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Marktübersicht: Welche Wi-Fi-7-Router es bald gibt - und was sie können

Die WLAN -Hersteller haben etwa 20 neue Wi-Fi-7-Funker angekündigt. Wir betrachten im Detail, wer welche Ausbaustufen bringt.
/ Harald Karcher
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Wi-Fi 7 soll in vielerlei Hinsicht besser werden als Wi-Fi 6. (Bild: Harald Karcher (mit Microsoft-KI und OpenAI Dall-E))
Wi-Fi 7 soll in vielerlei Hinsicht besser werden als Wi-Fi 6. Bild: Harald Karcher (mit Microsoft-KI und OpenAI Dall-E)

Wer nur einen Saugroboter per WLAN-2,4-GHz durch das Wohnzimmer schleichen lässt, kann als WLAN-Steuerungszentrale die älteste Fritzbox aus dem Jahr 2004 oder eine 2,4-GHz-Billig-Fritzbox 7510 aus dem Jahr 2022 nehmen. Wer aber mit einer VR-Brille à la Meta Quest Pro per Wi-Fi 6E durch virtuelle Welten düsen will, braucht eine schnellere WLAN-Basis – am besten gleich Wi-Fi 7.

Welche neuen Features den Fortschritt bei Speed, Stabilität und Kapazität gegenüber Wi-Fi 6 bewirken, ist in diesem Golem.de-Artikel nachzulesen : etwa 320 MHz Kanalbreite, 4K-QAM, Multi-Link-Operation alias MLO. Nun soll es um die konkreten Geräte gehen: Welche Wi-Fi-7-APs, Router, Mesh-Systeme und Smartphones sind bald lieferbar? Und in welchen Ausbaustufen? Denn Wi-Fi 7 ist leider nicht gleich Wi-Fi 7.

Gerne hätten wir bei dieser Wi-Fi-7-Marktübersicht auch schon die großen Firmen wie Cisco Meraki, Extreme Networks und HPE Aruba aus Kalifornien oder SMB-Klassiker wie D-Link, Lancom Systems und Zyxel dabeigehabt. Doch bei neuen WLAN-Gattungen sind immer öfter asiatische Firmen schneller: Asus, Huawei, Honor, TP-Link, Tenda, Xiaomi. Aber auch AVM aus Berlin ist bei Wi-Fi 7 ganz früh dabei. Und einige kalifornische Firmen sind zumindest beteiligt: Chipunternehmen wie Broadcom, Intel und Qualcomm sind via Software, Patenten und Lizenzen bei den asiatischen Wi-Fi-7-Chipfabriken involviert.

Wi-Fi 7 kommt schneller als gedacht. Bis Mitte Mai 2023 haben wir schon mehr als 20 Wi-Fi-7-Geräte aus fünf Kategorien gefunden:

1. Wi-Fi-7-Access-Points (AP)
2. Wi-Fi-7-Mesh-Systeme
3. Wi-Fi-7-All-In-One-Router mit Modem
4. Wi-Fi-7-Router ohne Modem
5. Wi-Fi-7-Smartphones

Die meisten dieser Wi-Fi-7-Funker wurden im ersten Quartal 2023 vorgestellt: auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas im Januar 2023 oder auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona Ende Februar.

Auf den folgenden Seiten stellen wir die Geräte im Einzelnen vor, mit allen wichtigen technischen Daten, soweit sie schon bekannt sind.

Huawei Air Engine, TP-Link Omada, TP-Link Deco

Huawei Air Engine 8771-X1T

Als bislang einziger Hersteller stellt Huawei seinen "Industry's First Enterprise-Class Wi-Fi 7 AP" namens Air Engine 8771-X1T schon mit in einem kurzen Video(öffnet im neuen Fenster) vor. Als Datenrate nennt der Hersteller dort lediglich die WLAN-Summe von 18,67 Gigabit.

Der Speed für die einzelnen Frequenzbänder wird noch verschwiegen. Vermutlich sind es aber circa 1,3 Gigabit bei 2,4 GHz plus 5,7 GBit/s bei 5 GHz plus 11,5 GBit/s bei 6 GHz.

