Mark Zuckerberg: Freiheit ist immer die Freiheit von Facebook

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich in einer Rede als Hüter der Meinungsfreiheit aufgespielt. Darunter versteht er vor allem den eigenen Vorteil.

Artikel von Lisa Hegemann/Zeit Online veröffentlicht am
Mark Zuckerberg spricht an der Georgetown University
Mark Zuckerberg spricht an der Georgetown University (Bild: Riccardo Savi/Getty Images for Facebook)

Manche Reden bleiben in Erinnerung, weil sie besonders revolutionär sind. Manche, weil sie emotional mitreißend waren. Und manche, weil sie so skurril sind. Die Rede von Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Donnerstagabend fällt eher in letztere Kategorie.

Inhalt:
  1. Mark Zuckerberg: Freiheit ist immer die Freiheit von Facebook
  2. Der gute Mark vom Menlo Park

Der Gründer des sozialen Netzwerks spielte sich an der Georgetown University in Washington als Hüter der freien Meinungsäußerung auf. Immer mehr Menschen im gesamten politischen Spektrum glaubten, dass bestimmte politische Ergebnisse wichtiger seien, als dass jede Person eine Stimme habe, sagte Zuckerberg vor den Studierenden. "Ich denke, das ist gefährlich." Es sei notwendig, dass immer mehr Menschen ihre Perspektiven teilen könnten, um eine integrativere Gesellschaft zu bauen. "Diese Sichtweise wird zunehmend infrage gestellt."

Facebooks Freiheit ist nicht Meinungsfreiheit

Wer genau die Meinungsfreiheit infrage stelle, sagte Zuckerberg nicht. Aber er glaube, dass man weiter für freie Meinungsäußerung sein müsse. Als positive Beispiele erwähnte er Bewegungen wie die schwarze Bürgerrechtsinitiative #BlackLivesMatter oder die Geschichten von Missbrauch unter #MeToo, die auf Facebook viral gegangen seien. Vor 100 Jahren hätte es gegen Gesetze verstoßen, die Geschichten überhaupt aufzuschreiben, sagte der Firmengründer. Jetzt würden sie etliche Menschen erreichen.

In seiner Rede nährte Zuckerberg die Skepsis vor traditionellen Medien und vor Politikerinnen und Politikern. "Die Menschen müssen sich nicht mehr auf traditionelle Pförtner in Politik oder Medien verlassen, um ihre Stimme zu Gehör zu bringen, und das hat wichtige Konsequenzen", sagte er. Er verstehe die Bedenken gegenüber der zentralisierten Macht von Technologieplattformen, aber die größere Geschichte sei, wie die Plattformen Macht dezentralisiert hätten.

Stellenmarkt
  1. IT Integration Analyst Digital Services (m/w/d)
    ALDI International Services GmbH & Co. oHG, Düsseldorf, Dortmund, Duisburg, Mülheim an der Ruhr
  2. Microsoft Dynamics Business Central Developer / Programmierer (m/w/d)
    Heinz von Heiden GmbH Massivhäuser, Isernhagen
Detailsuche

Zuckerberg setzte in seinen Erklärungen auf geschickte Abwägungen. Radikalisierung? Wolle man auf Facebook natürlich nicht befördern, aber sei ja auch gar nicht so schlimm: Die meisten Menschen würden sich durch das Internet breiter informieren als zuvor. Hasskommentare? Bekämpfe man, aber da verstehe ja auch jeder und jede etwas anderes drunter. Fake-News? Wolle natürlich niemand lesen. Aber: "(…) ich denke nicht, dass die meisten Menschen in einer Welt leben wollen, in der man nur Dinge posten kann, die Technologieunternehmen für hundertprozentig wahr halten", sagte Zuckerberg.

