Solarenergie auf dem Mond zu gewinnen als auf der Erde: Auf dem Mond entfallen lästige Details wie Atmosphäre, Erdbeben, Vulkane, Ozeane, Wellen, Wolken oder Wetter. Ich nehme mal 30 Prozent Ausbeute an. Das ist höher als etwa heutige PV.
Aufgrund von Mikrometeoriten sind allerdings solarthermische Anlagen wahrscheinlich die bessere Wahl. Weiterhin sind nicht alle Flächen geeignet und Wartungspersonal sowie -maschinen wollen auch versorgt werden. Außerdem braucht die Meteoriten- und Asteroidenabwehr Energie. Die Laser sollen übrigens nicht à la Asteroids sprengen – der entstehende Schrotschuss wäre potenziell schlimmer -, sondern durch gezielte Massenejektionen einen ablenkenden Rückstoß erzeugen.
Sobald wir vier Prozent der Mondfläche bebaut haben (von der immer nur die Hälfte beschienen wird), wäre das 2. Konnektom-Modell in wenigen Jahren erreichbar, bei Vollausbau binnen eines knappen Jahrhunderts auch das 3. Konnektom-Modell.
Für das Erreichen des 4. Konnektom-Modells bräuchten wir dann aber einige Millionen Jahre. Glücklicherweise gibt es in der SF-Literatur ein bekanntes Vorbild, über das in einiger Tiefe nachgedacht wurde: Larry Nivens Ringwelt.
Die Welt ist nicht genug
Ich würde allerdings einige Verbesserungen vorschlagen: Die Energieproduktion in den Beschattungselementen genügt nur für den Betrieb der Ringwelt inklusive der Asteroidenabwehr. Wir müssten also die Höhe dieser Elemente gegenüber der Ringebene verdoppeln, um einen ausreichenden Energieüberschuss für die KI-Entwicklung zu erhalten.
Aus Gründen des Fail-Safe-Designs würde ich außerdem Schottwände entlang des Rings vorsehen: So viel Glück wie bei der Faust Gottes hat man vielleicht nicht immer, und ein ungünstiger Treffer könnte ohne Schottwände zum Verlust der gesamten Atmosphäre führen. Das führt auch dazu, dass die Atmosphäre mit dem Ring rotiert. Das ist vorteilhaft, weil es die Atmosphäre besser in dem trogförmigen Ring halten sollte und einen massiven Sturm gegen die Rotationsrichtung vermeidet.
Jedenfalls: Sobald wir diese Ringwelt gebaut haben, haben wir auch binnen weniger Jahre genügend Energie, die Äquivalenz zum 4. Konnektom-Modell zu erreichen und dürfen auf Emergenz hoffen – außer natürlich, das Gehirn ist noch komplexer.
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