Interessant ist beim Huawei-AP der hybride Anschluss via Glasfaser und Kupfer, weil Kupfer auch Strom über PoE (Power over Ethernet) transportieren kann, was Glas nicht kann. Spannend klingen auch die dynamischen Zoom-Antennen, die omnidirektional als Rundstrahler funken können – oder mit einer starken Richtwirkung im High-Density-Modus.

TP-Link Omada EAP770 & 780

Ebenfalls auf den Markt der Firmennutzer zielt TP-Link mit seinen zwei Omada-Access-Points EAP 770 und 780. Der schwächere EAP770(öffnet im neuen Fenster) liegt mit einer WLAN-Summe von 10,6 Gigabit brutto deutlich unter dem Huawei-Gerät. Dazu gibt es einen 1x10 GbE-LAN-Port, um den Speed aus der Luft schnell ins kabelbasierte LAN zu bringen.

Der stärkere EAP780(öffnet im neuen Fenster) verspricht in Summe etwas mehr als der Huawei-AP, nämlich 21,5 Gigabit brutto. Dazu gibt es 2 x 10 Gigabit Ethernet LAN Ports. Power-Supply kommt über 802.3bt PoE oder herkömmlich über das mitgelieferte 12V-Netzteil.

Beide APs von TP-Link eignen sich zur Wand- und Deckenmontage. Die Verwaltung der APs läuft über die Omada-App, den Omada-Controller oder über die Omada-Cloud. Wie Huawei hat auch TP-Link seinen Hauptsitz in Shenzhen, Südchina.

Auf der nächsten Seiten folgen drei weitere Mesh-Systeme von TP-Link.

Deco BE65, BE85 und BE95

TP-Link Deco BE65

Eher auf kleine Firmen und private Häuser dürften die drei Mesh-Systeme TP-Link Deco zielen. Das kleinste, TP-Link Deco BE65(öffnet im neuen Fenster) , soll in Summe knapp 11 GBit/s in der Luft sowie vier 2,5 Gigabit LAN-Ports bieten, was für viele User vernünftiger sein kann als ein 10-Gigabit-Port.

Bei Amazon war dieses kleinste Mesh-System aus Shenzhen zwischenzeitlich schon als lieferbar ab 6. Juni 2023 gelistet: Das Dreierpack sollte 999 Euro kosten. Das macht rechnerisch 333 Euro pro Mesh-Funkstation, also auch nicht mehr als das im Markt gefloppte Wi-Fi 6E.

TP-Link Deco BE85

Das nächstgrößere Mesh-System TP-Link Deco BE85(öffnet im neuen Fenster) verspricht eine Funk-Speed-Summe von fast 22 Gigabit, dazu zwei 10-Gigabit-WAN/LAN-Buchsen plus zwei 2,5-Gigabit-Ports.

Die Funkleistung von fast 22 GBit/s steht bei einem Betrieb als WLAN-Mesh-System aber nicht exklusiv für Endgeräte zur Verfügung. Dann wird ein Teil der WLAN-Power nämlich für die systeminterne Verkoppelung der Mesh-Stationen untereinander benötigt.

Die Mesh-Points können aber auch per Ethernet-LAN-Kabel untereinander verkoppelt werden. Dann bleibt mehr Funkleistung für die WLAN-Endgeräte übrig.

Spannend ist auch, dass einer der zwei 10-GBit/s-Ports als Kombianschluss für Kupfer via RJ45 und für Glasfaser über ein SFP+Modul ausgeführt ist. Das klingt mindestens semiprofessionell.

TP-Link Deco BE95

Das noch stärkere TP-Link Deco BE95(öffnet im neuen Fenster) Mesh-System hat als einziges in unserer Marktübersicht sogar zwei 6-GHz-Funkmodule und kommt damit auf eine Summe von knapp 33 GBit/s. Dadurch kann man die verschiedenen Mesh-Stationen auch über die 6 GHz untereinander verkoppeln. Im Gegensatz zum 5-GHz-Band gibt es auf dem 6-GHz-Band viel weniger Störungen – nicht durch Radar und bis auf Weiteres auch nicht durch Überfüllung.