Facebooks Definition der Meinungsfreiheit bedeutet demnach vor allem: Freiheit für Facebook. Folgt man der Argumentation Zuckerbergs, dürfte das soziale Netzwerk weitermachen wie bisher und selbst bewerten, welche Probleme überhaupt Probleme sind, welche es angeht und welche dann doch zu heikel oder zu kostspielig sind.

Was der Firmenchef am Donnerstag unerwähnt ließ, ist Facebooks eigene Rolle. Natürlich sind erst einmal alle Nutzerinnen und Nutzer verantwortlich für das, was sie auf dem sozialen Netzwerk posten. Und natürlich muss man sich darüber Gedanken machen, wie stark ein Unternehmen in Inhalte eingreifen sollte.

Doch Zuckerbergs Narrativ, dass Facebook die freie Meinungsäußerung uneingeschränkt hochhalte, blendet aus, dass es nicht nur um die Äußerung allein geht: Algorithmen entscheiden darüber mit, welcher Beitrag in unsere Newsfeeds gespült wird und welcher eher nicht. Nutzerinnen und Nutzer konsumieren Beiträge nicht einfach nur, sie können sie mit Herzchen oder Wut-Smileys bewerten und Kommentare hinterlassen. Und basierend darauf zeigt Facebook mehr vom Gleichen an.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Der gute Mark vom Menlo Park 
  1. 1
  2. 2
  3.  


rocket_to_russia 26. Okt 2019

Ist das nicht ein Pleonasmus? Wahlwerbung ist immer Lüge. Und eine Meinung ist eine...

Clown 22. Okt 2019

Aus dem anderen Thread: Also ist doch (oft) mit "die Aussage ist rechts" "Du bist rechts...

demon driver 22. Okt 2019

Stimmt aber nicht. Er stellt das öffentliche Äußern bestimmter Dinge unter Strafe, nach...

Lord Gamma 21. Okt 2019

Manche Politiker. Und sie brauchen natürlich auch Schafe, denen sie als Hirten dienen...

Lord Gamma 21. Okt 2019

Es ist immer die "Freiheit" von Facebook, nämlich die Freiheit, sich den diesbezüglich...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
600 Millionen Euro
Bundeswehr lässt Funkgeräte von 1982 nachbauen

Das SEM 80/90 mit 16 KBit/s wird exakt nachgebaut, zum Stückpreis von rund 20.000 Euro. Das Retrogerät geht für die Bundeswehr in Serie.

600 Millionen Euro: Bundeswehr lässt Funkgeräte von 1982 nachbauen
Artikel
  1. Foundation bei Apple TV+: Die unverfilmbare Asimov-Trilogie grandios verfilmt
    Foundation bei Apple TV+
    Die unverfilmbare Asimov-Trilogie grandios verfilmt

    Gegen die Welt von Asimovs Foundation-Trilogie wirkt Game of Thrones überschaubar. Apple hat mit einem enormen Budget eine enorme Science-Fiction-Serie geschaffen.
    Eine Rezension von Peter Osteried

  2. Pakete: DHL-Preiserhöhung könnte Amazon Prime verteuern
    Pakete
    DHL-Preiserhöhung könnte Amazon Prime verteuern

    DHL Paket erhöht die Preise für Geschäftskunden. Das könnte Auswirkungen auf den Preis von Amazon Prime haben.

  3. Security: Forscher veröffentlicht iOS-Lücken aus Ärger über Apple
    Security
    Forscher veröffentlicht iOS-Lücken aus Ärger über Apple

    Das Bug-Bounty-Programm von Apple ist vielfach kritisiert worden. Ein Forscher veröffentlicht seine Lücken deshalb nun ohne Patch.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Samsung G7 31,5" WQHD 240Hz 499€ • Lenovo-Laptops zu Bestpreisen • 19% auf Sony-TVs bei MM • Samsung SSD 980 Pro 1TB 150,50€ • Dualsense-Ladestation 35,99€ • iPhone 13 erschienen ab 799€ • Sega Discovery Sale bei GP (u. a. Yakuza 0 4,50€) [Werbung]
    •  /