Marktforschung: Gartner sagt totale KI-Transformation voraus
Das Marktforschungsunternehmen Gartner zeichnet ein Zukunftsszenario(öffnet im neuen Fenster), in dem künstliche Intelligenz zu weitreichenden Umbrüchen am Arbeitsplatz führt – jedoch ohne massenhaften Stellenabbau. Auf dem Gartner IT Symposium in Barcelona erklärte Analystin Helen Poitevin, Unternehmen und Arbeitnehmer sollten sich auf einen weitreichenden Transformationsprozess einstellen, aber nicht auf eine Apokalypse.
Die Prognose sieht den Höhepunkt dieser Veränderungen zwischen 2028 und 2029. Gartners Analyse deutet darauf hin, dass KI mehr Arbeitsplätze schaffen als vernichten wird – wobei die Transformation je nach Branche und Position sehr unterschiedlich ausfallen dürfte. Gartner spricht deshalb auch von einem Welleneffekt: KI verändere nicht alle Jobs gleichzeitig und gleich stark. Stattdessen würden manche Branchen sofort betroffen sein, andere erst später – die Auswirkungen breiten sich nach und nach aus, fallen überall anders aus und beeinflussen sich gegenseitig.
Den Projektionen zufolge werden viele Jobs Weiterqualifizierung erfordern, während andere Rollen grundlegend neu gestaltet werden müssen. Die Veränderungen werden voraussichtlich die meisten Unternehmen in irgendeiner Form betreffen, auch wenn die konkreten Auswirkungen noch ungewiss sind.
Aktuelle Studien der Georgia State University(öffnet im neuen Fenster) und der Jobplattform Indeed(öffnet im neuen Fenster) stützen nach einem Bericht von ZDNet(öffnet im neuen Fenster) diese Sichtweise. Ihre Untersuchungen legen nahe, dass KI eher spezifische Aufgaben und Verantwortungsbereiche automatisieren als ganze Berufsfelder ersetzen wird – zumindest mittelfristig.
Laut Poitevin wird es künftig weniger darum gehen, wie viele Mitarbeiter ein Unternehmen hat. Entscheidend sei vielmehr, wie gut Menschen und KI zusammenarbeiten.
Vier Arbeitsplatzmodelle der Zukunft
Gartner hat vier potenzielle Szenarien identifiziert, die zeigen, wie Organisationen KI in ihre Abläufe integrieren könnten. Das erste Modell sieht eine verkleinerte Belegschaft vor, die Aufgaben übernimmt, welche KI nicht effektiv bewältigen kann. Der Kundenservice ist ein Bereich, in dem dieses Modell greifen könnte – menschliche Mitarbeiter könnten sich nur noch um Situationen kümmern, an denen automatisierte Systeme scheitern.
Das zweite Szenario beschreibt KI-gesteuerte Geschäftsprozesse oder ganze Unternehmensbereiche mit minimaler menschlicher Beteiligung. Dies entspricht Gartners Vision eines autonomen Geschäftsmodells.
Im dritten Modell nutzt ein großer Teil der Belegschaft KI-Tools zur Steigerung von Produktivität und Arbeitsgeschwindigkeit. Dieser Ansatz spiegelt eine alltägliche KI-Integration wider, ohne dass Jobstrukturen grundlegend verändert werden.
Das vierte Szenario zeigt Mitarbeiter, die KI nutzen, um bisherige Grenzen in ihren Fachgebieten zu überwinden. Personalisierte Medizin dient als Beispiel: KI könnte es Medizinern ermöglichen, maßgeschneiderte Behandlungen für einzelne Patienten zu entwickeln und nicht nur, wie es derzeit der Fall ist, für Gruppen ähnlicher Patienten.
Poitevin betonte, dass Unternehmen nicht mit Sicherheit vorhersagen können, welches Modell sich langfristig durchsetzen wird. "Egal, welches Szenario Führungskräfte verfolgen – sie müssen bereit sein, alle vier zu unterstützen", erklärte sie in ihrer Präsentation.
Flexibel bleiben ist Pflicht
Die Gartner-Analystin rät Führungskräften, flexibel zu bleiben und auf die Entwicklungen im KI-Bereich zu achten. Dabei gibt es zwei grundsätzliche Ansätze: Entweder man stellt die Menschen in den Mittelpunkt und unterstützt die Mitarbeiter – oder man setzt voll auf KI und maximale Automatisierung.
Gartner empfiehlt, beide Wege gleichzeitig zu gehen. Statt KI als Bedrohung zu sehen, sollten Unternehmen sie als Chance begreifen. Anstelle des Job-Kahlschlags werde KI eine Vielzahl neuer Arbeitsplatzmodelle hervorbringen. Welche davon letztendlich am besten funktioniert, ist laut Gartner eine Frage, die jedes Unternehmen für sich selbst beantworten muss. Das wird erheblichen Aufwand verursachen und erfordert, dass Jobrollen neu gedacht, verändert und implementiert werden müssen.
Gartners Forschungsergebnisse sind im Report AI's Ripple Effect on Jobs and Organizations zusammengefasst, der den Kunden des Unternehmens zur Verfügung steht. Zudem bietet das Unternehmen ein AI-Use-Case-Insights-Tool(öffnet im neuen Fenster) mit über 500 Anwendungsfällen und 380 Fallstudien aus verschiedenen Branchen.
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