Die LAN-/WAN-Ports des stärksten TP-Link Deco BE95 sind offenbar identisch mit dem mittleren BE85: Es gibt 2 x 2,5 und 2 x 10 GBit/s, davon einer als Kupfer-/Glasfaser-Kombianschluss.

Nun folgen die Wi-Fi-7-Router, zunächst die mit Internet-Modem.

Wi-Fi-7-Router mit Internet-Modem von AVM

Die bislang einzigen uns bekannten Wi-Fi-7-All-in-one-Modem-Router (also mit eingebautem Internet-Modem) kommen von AVM aus Berlin. Es sind die Modelle AVM Fritzbox 5690 Pro und 5690 XGS(öffnet im neuen Fenster) .

AVM Fritzbox 5690 Pro

Die AVM Fritzbox 5690 Pro verfügt über zwei interne Modems: eines für DSL mit bis zu 250 MBit/s und eines für Glasfaser mit bis zu 2,5 Gigabit. Das Modell 5690 Pro funkt erwartungsgemäß auf allen drei Wi-Fi-7-Bändern, also bei 2,4 und 5 und 6 GHz. Das passt perfekt.

AVM Fritzbox 5690 XGS

Die Fritzbox 5690 XGS hat nur ein Glasfaser-Modem, aber bis zu 10 GBit/s. Beim WLAN stutzten wir und fragten AVM schon im März 2023, weil die AVM Fritzbox 5690 XGS offenbar kein 6 GHz bespielt, sich aber trotzdem Wi-Fi 7 nennt.

Auf unsere Frage, ob es trotzdem Wi-Fi 7 sei, sagte uns eine AVM-Sprecherin: "Ja, ist es. Die Vorgaben von Wi-Fi 7 für Endprodukte werden durch die IEEE (802.11be) und Wi-Fi Alliance (Wi-Fi 7) definiert. Beide Organisationen sind dabei, die Spezifikationen des WLAN-Standards zu finalisieren. Dem folgend werden die beiden Modelle bei der Marktankündigung dem Standard Wi-Fi 7 entsprechend sein. Wi-Fi 6e ist für das 6-GHz-Band definiert. Das ist bei Wi-Fi 7 nicht so, hier handelt es sich um die nächste WLAN-Generation, die für alle 3 Bänder definiert ist. (Auch in Wi-Fi 6 war es möglich, nur 2,4 oder nur 5GHz zu unterstützen.)"

Ist 6 GHz bei Wi-Fi 7 also gar keine Pflicht?

Anscheinend müssen Geräte, die sich Wi-Fi 7 nennen dürfen, nicht zwingend auch das 6-GHz-Band bespielen. Auch bei ganz neuen Smartphones gibt es schon Modelle, die zwar mit Wi-Fi 7 werben, aber kein 6 GHz verstehen, etwa von Honor, Oneplus und Xiaomi. Details dazu später.

Wi-Fi 7 ist offenbar ein Baukasten, aus dem sich die Hersteller das herausholen können, was sie für ihre gewünschten Endgeräte benötigen. Auch bei den kommunizierten Geschwindigkeiten im 2,4-GHz-Band sind die Angaben verschiedener Hersteller und Modelle so unterschiedlich, dass nicht immer ganz klar ist, ob die Modelle nun nach 11be oder nach 11ax funken. Schade, dass es für den normalen Endkunden damit schon wieder schwierig wird, Wi-Fi 7 ganz klar einzuordnen.

Bevor wir zu den Routern ohne Internet-Modem kommen, noch kurz zu einem weiteren AVM-Produkt.

AVM mit neuem Router für Kabelinternet

AVM FRITZ!Box 6670 Cable

Am 16. Mai 2023 veröffentlichte AVM die Mitteilung, dass man auf der Breitband-Messe Anga Com in Köln (ab 23. Mai) eine liegende Wi-Fi-7-Fritzbox 6670 Cable demonstrieren werde. Sie soll noch 2023 auf den Markt kommen.

