Der gute Mark vom Menlo Park

Das muss man nicht grundsätzlich verdammen. Gäbe es solche Kriterien nicht, würden wir auf Facebook möglicherweise nur noch für uns irrelevante Beiträge angezeigt bekommen. Trotzdem muss man darüber reden, dass Facebook gewichtet, was gepostet wird. Und allein dadurch schon Einfluss auf Debatten nehmen kann - indem es eine Fake-News etwa prominenter anzeigt als die Entzauberung dieser Nachricht, ganz einfach, weil die falschen Informationen vermehrt geteilt werden.

So können Informationen eine Debatte prägen, die früher vielleicht nicht dieselbe Art der Verbreitung gefunden hätten. Facebook ist nicht einfach ein unbeteiligtes Portal, auf dem Menschen ihren Meinungsmüll abladen. Es entscheidet mit, wie sichtbar dieser Müll ist. Und, nicht zu vergessen, es verdient damit Geld.

Meinungsfreiheit ist ein sensibles Thema für Zuckerbergs Netzwerk. Seit Jahren steht es in der Kritik, weil sich Menschen dort nicht nur vernetzen und austauschen, sondern auch Hassbotschaften, falsche Informationen und radikale Ansichten streuen.

Nach den Wahlen 2016 war Facebook über Monate der Sündenbock: Russland hatte versucht, über das Netzwerk Wählerinnen und Wähler zu beeinflussen; die Analysefirma Cambridge Analytica wertete unerlaubt Millionen von Daten aus; mazedonische Jugendliche und Erwachsene machten sich den Algorithmus zunutze und verbreiteten massenhaft falsche Nachrichten, die auf Facebook viral gingen.

Dieses Image haftet Facebook bis heute an. Erst kürzlich beschwerte sich Elizabeth Warren, die ohnehin Facebook-kritische Demokratin und Bewerberin für die Präsidentschaftskandidatur, dass Facebook Lügen in Wahlwerbung erlaube. Und der amerikanische Präsident Donald Trump warf dem Netzwerk mehrfach liberale Tendenzen vor. In einem Jahr sind wieder Präsidentschaftswahlen. Die Georgetown-Rede ist offenbar Zuckerbergs Versuch, beide Seiten zu beruhigen - und ein eigenes Narrativ unter die Menschen zu bringen, das Facebooks Verantwortung minimiert.

Zuckerberg redet sich die Anfänge schön

Dafür verdreht Zuckerberg übrigens auch selbst mal Informationen. In seiner Rede stellte er die Anfänge von Facebook so dar: Nachdem der Irak-Krieg 2003 begonnen habe, hätten sich Studierende in Harvard machtlos gefühlt, weil sie den Krieg nicht hätten verhindern können. "Ich erinnere mich, dass ich das Gefühl hatte: Wenn mehr Menschen eine Stimme hätten, um ihre Erfahrungen zu teilen, wären die Dinge vielleicht anders verlaufen", so Zuckerberg.

Er habe dann in einer frühen Version von Facebook gesehen, dass sich seine Überzeugungen in kleinerem Maßstab bewahrheiteten. Als sich die Studierenden hätten ausdrücken können, "organisierten sie mehr soziale Veranstaltungen, gründeten mehr Unternehmen und forderten sogar einige etablierte Mechanismen heraus", sagte der Facebook-Chef.

Dabei war die erste Version des Netzwerks, FaceMash, bekanntlich kein Portal für philanthropische Initiativen. Es war eine Plattform, auf der Nutzer zwei Bilder von Studentinnen nebeneinander sahen und dann entscheiden konnten, welche ihrer Meinung nach besser aussah. Für die Fotos hatte sich Zuckerberg in die Websites der Studierendenwohnheime eingehackt. Und sie ohne das Einverständnis der Frauen verwendet. Von einer Stimme für jede oder jeden war damals noch keine Rede. Aber das hätte wahrscheinlich nicht ganz so gut zu Zuckerbergs Inszenierung als der gute Mark von Menlo Park gepasst.

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 Mark Zuckerberg: Freiheit ist immer die Freiheit von Facebook
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rocket_to_russia 26. Okt 2019

Ist das nicht ein Pleonasmus? Wahlwerbung ist immer Lüge. Und eine Meinung ist eine...

Clown 22. Okt 2019

Aus dem anderen Thread: Also ist doch (oft) mit "die Aussage ist rechts" "Du bist rechts...

demon driver 22. Okt 2019

Stimmt aber nicht. Er stellt das öffentliche Äußern bestimmter Dinge unter Strafe, nach...

Lord Gamma 21. Okt 2019

Manche Politiker. Und sie brauchen natürlich auch Schafe, denen sie als Hirten dienen...



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