Die geplanten Features sind:

  • Docsis-3.1-Router für Internet am Kabelanschluss
  • Kanalbündelung mit 2 x 2 OFDM(A) und 32 x 8 SC-QAM
  • WLAN Mesh, 2 x 2, Wi-Fi 7 und Wi-Fi 6
  • WLAN-Geschwindigkeiten: 2,4 GHz bis zu 720 MBit/s, 5 GHz bis zu 2.880 MBit/s
  • 1 x 2,5-Gigabit-LAN/WAN-Anschluss und 4 LAN-Anschlüsse mit 1 GBit/s
  • Telefonie über DECT, IP/SIP und 1 analogen Telefonanschluss (FXS)
  • integrierter TV-Tuner zum Streamen des Fernsehsignals im Heimnetz, beispielsweise über Fritz-App TV
  • Smart Home über DECT ULE und Zigbee, Matter in Vorbereitung
  • Fritz OS mit Kindersicherung, Mediaserver, Fritz-NAS, WLAN-Gastzugang und einiges mehr
  • 1 x USB 2.0 für Mobilfunksticks (5G/4G) sowie Speichermedien und Drucker

Damit bekommt die neue 6670 gegenüber der alten 6660 also ein marginal schnelleres WLAN:

  • Bei 2,4 GHz funkt die alte 6660 bis zu 600 MBit/s und die neue 6670 bis zu 720 MBit/s; Zuwachs brutto gerade einmal 20 Prozent.
  • Bei 5 GHz funkt die alte 6660 bis zu 2.400 MBit/s und die neue 6670 bis zu 2.880 MBit/s; Zuwachs ebenfalls nur 20 Prozent.
  • Von 6 GHz ist nichts zu lesen, also dürfte die neue 6670 gar kein Wi-Fi 6E unterstützen.

Wer bis vor Kurzem daran glaubte, dass Wi-Fi 7 der Garant für einen großen WLAN-Speed-Sprung wird, sieht sich bei dieser 6670 besonders ernüchtert. Aber vielleicht hat Wi-Fi 7 andere Vorteile, die in der ersten 6670-Pressemeldung noch nicht angesprochen wurden.

Der zweite Fortschritt bei der neuen 6670: Sie hat den Smart-Home-Funk namens Zigbee schon ab Werk dabei. Das hat die alte 6660 noch nicht. Man kann Zigbee aber seit April 2023 mit dem externen Fritz Smart Gateway für circa 80 Euro hinter Fritzboxen ab OS 7.50 nachrüsten. Ein früher Test des Zigbee-Gateways, just hinter einer 6660 Cable, findet sich hier .

Bei den hinteren Anschlüssen ist die 6670 laut unserer Analyse des Pressefotos baugleich zur 6660. Einige werden bemängeln, dass auch die neue Fritzbox wieder nur einen 2,5-GbE-Port hat, nur eine lahme USB-2.0-Buchse, nur einen analogen Telefonanschluss und überhaupt kein ISDN.

Aber wenn AVM dadurch einen massenkompatiblen Preis schafft, wird die 6670 ihr Publikum finden. Den Preis will der Hersteller erst zum Marktstart nennen.

Kommen wir jetzt aber zu den Wi-Fi-7-Routern ohne Internet-Modem. Sie kommen unter anderem von Asus und TP-Link.

Zehn Wi-Fi-7-Router ohne Internet-Modem I: Asus und Netgear

Bei den WiFi-7-Routern ohne Internet-Modem konnten wir bereits zehn Modelle finden: Beim Asus ROG Rapture GT-BE98 und beim TP-Link Archer BE900 fällt auf, dass sie sogar zwei WLAN-Funkmodule für das 5-GHz-Band bieten sollen.

Asus GT-BE98 und RT-BE96U

Die Wi-Fi-7-Router von Asus wurden im Januar 2023 auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Laut Posting auf dem Asus-Linkedin-Kanal ist der Asus ROG Rapture GT-BE98(öffnet im neuen Fenster) der weltweit erste Quad-Band-Wi-Fi-7- Gaming-Router.

Beim BE98 von Asus fällt auf, dass er sogar zwei Funkmodule für 5 GHz hat und damit auf eine WLAN-Summe von 24 GBit/s kommt. Das kann ansonsten bislang nur der TP-Link BE900, der in allen drei Bändern quasi die identischen Wi-Fi-7-Leistungen verspricht wie der Asus BE98.

Der Asus BE98 hat drei 10-Gigabit-LAN-Ports. Mit der Ankunft von Wi-Fi 7 scheint 10-GbE-LAN an WLAN-Routern bald ganz normal zu werden.

Der Quad-Band-Gaming-Asus GT-BE98 hält sich auch sonst an etliche 802.11be-Pflichtfeatures: 320 MHz Kanalbreite bei 6 GHz, 4096-alias-4K-QAM, Multi-Link-Operation und vieles mehr. Die einzelnen Frequenzbänder sind somit sehr gut bestückt. Das theoretische Maximum von 46 GBit/s nutzt bislang aber noch kein Wi-Fi-7-Funker voll aus, auch nicht der Asus GT-BE98.

Das kleinere Modell Asus RT-BE96U(öffnet im neuen Fenster) verzichtet auf den Doppelfunk bei 5 GHz und gibt sich mit zwei statt drei 10-GBit-LAN-/WAN-Ports zufrieden.

Netgear Nighthawk RS700

Netgear hat seinen ersten Wi-Fi-7-Router namens Nighthawk RS700 am 14. März 2023 angekündigt(öffnet im neuen Fenster) . Mit einer Speed-Summe von 18,7 Gigabit hat er beim WLAN große Ähnlichkeit mit dem Asus RT-BE96U und auch mit den beiden Wi-Fi-7-Routern von Tenda: 18,7 Gigabit scheint wohl der Mainstream bei der ersten Welle der Wi-Fi-7-Router zu werden.

Wie die meisten Wi-Fi-7-Router soll auch der neue Netgear RS700 superbreite 320-MHz-Kanäle, plus 4K-QAM-Modulation und Multi-Link-Operation bieten. Auch mit seinen 2 x 10-Gigabit-LAN-Ports ist Netgears Wi-Fi-7-Funker in bester Gesellschaft.

Der Netgear Wi-Fi-7-Tri-Band-Router sollte in den USA schon im zweiten Quartal 2023 auf den Markt kommen, für knapp 700 US-Dollar. Derweil wird der 15. August 2023 als neuer Lieferstart kommuniziert.

Weiter geht es mit Routern von Tenda und TP-Link.

Wi-Fi-7-Router ohne Internet-Modem II: Tenda und TP-Link

Tenda EE60 und TE60

Genau wie Huawei und TP-Link kommt auch Tenda aus Shenzhen, Südchina. Tenda hat schon zwei Wi-Fi-7-Router vorgestellt, mit identischen WLAN-Summen von 18,7 Gigabit, aber zwei völlig unterschiedlichen Gehäusedesigns.

Der eleganter wirkende Tenda EE60(öffnet im neuen Fenster) passt wohl eher ins moderne Wohnambiente, vielleicht sogar ins Chefbüro. Er verspricht den "Pinnacle of Coverage and Speed" , auf Deutsch etwa "den absoluten Gipfel von Reichweite und Geschwindigkeit." Technisch unterstützt wird er durch 4K-QAM-Modulation, superbreite 320-MHz-Kanäle zwischen Router und Endgerät im 6-GHz-Band sowie Multi-Link-Kapazität.

Angetrieben wird der elegante Tenda unter anderem durch eine "Top-notch Quad-Core-CPU" mit 2,6 GHz für Near-zero Latency im 6-GHz-Band – um die Werbesprache von Tenda zu zitieren. Er hat offenbar acht Antennen und Antennengewinn von 5 dBi für eine WLAN-Versorgung von 880 qm mit drei Mesh-Stationen. Dazu kommen 2 x 10- und 1 x 2,5-Gigabit-LAN-/WAN-Ethernet-Buchsen in RJ45-Ausführung für Kupferkabel.

Der optisch völlig andere Tenda TE60(öffnet im neuen Fenster) hat zwar die gleichen WLAN-Werte wie der Tenda EE60, aber ein Gaming-typisches Design mit acht langen externen Antennen. Außerdem gibt es 2 x 10- plus 2 x 1-Gigabit- LAN-/WAN-Ports.

TP-Link Archer BE550

Der TP-Link Archer BE550 ist einer von vier weiteren TP-Link-Routern, nachdem weiter oben schon drei Wi-Fi-7-Mesh-Systeme und zwei Wi-Fi-7-Business-Access-Points von TP-Link vorgestellt wurden. Mit insgesamt neun Wi-Fi-7-Produkten ist TP-Link in dieser ersten Marktübersicht also stark vertreten.

Der TP-Link Archer BE550(öffnet im neuen Fenster) liegt in der WLAN-Summe knapp unter 10 Gigabit. Mit fünf Ethernet-Ports mit bis zu je 2,5 Gigabit dürfte sein integrierter Switch für viele WLAN-User bestens taugen. Es sei denn, man will unbedingt 10-Gigabit-NAS-Server und 10-Gigabit-Workstations verlustfrei an den WLAN-Router anschließen.

Spannender Hinweis in der kleingedruckten Fußnote: "Dieser Router unterstützt möglicherweise nicht alle obligatorischen Funktionen, die in der IEEE 802.11be-Spezifikation festgelegt sind."

Tatsächlich weist TP-Link auch in den Tech Specs darauf hin, dass der Router im 2,4-GHz-Band nicht nach der neuesten Norm 11be, sondern nur im bisher dominierenden 11ax-Modus arbeitet. So viel Transparenz würde man sich bei allen Wi-Fi-7-Herstellern wünschen.

Das Gerücht, dass die neuen Wi-Fi-7-Router schon mit WPA4-Verschlüsselung kommen, bestätigt sich laut unseren bisherigen Marktrecherchen jedoch nicht. Auch bei den Tech Specs von TP-Link ist WPA3 vorerst das Maximum. Natürlich werden auch drei Gastnetzwerke und mehrere VPN-Varianten vom BE550 unterstützt, allerdings kein Wire Guard.

Bevor wir abschließend zu den Endgeräten mit Wi-Fi 7 kommen, hier noch die drei anderen Router von TP-Link.

Wi-Fi-7-Router ohne Internet-Modem III: Archer BE800, BE900 und GE800

TP-Link Archer BE800

Der nächststärkere TP-Link Archer BE800(öffnet im neuen Fenster) liegt mit einer WLAN-Summe von 18,7 Gigabit im Mittelfeld der Wi-Fi-7-Router. Er hat offenbar das gleiche markante Gehäuse wie der schwächere BE550. Allerdings funkt er den Modus 802.11be auf allen drei Frequenzbändern.

Mit 2 x 10 und 4 x 2,5 Gigabit hat er einen üppigen LAN-Ethernet-Switch, den man ansonsten für teures Geld gesondert kaufen müsste – falls man so viele LAN-Ports hinter dem WLAN überhaupt braucht. Ansonsten bietet auch der BE800 drei Gastnetze auf 2,4 und 5 und 6 GHz sowie mehrere VPN-Optionen. Aber auch hier: kein Wire Guard.

TP-Link Archer BE900

Beim starken Quad-Band-Archer BE900(öffnet im neuen Fenster) setzt TP-Link noch ein viertes Funkmodul obendrauf. So kommt er auf eine WLAN-Summe von 24 Gigabit und konkurriert beim WLAN mit dem Asus Quad-Band Gaming-Router ROG Rapture GT-BE98. Das sind bislang die einzigen (uns bekannten) Wi-Fi-7-Router mit zwei 5-GHz-Modulen.

Noch mehr WLAN-Speed bietet nur das TP-Link Deco BE95 Mesh-System mit zwei Funkmodulen bei 6 GHz und einer WLAN-Summe von knapp 33 GBit/s brutto.

Ob derlei Doppelfunk nun bei 5 oder 6 GHz mehr Sinn ergibt, wird man vermutlich erst nach mehreren praktischen Tests beurteilen können. Bei 5 GHz dürfen die Module in Zentraleuropa mehr Sendeleistung ausfahren, das 6-GHz-Band ist hingegen bis auf Weiteres wunderbar leer und verspricht deshalb weniger Störungen.

Beim Archer BE900 halten sich offenbar alle vier Funkmodule an die kommende Norm IEEE 802.11be. Sein WLAN strahlt aus zwölf Antennen, um auch größere Flächen gut abzudecken.

Neben den 2 x 10- und 4 x 2,5-Gigabit Ports des mittleren BE800 setzt der stärkere BE900 noch einen zusätzlichen 1-Gigabit-LAN-Port obendrauf – ein wahrhaft üppiger Switch, zumindest für private Nutzer. Dazu gibt es vier Gastnetze sowie mehrere VPN-Server-und-Client-Optionen, allerdings kein Wire-Guard-VPN.

Auch hier bleibt zum Rechercheschluss am 15. Mai 2023 die Frage offen: Wann wird dieses Gerät in den hiesigen Handel kommen? Wie viel wird es kosten? Und wie wird die Stromkurve bei Last und im Stand-by aussehen?

TP-Link Archer GE800

Am Ende unserer Wi-Fi-7-Ankündigungspalette von TP-Link kommt jetzt noch der Archer GE800(öffnet im neuen Fenster) . Mit einem G wie Gustav – oder wie Gaming.

Mit seiner WLAN-Summe von 18,7 Gigabit liegt er im gehobenen Mittelfeld der Wi-Fi-7-Router. Mit seinem spacigen Flügelgehäuse positioniert er sich auch optisch eher als Gaming-Router. Die Alternative dazu wäre wohl das spinnenartige Design der beiden Asus-Router mit den vielen langen Antennen.

Die technischen Daten lesen sich überzeugend: Der Archer GE800 funkt wohl echtes 802.11be auf allen drei Frequenzbändern, bis hinunter ins 2,4-GHz-Band. Der LAN-Switch ist üppig ausgestattet, nämlich 2 x 10- plus 2 x 2,5- plus 4 x 1-Gigabit-Ethernet. In Summe also acht LAN-Ethernet-Buchsen.

Dazu gibt es drei Gastnetze, mehrere VPN-Optionen, aber kein Wire Guard – dafür jedoch ein Game-Center, das unter anderem die Reaktionszeiten beim Zocken durch diverse Priorisierungen optimieren soll.

Für ein Enterprise-Rollout ist der Gaming-Archer GE800 eher nicht geeignet. Aber solange Cisco, HPE Aruba und die anderen kein Wi-Fi 7 angekündigt haben, muss sich unsere Marktübersicht auf die Produkte für den Privatmarkt beschränken.

Dass Wi-Fi 7 auch und gerade über Gaming-Router in den Markt kommen will, hat einen guten Grund: Bei Zockern entscheiden oft Millisekunden über Sieg oder Niederlage. Erfahrungsgemäß geben Gamer besonders viel Geld für starke Rechner- und Netzwerktechnik aus.

Was nun noch fehlt, ist die Antwort auf eine andere wichtige Frage: Mit welchen Endgeräten kann man Wi-Fi 7 überhaupt schon nutzen? Gibt es passende Laptops, Tablets, Handys?

Smartphones mit Wi-Fi 7 I: Honor, Oneplus und Xiaomi

Die ersten Handys mit Wi-Fi 7 gibt es schon, Laptops mit Wi-Fi 7 sind noch nicht im Handel. Laut einer gemeinsamen Demonstration von Intel und Broadcom versprechen die ersten Wi-Fi-7-Laptops einen Nettodurchsatz von circa 5 Gigabit bei kurzer Distanz und direkter Sichtlinie zum Wi-Fi-7-Access-Point.

Warum so wenig? Weil man in schlanke und mobile Laptops nicht so viele Antennen wie in stationäre Wi-Fi-7-Router einbauen will.

Wi-Fi-7-Smartphones

Bei den Smartphones sind uns bis zum 15. Mai 2023 bereits vier Modelle aufgefallen, die explizit mit Wi-Fi 7 werben:

1. Honor Magic5 Pro
2. Oneplus 11 5G
3. Xiaomi 13
4. Xiaomi 13 Pro


Bei den zwei Xiaomi-Modellen sind schon konkrete Bruttowerte publiziert: 3,6 Gigabit beim Xiaomi 13 und 5,8 Gigabit beim Xiaomi 13 Pro.

Honor Magic5 Pro

Das Honor Magic5 Pro(öffnet im neuen Fenster) macht noch keine Angaben zum Wi-Fi-7-Speed. Es stellt seine Kamera viel stärker heraus als sein WLAN, weil die Kamera viel mehr Menschen interessieren dürfte. Es kostet knapp 1.200 Euro.

Das WLAN bietet maximal 11be aus zwei Antennen, allerdings nur auf 2,4 und 5 GHz, offenbar ist also kein 6 GHz an Bord. Im Kleingedruckten findet sich der Hinweis: 802.11be benötigt OTA-Upgrade-Unterstützung und muss mit einem Wi-Fi 7-Router verwendet werden.

Oneplus 11 5G

Beim Oneplus 11 5G(öffnet im neuen Fenster) fehlen ebenfalls genaue WLAN-Speed-Angaben. Auch hier steht die Kamera im Vordergrund, die in Zusammenarbeit mit Hasselblad entwickelt wurde.

Doch auch diverse Wi-Fi-7-Features werden schon kommuniziert. Zum Beispiel soll der Multi-Link-Betrieb MLO mit dem Oneplus 11 möglich sein. Konkret gesagt, die gleichzeitige Verbindung auf zwei Bändern, in diesem Fall nur bei 2,4 und 5 GHz, was zu einer Aggregierung der Durchsatzwerte, sprich zu mehr WLAN-Speed führen soll.

Das Oneplus-11-Modell mit 8 GB RAM kostet offiziell 829 Euro. Das stärkere Modell mit 16 GB RAM war schon Mitte April 2023 ab circa 975 Euro lieferbar.

Xiaomi 13 und 13 Pro

Die Xiaomi-13-Smartphone-Serie wurde am 26. Februar 2023 auf dem MWC vorgestellt – und zwar mit dem jüngsten Snapdragon-8-Gen-2-Prozessor, der allein aber noch kein Full-Featured-Wi-Fi-7 garantiert. Dafür kommt im Xiaomi noch das Qualcomm Fastconnect 7800 Mobile Connectivity System(öffnet im neuen Fenster) hinzu. Laut Herstellerwebseite werden auch die Xiaomi-13-Modelle nachträglich mittels OTA über die Luft auf das finale Wi-Fi 7 aufgerüstet.

Das stärkere Xiaomi 13 Pro(öffnet im neuen Fenster) verspricht bereits die High-Band-Simultaneous-Multi-Link-Technologie und hat wohl deshalb auch das höhere Speed-Maximum bis zu 5,8 Gigabit – im Gegensatz zum normalen Xiaomi 13 ohne Pro(öffnet im neuen Fenster) , das nur die Dual Band Link Aggregation und damit maximal 3,6 Gigabit verspricht. Ansonsten steht auch bei den Xiaomis die Kamera im Fokus der Vermarktung.

Das Xiaomi 13 (ohne Pro) kostet knapp 1.000 Euro. Im Mai 2023 war es ab 750 Euro lieferbar. Beim Xiaomi 13 Pro steht ebenfalls die Kamera im Fokus der Vermarktung. Es wird offiziell ab 1.300 Euro beworben.

Die Ratifizierung von 11be soll 2024 kommen

Die Ratifizierung, also die verbindliche Verabschiedung der IEEE-Norm 802.11be , wird erst im Frühling 2024 erwartet. Das hält die WLAN-Hersteller aber nicht davon ab, Wi-Fi-7-Produkte schon 2023 zu bewerben und zu vermarkten.

In der Regel lassen sich die letzten Änderungen nach Verabschiedung der Norm nämlich per Softwareupdate in die bereits ausgelieferte Hardware nachpflegen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft aber nichts vor der finalen Ratifizierung und Wi-Fi-7-Zertifizierung.

Außerdem ist Wi-Fi 7 wie gesagt nicht gleich Wi-Fi 7: Es ist eher ein Baukasten, aus dem die Hersteller unterschiedlich starke Modelle kreieren.

Fazit

Nach aktueller Datenlage müssten die kommenden Wi-Fi-7-Geräte große Vorteile bei Speed, Stabilität und Kapazität bringen. Doch Papier ist geduldig.

Und Webseiten ebenso: Unsere frühe Marktübersicht beruht auf den technischen Angaben der Hersteller zu den geplanten Wi-Fi-7-Produkten. Am Ende zählt aber nur, was die Hersteller in den nächsten Monaten tatsächlich ausliefern und wie gut sich die neuen Produkte in ersten Tests und Pilotprojekten schlagen werden.


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